Menü

5G-Auktion knackt Milliardenmarke, 1&1 Drillisch im Hintertreffen

Das Bieten auf die 5G-Mobilfunkfrequenzen beschert dem Staat reichlich Geld. Newcomer 1&1 Drillisch hat es schwer, sich gegenüber der Konkurrenz zu behaupten.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 328 Beiträge

(Bild: dpa, Clara Margais)

In der Versteigerung von 5G-Mobilfunkfrequenzen wurde die Milliardenmarke geknackt. Die vier teilnehmenden Telekommunikationsfirmen Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica O2 sowie 1&1 Drillisch boten am Mittwochabend und damit am Ende des siebten Auktionstages zusammengerechnet 1,03 Milliarden Euro, wie aus der Website der Bundesnetzagentur hervorgeht. Der Wert dürfte aber noch deutlich steigen, denn die Versteigerung kann noch einige Wochen andauern. Erwartet werden Gesamterlöse für den Staat von 3 Milliarden bis 5 Milliarden Euro. Der Bund will das Geld in die Digitalisierung stecken.

Der aktuelle Stand in der Auktion ist eine Momentaufnahme der 75. Auktionsrunde, der am 19. März gestarteten 5G-Auktion. Keiner der 41 angebotenen Frequenzblöcke ist bereits vergeben. Jedes der vier bietenden Unternehmen kann auf jedem Block noch überboten werden. Allerdings zeigt sich schon jetzt, dass die 2-Gigahertz-Frequenzblöcke besonders begehrt sind. Für sie wurden zwischen 16 Millionen und 59 Millionen Euro geboten. Für die Blöcke im Frequenzbereich 3,6 Gigahertz liegen die Gebote nur bei 2 Millionen bis 27 Millionen Euro. Je niedriger die Frequenz, desto höher die Reichweite – daher sind die 2-Gigahertz-Blöcke besonders begehrt.

Derzeit zeichnet sich ab, dass es für den Newcomer 1&1 Drillisch im 2-GHz-Bereich schwierig werden könnte, zum Zug zu kommen. Die Telekom und Vodafone sind derzeit in je vier Blöcken Höchstbietender, Telefónica in drei Blöcken, 1&1 Drillisch in nur einem Block mit einem Höchstgebot von 53,6 Millionen Euro. Beobachter werten dies als Zeichen, dass die etablierten Mobilfunknetzbetreiber versuchen, 1&1 Drillisch bei bestimmten Frequenzblöcken außen vor zu halten.

Wie das Handelsblatt berichtet, deutete sich diese Entwicklung bereits in der ersten Auktionswoche an. 1&1 Drillisch hatte zunächst versucht, sich mit einem starken Einstiegsgebot über 200 Millionen Euro bestimmte Frequenzblöcke zu sichern. Den anderen Mitbietern sollte damit möglicherweise signalisiert werden, dass man sich auf einem niedrigeren Preisniveau einigen könnte, wenn sie 1&1 Drillisch diese Blöcke überlassen. Die Strategie von 1&1 Drillisch ist aber offensichtlich nicht aufgegangen. Das Tochterunternehmen von United Internet wurde in den meisten Blöcken recht schnell von der Konkurrenz überboten. Momentan ist 1&1 Drillisch nur noch in vier der weniger begehrten und teilweise schwieriger nutzbaren 3,6-MHz-Frequenzblöcken Höchstbietender.

Zuvor hatte 1&1 Drillisch die Gebote für die drei Blöcke 17A, 18A und 19A im 3,6-GHz-Frequenzband zurückgezogen, für die das Unternehmen zusammen zunächst 75,9 Millionen Euro geboten hatte. Momentan stehen diese Blöcke ohne jegliches Höchstgebot da. Bietet niemand, müsste das Unternehmen trotzdem für sie zahlen. Das sehen die Auktionsvereinbarungen vor.

1&1 Drillisch muss nun hoffen, dass die Konkurrenz auf die Blöcke ohne Gebot bietet, denn der Rückzug scheint nicht von ungefähr zu kommen: 1&1 Drillisch ist bereits bei vier günstigeren 3,6-GHz-Blöcken Höchstbietender. Möglicherweise will sich das Unternehmen das Geld lieber für neue Bieterrunden aufsparen. Gleichwohl könnte dieser Schuss nach hinten losgehen, wenn die Konkurrenz für die freien Blöcke zeitnah keine Gebote abgibt und 1&1 Drillisch dafür am Ende doch zahlen müsste. Die etablierten Netzanbieter könnten 1&1 Drillisch einfach im Ungewissen und am langen Arm verhungern lassen, falls das Unternehmen nicht doch noch mehr Millionen Euro in der Hinterhand hat.

Noch ist aber nichts entschieden. Die 5G-Auktion läuft solange, bis kein Bieter mehr bereit ist, ein höheres Gebot abzugeben. (mit Material der dpa) / (olb)