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6RD: Schnelle IPv6-Einführung über IPv4-Netze

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(Bild: Free/RIPE)

Eine Reihe von Unternehmen haben auf der Amsterdamer Tagung der europäischen IP-Adressverwaltung RIPE über ihre Erfahrungen bei der IPv6-Einführung berichtet. Viel Applaus gab es für den französischen Provider Free, der Ende 2007 kurzentschlossen all seinen Breitbandkunden das Angebot machte, auch über IPv6 zu kommunizieren. Statt auf die Tunnel-Technik 6to4 zu setzen, die verschiedene Probleme mit der einfachen Propagierung von IPv6 beim Kunden gemacht hätte, habe man das Konzept "IPv6 Rapid Deployment in IPv4 Infrastructures" (6RD) von Entwickler Remi Despres umgesetzt, sagte Alexandre Cassens von Free in seinem Vortrag.

6RD verpackt in dem ADSL-Gateway wie ein 6to4-Tunnel IPv6-Daten in IPv4-Pakete, doch nutzt die Technik global-gültige Unicast-IPv6-Präfixe und nicht feste Adresspräfixe wie bei 6to4 (2002::/16 gemäß RFC 3056). 6RD-Adressen setzen sich stattdessen aus einem vom RIPE zugeordneten Präfix wie 2a01:0e00:::/26, zwei für interne Zwecke reservierte Bits, der aktuellen IPv4-Adresse des Endkunden-Geräts (32 Bit) und einer Subnet-ID (4 Bit) zusammen. Die Anfragen ins IPv6-Internet laufen dabei über 6RD-Gateways, während 6RD-Knoten direkt per Tunnel miteinander kommunizieren. Despres und Free haben 6RD nun auch bei der Internet Engineering Task Force als Standarddokument auf den Weg gebracht.

Von der Idee bis zur Umsetzung brauchte Free France nach dem Bericht Cassens lediglich ein paar Monate – die technische Umsetzung hatte gerade einmal fünf Wochen benötigt. Free habe es all den großen Telekommunikationsanbietern gezeigt, die nach wie vor darauf warteten, dass eine "Nachfrage nach IPv6" entstehe, sagte Gerd Döring, IPv6-Experte vom Provider SpaceNet. Das Münchner Unternehmen bietet seit 2003 all seinen ADSL-Kunden IPv6 an.

Im März 2008 startete Free mit der komplett auf IPv6 aufgesetzten "Telesite" zudem eine einfache Möglichkeit, mit der Anbieter Inhalte über IPv6 an Free-Kunden bringen können. Standing Ovations gab es für Frees IPv6-Umsetzung vom Google-IPv6-Experten Lorenzo Colitti. Er berichtete über die aktuellen Entwicklungen beim Suchmaschinen-Anbieter, der sich seit geraumer Zeit für das Protokoll engagiert: Google sehe täglich auf seinen IPv6-Testservern etwa 250.000 einzelne IPv6-Adressen. Vom gesamten Datenverkehr seien etwa 0,25 Prozent IPv6-Verkehr, davon aber nur 0,1 Prozent natives IPv6. Nachdem bereits Suche, E-Mail, Maps und Docs per IPv6 erreichbar seien, arbeite Google nach wie vor daran, weitere Dienste IPv6-fähig zu machen, versicherte Colitti. Zum aktuellen Stand beim Videoportal Youtube mochte er aber nichts weiter sagen. ( Monika Ermert) / (rek)