50 Jahre DATEV: Der Steuerberater der Zukunft ist Digitalisierungsexperte

Wie sieht der Beruf des Steuerberaters in der Zukunft aus? Auf der Geburtstagsfeier der DATEV machte man sich seine Gedanken.

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(Bild: Datev)

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Bunt und modern präsentiert sich die DATEV mit ihrer neuen Website zum 50. Geburtstag. 363 Millionen Belege hat sie als bayerisches Google in ihrem Rechenzentrum gespeichert, für 11 Millionen Arbeitnehmer macht sie die Lohn- und Gehaltsabrechnungen und 101 Millionen Daten schickt sie an die Sozialversicherer, heißt es unter "Das alles ist die DATEV". Der einzelne Steuerberater taucht bei den Big Data-Charts nicht auf, dazu muss man ins "Poesiealbum" der Genossenschaft wechseln. Nach den Vorstellungen der Datev soll er/sie ganz unpoetisch als Digitalisierungsexperte/in glänzen.

Ist die DATEV mit mehr als 7000 Mitarbeitern nur eine groß angelegte Aktion zur Rettung der Steuer-Zünfte, wie es im Heiseforum gesagt wird? Oder hat der Steuerberater die wichtige Funktion, auch kleinere Betriebe fit zu machen für das Digitalzeitalter, wie es beim Steuerberater 2020 skizziert wird?

Die wohl gemeinste Definition eines Steuerberaters lieferte nach Ablauf des Nürnberger Geburtstagstheaters Thomas Egner, Professor für Betriebswirtschaftslehre und betriebliche Steuerlehre an der Universität Bamberg. Für viele Freiberufler, kleine und mittelständische Unternehmen sei der Steuerberater eine "Hygiene-Schnittstelle" zum Finanzamt: Die Erklärungen müssen stimmen, der Rest ist nicht so wichtig. Egner stellte im Anschluss an die Geburtstagsfeierlichkeiten der Steuerberater-Genossenschaft eine von seinem Lehrstuhl konzipierte – und von der DATEV finanzierte – umfangreiche Studie zur Digitalisierung von kaufmännischen Daten vor. Sie seien ein "verkannter Erfolgsfaktor", erklärte Egner.

Bei der Befragung von 500 typischen Unternehmen vom Handwerksbetrieb bis zum KMU mit maximal 500 Mitarbeitern fand Egners Truppe heraus, dass über alle Betriebe hinweg die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) das wichtigste Instrument der jeweiligen Geschäftsleitung ist, um die Zukunft des Unternehmens zu planen. Diese wird üblicherweise von dem Steuerberater geliefert, der damit als "Impulsgeber für das betriebliche Informationsmanagement" geadelt wird. Doch wenn der Berater die BWA-Daten liefert, ist der Planungsprozess einer Firma in der Regel längst vorbei.

Hier möchte die DATEV in Zukunft ihre Mitglieder ganz anders eingebunden sehen. Man möchte heraus kommen aus dem Teufelskreis, den Egner in einem schlichten Satz beschrieb: "Der Steuerberater altert mit seinen Mandanten". Junge Leute mit ihren Start-Ups erreicht man so nicht, und wenn es denn ein Google-DATEV geben würde, wären sie dort. Die DATEV sieht die anstehenden Umbrüche früh und sehr genau, nicht nur auf Seite der Geschäftsführer. Nur ein Beispiel: Bei den oben anführten 11 Millionen Lohn- und Gehaltsabrechnungen greifen bereits 50.000 Arbeitnehmer mit einer App auf ihre Gehalts-Daten zu (davon 250 Nutzer mit dem neuen Personalausweis) und können auf Papierbelege verzichten.

Als Digitalisierungsexperten haben die Steuerberater der DATEV die Zentrale in Nürnberg hinter sich, die Big Data kann. Vor ihnen steht freilich ein ganz anderes Problem: in keinem anderen Land Europas ist gerade in kleinen und mittleren Unternehmen die IT-Landschaft so zerklüftet wie in Deutschland. Datenbrüche sind an der Tagesordnung. Rechnungen werden mit einem Textprogramm geschrieben und mit einer Finanzbuchhaltung erfasst. Der Steuerberater als Digitalisierer muss ganze Arbeit leisten.

Update: Korrektur der Anzahl der Nutzer mit neuem Personalausweis im vorletzten Absatz. Es sind nach Angaben der Datev 250 und nicht wie zuerst berichtet 14. (axk)