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50 Jahre Mondlandung: "A small step for a man" – die ersten Männer auf dem Mond

Mit Apollo 11 wurde vor allem Neil Armstrong unsterblich, dessen Namen jeder kennt. Zur Mission gehörten aber drei Raumfahrer.

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Michael Collins, Neil Armstrong und Buzz Aldrin (v.l.n.r.) im Jahr 2009

(Bild: NASA/Bill Ingals)

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Am 16. Juli 1969 war es soweit: Apollo 11 brach zur ersten Mondlandung auf – und am 20. Juli landete die Mondfähre Eagle mit Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond, während Michael Collins in der Apollo-Kapsel den Mond umkreiste. Am 21. Juli setzte dann Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond. In einem Schwerpunkt zur Mondlandung beleuchtet heise online die Ereignisse rund um die Apollo-Missionen.

"Christoph Kolumbus, Charles Lindbergh und Neil Armstrong. Haha, Neil Armstrong!" lässt Regisseur Ron Howard in seinem Film über das Apollo-13-Unglück Tom Hanks in der Rolle des Apollo-13-Kommandanten Jim Lovell sagen, als dieser am Abend vor der ersten Mondlandung den Mond betrachtet. Neil Armstrong auf Augenhöhe mit dem Entdecker Amerikas und dem ersten Atlantiküberquerer? Diese fikitve Szene könnte sich wirklich so abgespielt haben denn Lovell, dem Apollo-8-Mondumkreiser von 1968, mag es tatsächlich ein wenig absurd vorgekommen sein, dass sein Kamerad in die Geschichte eingehen würde, für die sein eigener Flug nur das Vorgeplänkel war.

"Ein großer Schritt für die Menschheit": 50 Jahre Mondlandung

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Wir können getrost davon ausgehen, dass der Name Neil Alden Armstrong noch im kollektiven Gedächtnis der Menschheit sein wird, wenn der damalige US-Präsident Richard Nixon schon längst vergessen sein wird. Die anderen Mondfahrer kennt hingegen heute schon kaum jemand mehr. Nicht einmal die beiden Crewmitglieder Edwin E. "Buzz" Aldrin, der mit Armstrong auf dem Mond landete, und Michael Collins, der im Apollo-Raumschiff "Columbia" im Mondorbit auf die Rückkehr der beiden wartete, sind den meisten Menschen geläufig. Wer waren diese Männer?

Michael Collins

(Bild: NASA)

Collins hat seinen Werdegang in seiner selbst verfassten Biographie "Carrying the Fire" beschrieben, die kürzlich anlässlich des 50. Jubiläums der Mondlandung erschienen ist. Das Vorwort vom August 2018 sie lässt den damals 87-jährigen als immer noch sehr hellen Geist erscheinen, wenn er darüber schreibt, wie er gerne mit Kindern redet, die Astronaut werden möchten und ihnen rät, Bücher und Zeitschriften zu lesen, anstatt Internet, TV und Kino zu konsumieren und sich nicht selbst zu überschätzen – bis das Knattern der Rotorblätter ertönt und die Hubschrauber-Eltern ihn unterbrechen, er möge sein Buch für ihren Sohn doch bitteschön mit "Setz' Dir hohe Ziele, Harry!" signieren - wo er Harry doch gar nicht kenne...

Collins wurde am 31. Oktober 1930 als Sohn eines Armee-Offiziers in Rom geboren, als jener dort Militärattaché war, und seine Familie wechselte ständig den Wohnsitz. Seine Liebe für die Fliegerei entsprang vermutlich in Puerto Rico als Zehnjähriger bei einem Flug in einem Wasserflugzeug, bei dem ihn der Pilot kurz ans Steuer ließ. Collins trat nach der Schule der US Army bei und studierte an der West-Point-Universität in Washington. Obwohl Collins, wie er schreibt, in seinen jungen Jahren mehr an Schach, Football und Mädchen als an Flugzeugen interessiert war, reizte ihn die Pilotenlaufbahn dann doch, obwohl der Beruf in Krieg- wie Friedenszeiten lebensgefährlich war.

Collins begann seine Pilotenausbildung 1952 in Columbus, Mississippi, und er fand so großen Gefallen am Fliegen, dass er es als absurd empfand, dafür auch noch bezahlt zu werden. Das Fliegen von Jets lernte er in Waco, Texas, und 1953 gehörte er zu den Auserwählten, die in der Nellis Air Force Base bei Las Vegas den Luftkampf mit der F-86 Sabre erlernten – sein größter Wunsch war damals, für sein Vaterland im Koreakrieg zu fliegen. Es muss ein Irrsinn gewesen sein – 22 Piloten kamen während seiner 11-wöchigen Ausbildung in Nellis ums Leben, aber damals erschien den Piloten das hohe Risiko als absolut akzeptabel. Bevor Collins zum Einsatz kam, endete der Koreakrieg jedoch mit einem Waffenstillstand. Collins wurde zum Jagdbomberpiloten ausgebildet und für drei Jahre nach Frankreich versetzt, wo er durch das Saartal und über das Mittelmeer donnerte. Während dieser Zeit lernte er 1956 seine Frau Patricia kennen, die er ein Jahr später heiratete, mit der er zwei Töchter und einen Sohn hatte, und mit der er bis zu ihrem Tod 2014 zusammen blieb.

Apollo 11 – Neil, Buzz und Michael (18 Bilder)

Buzz Aldrin bei einem Weltraumspaziergang im Rahmen von Gemini 12
(Bild: NASA)

Danach wurde er Flugausbilder, ein Job, der ihn zunehmend langweilte. Um sich als Testpilot in der Edwards Air Force Base bewerben zu können, musste er 1500 Flugstunden vorweisen können, wurde jedoch zunächst in eine Offiziersschule nach Chanute, Illinois, versetzt. Dort bewarb er sich um den Posten einer mobilen Ausbildungseinheit, die weltweit Piloten auf neue Modelle umschulte, so dass er seine Flugstunden auf diese Weise zusammen bekam und umgehend seine Bewerbung zur Testpilotenschule einreichte, die ihn tatsächlich übernahm. Er träumte von silbernen Druckanzügen und Höhenrekorden im Starfighter, fand sich dann jedoch in einem ausgewaschenen Fluganzug und altersschwachen Jets wieder, in denen er Fluggeschwindigkeiten auf den Knoten genau zu fliegen und langweilige Testberichte zu schreiben hatte, oder mit vorgegebenem Tempo in zu erprobende Auffangeinrichtungen für außer Kontrolle geratene Jets hinein rasen musste – und wehe, er war ein paar Knoten zu schnell, dann musste der Test wiederholt werden.

Teils neidisch, teils verächtlich blickten die Piloten in Edwards auf die ersten sieben Astronauten, die 1959 von der NASA für das Mercury-Programm angeheuert wurden, allesamt Testpiloten von Air Force und Navy, die alle Publicity bekamen und von Politik und Öffentlichkeit hochgejubelt und gehätschelt wurden. Mercury flog mit Alan Shepard und Gus Grissom die ersten beiden Amerikaner ballistisch in den Weltraum und schließlich mit John Glenn in den Orbit, stets den Sowjets hinterher hastend, die immer eine Nasenlänge voraus waren. Collins war von Glenns Erdumkreisung fasziniert und wollte unbedingt Astronaut werden.

Als die NASA neun weitere Astronauten für die Gemini- und Apollo-Flüge suchte, schrieb Collins seine Bewerbung, wurde eingeladen, musste sich eine Woche lang allerlei körperlichen und psychologischen Untersuchungen unterziehen, wie etwa zum Test des Gleichgewichtsorgans kaltes Wasser ins Ohr gegossen zu bekommen oder das Bild auf einem leeren Blatt Papier zu deuten. In einer zweiten Runde folgten Interviews, wo Collins einige Fragen nicht beantworten konnte – so überschätzte er die nachgefragte Zuverlässigkeit der Atlas-Rakete, die bei 90 Prozent lag. Andere Fragen meinte er hingegen gut beantwortet zu haben. Danach begann das Warten. Schließlich wurden die Nominierten bekannt gegeben, darunter Neil Armstrong, Jim Lovell, Frank Borman (späterer Apollo-8-Kommandant) und Collins' früherer Flugschulen-Mitschüler Ed White (erster amerikanischer Weltraum-Spaziergänger). Collins erhielt hingegen eine Absage, mit der er zwar insgeheim gerechnet hatte, die seiner Seele aber dennoch einen Knacks verpasste.

So bewarb er sich gewissermaßen als NASA-Ersatz auf einen Kurs bei der neu gegründeten US Air Force Aerospace Research Pilot School (ARPS), die nach Möglichkeiten suchte, wie man sowjetische Angriffe aus dem All abfangen könnte und unter anderem die X-15 einsetzte. Dort flog er dann endlich den Starfighter auf bis fast 30 Kilometer Höhe. Kurz nachdem er zurück auf seinem regulären Job als Jet-Testpilot war, schrieb die NASA eine dritte Astronautengruppe von 14 aus. Collins bewarb sich erneut. Diesmal bereitete er sich optimal auf das Interview vor – die erste Testreihe durfte er überspringen – und war erfolgreich.