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5G-Anwendung: Vodafone und Fußball-Bundesliga nutzen Augmented Reality

In einer Demo anlässlich eines Fußballspiels ließ sich gut beobachten, wie sich die kurzen Latenzen der neuen 5G-Mobilfunktechnik nutzen lassen.

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(Bild: Dusan Zivadinovic)

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Der Mobilfunknetzbetreiber Vodafone und die Deutsche Fußball Liga (DFL) haben am gestrigen Montag ihre Augmented-Reality-Anwendung (AR) für Stadionbesucher erstmals öffentlich vorgestellt. Damit sollen Zuschauer Spieldaten nahezu verzugsfrei abrufen und auf dem Smartphone über dem Live-Video des laufenden Spiels einblenden können. Zur Demonstration nutzten Vodafone und DFL das Bundesligaheimspiel des VfL Wolfsburg gegen die TSG Hoffenheim (das Spiel endete trotz leichter Überlegenheit des VfL nur 1:1).

Noch steckt das Anfang Juli gestartete Projekt in der Entwicklungsphase, sodass beispielsweise die auf Android-Geräten vorgeführte AR-App lediglich den vorläufigen Projektnamen "5G-Stadium" trägt. Dementsprechend steht sie noch nicht öffentlich zur Verfügung. Im gestrigen Bundesliga-Spiel war aber schon gut ersichtlich, was sie Stadionbesuchern bringt: Nach dem Start der App hält man das Smartphone kurz zur Kalibrierung so, dass mindestens zwei Spielfeldbegrenzungslinien im Display zu sehen sind, damit es seine eigene Position bestimmen kann.

Anschließend kann man im Live-Bild des Smartphones zum Beispiel einen der Spieler antippen, um seine Geschwindigkeit während des Spiels zu verfolgen. Zur Ermittlung dieser Daten werden wie schon länger üblich die Videosignale der 16 im Stadion aufgestellten Kameras ausgewertet. Basis für den Informationsfluss sind Spielereignisse und Positionspunkte, die die DFL bei einem Bundesligaspiel erhebt (im Schnitt rund 1600 Ereignisse und 3,6 Millionen Positionspunkte).

Spieldaten auf Smartphone: Bisher waren Statistiken zum Spiel, darunter Laufdistanzen oder Sprintgeschwindigkeiten nur dem TV-Sender und den Vereinen vorbehalten. Vodafone-Nutzer sollen sie künftig während des Spiels abrufen können.

(Bild: Dusan Zivadinovic)

Diese und diverse weitere Daten hat die DFL bisher exklusiv dem übertragenden TV-Sender und den Vereinen schon während des Spiels zur Verfügung gestellt. Dazu zählt etwa die Anzahl der Bundesligaspiele, die ein Spieler bestritten hat, die Anzahl der Tore, die er geschossen hat, seine aktuelle Passquote und anderes mehr. Mit der 5G-Stadium-App können demnächst auch Stadionbesucher solche Daten und weitere Statistiken zu den Mannschaften umgehend per Fingertipp abrufen – vorausgesetzt, sie haben ein 5G-Smartphone mit Vodafone-SIM-Karte.

Die Daten erhält die AR-App per 5G-Mobilfunk von einem im Stadion installierten EDGE-Server von Vodafone. Dafür hat der Netzbetreiber zunächst eine 5G-Mobilfunkantenne installiert. Laut Ralf Irmer, Chief Innovation Architect bei Vodafone, erreicht die 5G-Mobilfunkzelle Latenzen "im einstelligen Millisekundenbereich", kann die AR-Daten also fast umgehend an das Smartphone weiterreichen. Übliche LTE-Netze erreichen Latenzen von 20 bis 30 Millisekunden.

Die Einblendung hängt freilich trotz 5G-Übertragung ein wenig mehr hinter dem tatsächlichen Geschehen her, weil aktuelle Codecs die Bewegtbilder nur mit etwa 100 Millisekunden Verzögerung aufs Display bringen. Ralf Irmer ist aber zuversichtlich, dass sich auch dieser Wert noch weiter drücken lässt; die Entwickler würden das Thema aufgreifen, "sobald sich Bedarf einstellt".

Für die 5G-Übertragung setzt Vodafone 3,5-GHz-Frequenzen ein, für die das Unternehmen im Rahmen der Frequenzauktion im Juni Nutzungsrechte erworben hat. Daneben hat Vodafone in der Volkswagen Arena sein LTE-Netzwerk (4G) ausgebaut. Es liefert nun über drei Mobilfunkbänder bis zu 400 MBit/s. Dafür bündelt Vodafone insgesamt 50 MHz in den Bändern 800 MHz, 1800 MHz und 2600 MHz. Beide Infrastrukturen, 4G und 5G, sind nun mit 10 Gigabit/s per Glasfaser ans Internet angebunden. Das soll etwa Zuschauern zu Gute kommen, die zum Beispiel Videostreams aufzeichnen und hochladen oder Spielstände in anderen Stadien abrufen.

Wann die 5G-Stadium-App öffentlich erhältlich wird, ist noch offen. Für Demo nutzte Vodafone Android-Geräte. Von einer iOS-Version war noch keine Rede. Auch müssen weitere drei 5G-Antennen installiert und koordiniert eingebunden werden, damit die AR-Daten aus jeder Position des Stadions abrufbar sind.

In der Demonstration hinterließ das System schon einen guten Eindruck. Dass aber noch nicht alles geschafft ist, war auch an der Freude der Vodafone-Entwickler zu erkennen, als die App nach den beiden Treffern umgehend die Namen der Torschützen eingespielt hatte. So soll es zwar sein, aber um EDGE-Server, 5G-Basisstation, Antenne und Smartphone-App optimieren zu können, sollte das Gesamtsystem am besten unter Live-Bedingungen getestet werden – und das geht im Normalfall nur alle 14 Tage anlässlich der Heimspiele des VfL Wolfsburg. (dz)