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40 Jahre Integrated Electronics

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Heute feiert der Chiphersteller Intel seinen 40. Geburtstag. Mit Produktionsstätten in der ganzen Welt und rund 85.000 Mitarbeitern ist Intel die größte Firma ihrer Art. Sie dominiert den Chipmarkt und wird von Kartellwächtern argwöhnisch beobachtet. So weitet die EU-Komission gerade ihr Verfahren gegen Intel aus und trübt damit die Geburtstagsstimmung trotz bester Ergebnisse.

Die Gründung von Intel geht auf die Initiative von Robert Noyce und Gordon Moore zurück. Beide gehörten zu den acht Verrätern, die den von William Shockley gegründeten und autoritär geleiteten ersten Chiphersteller Shockley Semiconductors verließen und beim Fairchild-Konzern anheuerten. Dort hatten die Pioniere freie Hand, die Tochterfirma Fairchild Semiconductor aufzubauen, was mit dem Siegeszug des Transistors nicht besonders schwierig war.

1957 lieh Fairchild Camera and Instruments den Verrätern 1,5 Millionen Dollar unter der Bedingung, die Tochtergesellschaft aufzukaufen und selbst zu leiten. Zwei Jahre später waren Noyce und Moore zwar um 300.000 Dollar reicher, aber auch auf langweilige Management-Posten abgeschoben. Sie steckten schließlich jeder 250.000 Dollar in eine neue Firma, an der sich auch der Finanzier Arthur Rock und das Grinell College, Noyce's Alma Mater, mit jeweils 300.000 Dollar beteiligten.

Moore Noyce Electronics sollte sie heißen, was unglückliche Assoziationen zu "more noise" aufkommen ließ. NM Electronics als gedrehte Alternative klang langweilig, also kamen sie auf Integrated Electronics, zünftig als Intel abgekürzt. Nur in einschlägigen Geeks-Rätseln wird der Name Intel von der Computerfirma Intel abgeleitet, die in der 1961 gedrehten TV-Serie A wie Andromeda antritt, den weltbeherrschenden Supercomputer zu bauen.

Geeks aber waren es, die für den raketenhaften Start von Intel verantwortlich waren. Die Firma beschäftigte Pazifisten, weil der von Noyce und Moore geholte Geschäftsführer Andy Grove als jüdischer Überlebender des Holocausts Militärs nicht besonders mochte. Flache Hierarchien wurden installiert; es gab keine reservierten Parkplätze, und jeder Ingenieur konnte bis zu 100.000 Dollar Geräte kaufen, ohne Anträge schreiben zu müssen. Im Gegenzug wurden interne Teams aufgebaut, die extrem scharf miteinander konkurrierten.

Den ersten Geschäftserfolg brachte eine Gruppe um Dick Bohn und H.T. Chua mit dem für Hewlett Packard konzipierten Chip 3101, ein extrem schneller Schottky-Speicher. Wesentlich erfolgreicher schlug jedoch das Produkt des konkurrierenden Teams um Ted Hoff und Les Vadasz ein, das zunächst den 1101 vorstellte und dann mit dem 1103 den Markt revolutionierte: Dieser RAM-Chip ersetzte in kürzester Zeit in allen Computersystemen den bis dahin genutzten, von Jay W. Forrester mit erfundenen Kernspeicher.

Ein Jahr nach Gründung der Firma konnte ein Team um Ted Hoff den ersten Microprozessor vorstellen, der als viertes Projekt der Firma den Namen 4004 bekam und in Tischrechnern der japanischen Firma Busicom zum Einsatz kam. Der erste Prozessor, der in einem Computer arbeitete, war der 8008, ein "aufgebohrter" 4004, der in dem französischen Micral-N verwendet wurde.

Den Durchbruch bei den Kleinrechnern brachte schließlich der 8080, der zunächst vor allem in Ampelsteuerungen eingesetzt wurde. Intel verkaufte eine komplette Charge fehlerhaft produzierter, doch voll funktionsfähiger 8080 an die Firma MITS, die damit den Bastelsatz zum Bau des Altair 8800 ausstattete: Den 300 Dollar teuren Chip konnte MITS-Gründer Ed Roberts für 75 Dollar erwerben. Die Ära der Hobby-Bastler brach an und brachte Firmen wie Micro-Soft hervor, die mit einem BASIC für den Altair 8800 startete. (Detlef Borchers) / (anw)