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5G: Wettbewerber fordern Zugang zu den Netzen der großen Drei

Die virtuellen Netzbetreiber fürchten, nach der Auktion der 5G-Frequenzen außen vor zu bleiben und fordern einen geregelten Zugang zu den Mobilfunknetzen .

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Mobilfunkantennen

(Bild: dpa, Oliver Berg/Symbolbild)

Mobilfunkanbieter ohne eigenes Netz fürchten, bei der nächsten Mobilfunkgeneration 5G außen vor zu bleiben. Nach dem Mobilfunkgipfel im Verkehrsministerium und der Anhörung zur bevorstehenden Frequenzversteigerung bei der Bundesnetzagentur machen sich die sogenannten virtuellen Netzbetreiber (MVNO) für einen klar definierten Zugang zu den Netzen von Telefónica, Telekom und Vodafone stark.

In einem Brief an Infrastrukturminister Andreas Scheuer (CSU) setzen sich Anbieter wie 1&1/Drillisch und Mobilcom-Freenet dafür ein, dass sie die Infrastruktur der drei deutschen Mobilfunknetzbetreiber "auf Basis bilateraler Vereinbarungen gegen ein faires Entgelt mitnutzen können", berichtet der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Deutschland dürfe sich nicht auf "das Oligopol der drei aktuellen Netzbetreiber verlassen".

Die MVNO befürchten demnach, dass Scheuer und die Netzbetreiber auf dem Mobilfunkgipfel einen Deal geschlossen haben: Die Netzbetreiber schließen ihre Funklöcher, im Gegenzug bekommen sie 5G-Lizenzen ohne die Auflage, MVNO auf ihre Netze nehmen zu müssen. Der Minister weist das zurück: "Es ist mir wichtig, dass wir in Deutschland einen Rahmen haben, bei dem sich Investitionen in die Netze lohnen und Deutschland zügig zum Leitmarkt für 5G entwickelt werden kann", sagte Scheuer dem Spiegel.

Die Bundesnetzagentur werde sicherstellen, dass ein Teil der Frequenzen für lokale Betreiber reserviert wird, sagt der Minister. Tatsächlich will die Bundesnetzagentur parallel zur Versteigerung der 5G-Frequenzen auch Spektrum in den Bereichen 3700 MHz – 3800 MHz und 26 GHz zur lokalen Nutzung vergeben. Damit sollen auch regionale Netzbetreiber oder kleinere Unternehmen sowie Gemeinden 5G-Anwendungen realisieren können. Das wird die MVNO allerdings kaum zufriedenstellen.

Auch der Verband MVNO Europe, der die europäischen virtuellen Netzbetreiber vertritt, macht sich für eine Zugangsregelung stark. Nach der Anhörung in der Bundesnetzagentur fordert der Verband die Regulierungsbehörde auf, die Netzbetreiber im Zuge der Frequenzvergabe zu verpflichten, Dritten Zugang zu ihren Netzen zu gewähren. Die drei Netzbetreiber hätten deutlich gemacht, dass sie dazu nicht von sich aus bereit sind. Der Verband ist der Ansicht, dass dieses Verhalten dem Wettbewerb schadet und Innovationen hemmt.

Der Vorsitzende von MVNO Europe, Jacques Bonifay, zeigte sich besorgt, dass "die Zementierung der derzeitigen Marktstruktur die Interessen der deutschen Industrie gefährdet sowie Innovation und Wettbewerb behindert". Darüber hinaus könnten geschlossene Netze auf nationaler Ebene die Entwicklung europaweiter Geschäftsmodelle für 5G-Anwendungen wie dem Internet of Things verhindern. "Unsere Mitglieder sind bereit, einen fairen Preis für den Netzzugang zu bezahlen", sagte Bonifay.

Die angesprochenen Netzbetreiber weisen solche Forderungen strikt zurück. Sie lehnen Auflagen für ein nationales Roaming, das neue Wettbewerber ermöglichen würde, rundheraus ab. Alle Marktteilnehmer seien stark genug, um den Netzzugang bilateral und "auf Augenhöhe" zu verhandel, sagte etwa ein Sprecher von Telefónica Deutschland, nachdem United-Internet-Chef Ralph Dommermuth vor einer Woche für eine Öffnung der Netze plädiert hatte. (vbr)

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