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CES

50 Jahre CES: Las Vegas lädt ein zur Jubiläumsmesse

Das neue Jahr beginnt wie immer mit dem ersten großen Tech-Spektakel: Zur CES in Las Vegas kommen rund 170.000 Fachbesucher aus aller Herren Länder, um die Neuheiten nicht nur der Elektronikbranche zu bestaunen. Und das seit 50 Jahren.

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Sin City erwartet den Tech-Treck und hat außer Messe noch einiges zu bieten.

(Bild: heise online)

Die Elektronikmesse CES ist traditionell der erste wichtige Termin des neuen Jahres im Kalender der Tech-Branche. Seit nunmehr 50 Jahren gibt es die Elektronikmesse, die als Ableger der Chicago Music Show das erste Mal 1967 in New York stattfand. Ab 1978 waren es sogar zwei Messen: Im Januar in Las Vegas, im Juni in Chicago. Mit zunehmender Konkurrenz durch die E3 im Mai und nach einigen Versuchen mit anderen Standorten wurde der Sommer-Termin schließlich aufgegeben; seit 1998 gibt es die CES nur noch ein Mal jährlich im Januar in Las Vegas.

Offiziell geht es am 5. Januar los, doch spielt die Musik schon früher: Wegen des anhaltenden Booms hat der Veranstalter noch einen zweiten Pressetag vor der Messe eingeführt, an dem die Aussteller ihre Neuigkeiten den Medien vorstellen können. Über 3800 Aussteller zeigen ihre Neuigkeiten im Las Vegas Convention Center und an anderen Orten der Zocker-Metropole. Der US-Branchenverband CTA rechnet mit rund 170.000 Fachbesuchern, darunter 50.000 aus dem Ausland. Wie schon 2016 gelten während der Messe verschärfte Sicherheitskontrollen.

1967 fand die erste CES statt – damals noch in New York.

(Bild: CTA)

Während die Berliner IFA versucht, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren, hat die CTA in den vergangenen Jahren neben der Unterhaltungselektronik zahlreiche andere Branchen nach Las Vegas gelockt. Autos sind inzwischen eine feste Größe auf der CES. Und seit fünf Jahren hat die Messe auch einen festen Platz für Startups aus aller Welt: über 600 junge Unternehmen kommen 2017 nach Las Vegas, um sich im Eureka-Park dem Publikum vorzustellen. Darüber hinaus gibt auf der CES Elektronik aus den Bereichen Gesundheit, Fitness, Familie und Haushalt zu sehen.

Das begleitende Kongressprogramm ist wie immer bunt gemischt: Den Auftakt macht Nvidia-Gründer Jen-Hsun Huang. 2016 durfte VW-Markenchef Herbert Diess die Messe eröffnen, aus der Autobranche ist dieses Mal Carlos Ghosn dabei, der CEO von Renault-Nissan. Den ersten Messetag beginnt Arnold Donald. Der Chef des US-Kreuzfahrtriesen Carnival will zeigen, wie das Internet of Things (IoT) – schon eines der klassischen CES-Themen – auch seine Branche verändert. Dem IoT und der nächsten Netzgeneration 5G widmet sich auch Qualcomm-Chef Steve Mollenkopf in seinem Vortrag.

Über Virtual Reality wird auf der CES an buchstäblich jeder Ecke diskutiert – nahezu 50 Firmen zeigen VR-Produkte. Die große Frage: Bleibt die Technik in der Nische oder bewegt sie sich in den Mainstream? Microsoft scheint überzeugt zu sein, dass sich die Technik durchsetzen wird. Zusammen mit namhaften Partnern wie HP, Dell, Lenovo, Asus und Acer will der Software-Riese zum nächsten Windows-10-Update VR-Headsets auf den Markt bringen. Was das Ganze so spannend macht ist der Preis: Die Geräte soll es ab 300 US-Dollar zu kaufen geben, also deutlich günstiger als die bislang populärsten PC-Headsets HTC Vive und Oculus Rift.

Nach dem Debüt der siebten Core-i-Generation auf der IFA dürfte Intel auf der CES weitere Vertreter der Kaby-Lake-Familie im Gepäck haben. Daher ist auch mit einer Reihe von PC-Neuheiten von Laptop bis Desktop zu rechnen – Lenovo hat den Schleier über seinem neuen Thinkpad-Portfolio bereits vor der Messe gelüftet. Gespannt darf man auch sein, wie die Branche auf Microsofts Surface Studio reagiert. Jenseits des PC wird es neue Geräte für das Smart Home geben. Hier sind auch erste Implementierungen des neuen Bluetooth 5.0 zu erwarten.

Eindrücke von der CES 2016 (11 Bilder)

Las Vegas ist ein besonderer Ort. Eine Transportmöglichkeit für CES-Besucher ist der Monorail, der das Convention Center und die großen Hotels verbindet.

Etliche TV-Hersteller stellen auf der CES Smart-TV-Modelle mit organischem Display vor – deren Panels derzeit alle von LG Displays kommen. Angesichts der Produktionskosten spielen OLED-TVs preislich weiterhin in der Oberliga. Abgesehen vom Features wie HDR (High Dynamic Range, erhöhter Kontrast) werden die TV-Hersteller auch die äußeren Gestaltungsmöglichkeiten der OLED-Technik noch stärker ausschöpfen, etwa durch sehr dünne Schirme, rahmenlose Konstruktionen und elegante Biegungen. Spannend dürfte es werden, wie es den Unternehmen gelingt, trotzdem einen halbwegs ordentlichen Sound aus den schlanken Riesen zu holen.

Auch die Monitorhersteller hat das HDR-Fieber erfasst, erste Displays werden auf der CES vorgestellt. Einige Monitore fallen durch ihr ungewöhnliches Format auf: Überbreite Seitenverhältnisse von 21:9 liegen im Trend. Auch mit ihrer Biegung folgen die Monitore den TVs – an curved-Displays wird man auf der CES kaum vorbeikommen. HDR ist auch ein Thema für das High Definition Multimedia Interface (HDMI). Auf der CES soll dazu eine "bedeutende Ankündigung" geben: Wahrscheinlich wird es dabei um dynamische HDR-Varianten gehen.

Für die Mobilfunkbranche ist die CES nicht die erste Wahl, sie kommt im Februar auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona zusammen. Ausnahmen gibt es immer: Der chinesische Konzern Huawei nutzt die Messe erneut, um seine Ambitionen auf einen Platz an der Weltspitze zu unterstreichen. CEO Richard Yu wird auf der CES eine der Keynotes halten. Huaweis Tochtermarke Honor bringt das 6X nach Las Vegas mit. Von LG, das sich auf der CES traditionell mehr auf Unterhaltungselektronik und weiße Ware konzentriert, gibt es ein paar Mittelklasse-Smartphones. Sein CES-Debüt gibt auch Xiaomi: der chinesische Newcomer verspricht ein "neues Produkt", hüllt sich aber ansonsten in Schweigen. Auch HTC ist mit neuen Produkten vor Ort, dabei wird es auch um Virtual Reality gehen.

Direkt im Anschluss an die Technikmesse findet in Detroit mit der Motor Show die größte Automobilausstellung der USA statt. Doch während sich dort alles um neue Serienautos dreht, stehen auf der CES technische Neuerungen und Zukunftsvisionen im Mittelpunkt. So wird die Branche auch in diesem Jahr zeigen, was derzeit Stand der Technik beim autonomen Fahren ist. Auch Zulieferer wie Bosch und Continental machen vor Detroit einen Ausflug nach Vegas. Bei den Fahrzeugherstellern dreht sich alles um elektrische Antriebe. Newcomer Faraday, der schon in diesem Jahr mit großen Sprüchen nach Las Vegas gekommen war und dann nur ein Konzept vorweisen konnte, will jetzt einen serienreifen Entwurf zeigen. Das Unternehmen soll allerdings in finanziellen Schwierigkeiten sein – man darf also gespannt sein.

50 Jahre CES (Quelle: CTA) (Quelle: CES )

(vbr)