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50 Jahre AMD: Der Underdog, der richtig beißen kann

AMD erfreut sich nach vielen Tiefen heute wieder über echte Erfolge. Immer wieder gibt es Streit mit Intel – das begann schon, bevor die Firmen existierten.

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AMD-Prozessoren

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"Real men have fabs" - Echte Männer besitzen Halbleiterfabriken. In diesem in der Chipbranche inzwischen geflügelten Wort, das sich auch für sein Unternehmen später als falsch herausstellen sollte, steckt der ganze Ehrgeiz bis hin zur Sturheit, der AMD noch heute auszeichnet. Der Satz stammt von Firmengründer Jerry Sanders, der bei Produktentwicklung und Marketing nie um große Sprüche verlegen war.

Leisten konnte sich das die Firma AMD aber erst, als sie in der IT-Welt unersetzbar geworden war - nicht nur als Gegengewicht zu Intel, sondern auch als Innovationskraft. Wie auch beim bis heute übermächtigen Konkurrenten war das vor 50 Jahren aber bei weitem nicht absehbar. Denn der Mikroprozessor, mit dem beide Firmen heute assoziiert werden, war 1969 noch gar nicht erfunden.

Die Ursuppe der modernen Prozessorbranche brodelte Ende der 1960er Jahre im Unternehmen Fairchild, das mit viel Aufwand und Erfolg die ersten kommerziell erfolgreichen integrierten Schaltungen entwickelte und verkaufte. Das Umfeld würde man heute als die erste Phase der Digitalisierung bezeichnen, denn die weltweite Nachfrage nach elektronischen Rechenmaschinen, die heute jeder Taschenrechner in Leistung und Funktion überbietet, war enorm. Und auch damals war es schon üblich, dass bei so schnell wachsenden Unternehmen, die auch Geld verdienen, bald die Buchhalter den Kreativen die Richtung vorgeben.

50 Jahre AMD: Prozessoren (5 Bilder)

AMD K5 PR166

Bereits im Juli 1968 verließen daher Robert Noyce, Gordon Moore und Andrew Grove Fairchild, um Intel zu gründen. Jerry Sanders wollte mitkommen, das Intel-Dreigestirn war dagegen, den extrovertierten Mann mit früheren Schauspielerambitionen zu einem Gesicht der Firma zu machen. Vielleicht ist es diese Kränkung, die den auch später mit mühsam gepflegtem Cowboy-Image samt Stiefeln und Bolo-Tie auftretenden Sanders immer weiter antrieb, es den anderen Jungs so richtig zu zeigen.

Jerry Sanders 1969 mit roter Schaufel beim Spatenstich für AMDs Zentrale in Sunnyvale.

(Bild: AMD)

Dabei wuchs Sanders gar nicht im mittleren Westen auf, sondern in Chicago, und obwohl AMD schon früh auch in Texas vertreten war, wurde die Firma doch zuerst im kalifornischen Santa Clara als "Sanders Association" am 1. Mai 1969 gegründet, und zog bald als "Advanced Microdevices" ins nahegelegene Sunnyvale um.

Sowohl personell als auch räumlich ist die Geschichte von AMD also sehr eng mit der von Intel verknüpft, weshalb auch der Rückblick auf Sanders' Unternehmen nicht ohne Bezüge zum Mitbewerber möglich ist. Er verließ AMD erst 2002 und war damit 33 Jahre CEO des Halbleiterherstellers.