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4K über Satellit: Linkin Park aus Berlin live ins Wohnzimmer

Ohne Netz und doppelten Boden: Mit der Live-Ausstrahlung des Linkin Park-Konzert in Berlin in ultrahoher Auflösung über Satellit demonstrierte Astra am Mittwochabend eindrucksvoll die Fortschritte in Sachen 4K.

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4K über Satellit: Aus der Arena ins Wohnzimmer

(Bild: Ulrike Kuhlmann)

Die Live-Übertragung eines Konzerts in Ultra-HD-Auflösung per Satellit in deutsche Wohnzimmer ist ein absolutes Novum: Bisher wurden solche 4K-Aufnahmen allenfalls in ausgewählte Kinos übertragen oder sie sind nur als Konserve verfügbar – darunter eine handvoll Fußballspiele und kurze musikalische Leckerbissen etwa von Lang Lang oder Sir Simon Rattle.

Die meisten Videos in ultrahoher 4K-Auflösung, wie man sie von UHD-TVs in Elektronikmärkten kennt, beschränken sich auf fein ziselierte Glasskulpturen, wunderschöne Deckengemälde oder atemberaubende Architektur – die allesamt leider völlig unbewegt sind oder allenfalls per Zeitlupenzoom animiert wurden. Das 4K-Experiment am Mittwochabend spielte deshalb in einer ganz anderen Liga, denn hier wurden mit insgesamt zwölf 4K-Kameras rasante Sprints über die Bühne, eine irre Lightshow und ausgelassen feiernde Menschenmassen eingefangen.

Linkin Park Konzert in 4K (15 Bilder)

Aus den Signalen der zwölf 4K-Kameras, die per SDI als jeweils vier Full-HD-Signale pro Kamerabild im Ü-Wagen ankommen, muss die Regie ein Live-Bild komponieren.
(Bild: Ulrike Kuhlmann
)

Ausgestrahlt wurde das Linkin Park-Konzert per Satellit über den Demo-Kanal von Astra, empfangen konnten es Besitzer von 4K-Fernsehgeräten mit Sat-Anschluss und passendem 4K-Empfänger – der leider nicht in allen 4K-TVs steckt. Grund: Astra nutzt das vom Fraunhofer-Institut entwickelte H.265/HEVC-Verfahren und diesen internationalen Standard beherrschen noch längst nicht alle 4K-TVs.

Bis das 4K-Signal aus der O2 World in Berlin die Wohnzimmer erreichte, hatte es etliche Bearbeitungsschritte erfahren. So schickten die zwölf 4K-Kameras – elf Sony F55 und eine brandneue Kamera von Toshiba – ihre Daten über jeweils vier SDI-Leitungen mit Full-HD-Auflösung (4 × 1080/50p) auf ein Sony-RAID in den Übertragungswagen gleich neben der Arena.

Im Ü-Wagen komponierte die Regie aus den zwölf mal vier Teilsignalen – eines pro Bild-Quadrant und Kamera – das geplante Konzertvideo, das dann in einem Encoder zum ultrahochaufgelösten Signal mit 50 Bildern pro Sekunde (2160/50p) zusammengesetzt und per Glasfaser von Berlin zu Astra in Unterföhring geschickt wurde. Dort mussten die Daten von 12 GBit/s auf 35 MBit/s komprimiert werden, um sie auf ein Transponder-verträgliches Maß zu begrenzen. Erst danach ging das Konzert in 4K über Satellit auf Sendung.

"Dass das 4K-Experiment so glatt gelaufen ist, grenzt eigentlich an ein Wunder: Die Idee zu der Live-Übertragung entstand nur wenige Wochen vor Konzertbeginn. Wir mussten innerhalb kürzester Zeit mögliche Hürden erkennen und aus dem Weg räumen", erklärte Marcel Gonska von WLC und dem Organisationsteam TopVision gegenüber heise online.

So musste die LED-Wände auf der Bühne von 60 Hz auf 50 Hz-Ansteuerung umgestellt werden, damit keine Interferenzen mit den 50-Hz-Signalen der Kameras entstehen. Außerdem wurde die Bühnenbeleuchtung erweitert, damit die TV-Aufnahmen ausreichend Tiefe bekommen. Zusätzliche Scheinwerfer unter der Saaldecke erlaubten es, die Stimmung im Publikum mit sogenannten Beauty-Shot-Kameras einzufangen.

Überhaupt war das Licht eine der großen Herausforderungen: Eine Bühnen-Lightshow aufzunehmen ist um einiges schwieriger als ein Fußballspiel. Jede Bewegung im Bild ist im Grunde eine punktuelle Helligkeitsänderung und die fällt bei einer Lightshow wie sie Linkin Park bietet deutlich drastischer aus, als sie ein Sprint über den grünen Rasen je bewirken könnte.

"Zum Glück hatten wir bereits einige Erfahrung mit 4K-Aufnahmen und haben Kontakt zu vielen Spezialisten auf diesem Gebiet", erklärte Gerd F. Schultze von Music-Delight. Der Produzent und Regisseur hielt bei den 4K-Aufnahmen in der Berliner O2 World sämtliche licht- und kameratechnischen Fäden in der Hand. So konnte das Team Kameraleute aus laufenden Produktionen herauskaufen und namhafte Regisseure für die Aufnahmen gewinnen. Wie wir an einem 4K-TV des Sponsors Samsung vor Ort prüfen konnten, konnte sich das Ergebnis sehen lassen. (uk)

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