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700 Entlassungen: Antennenbauer Kathrein schließt Werk in Nördlingen

Die Beschäftigten des Antennenbauers Kathrein wurden von der Werksschließung kalt erwischt. Zuvor hatte es nur Gerüchte gegeben, dass Arbeitsplätze im Nördlinger Werk abgebaut werden sollen. Im Frühjahr 2016 ist Schluss.

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(Bild: dpa, Carsten Rehder)

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Die 700 Mitarbeiter des Antennenbauers Kathrein im schwäbischen Nördlingen haben ihre Kündigungen erhalten. 200 Beschäftigte verlieren laut Pressemitteilung ihren Arbeitsplatz zum nächstmöglichen Zeitpunkt, die übrigen mit dem Produktionsstopp zum 30. April 2016. "Die Lohnkosten in Deutschland waren das Zünglein an der Waage", sagte Firmenchef Anton Kathrein am Mittwoch der dpa zur Schließung des Standortes. "Die Serienproduktion von Mobilfunkantennen ist hier nicht mehr darstellbar." Mit der Werksschließung in der nordschwäbischen Stadt zieht sich Kathrein vollständig aus der Produktion von Mobilfunkantennen in Deutschland zurück.

Die Geschäftsführung hatte der Belegschaft bereits am Dienstag mitgeteilt, das Unternehmen müsse mit der Schließung der Fabrik auf Preisverfall und Wettbewerbsdruck in den internationalen Märkten reagieren. 2014 sei noch ein Boom beim Ausbau des Mobilfunknetzes zu verzeichnen gewesen, erläuterte Kathrein. Nachdem die Prognosen zunächst auch für das laufende Jahr günstig waren, seien die Aufträge dann aber überraschend eingebrochen. Dies habe zu einem Preiskampf in der Branche geführt, "bei dem auch wir an die Schmerzgrenze gingen", so der Firmenchef.

Alle Arbeitnehmer erhielten gleichzeitig mit der Kündigung ein Abfindungsangebot, wie weiter mitgeteilt wurde. Bereits im September hatte Kathrein bekanntgegeben, dass auch am Firmensitz in Rosenheim die Serienproduktion eingestellt wird und 300 Stellen wegfallen.

Der parteilose Nördlinger Oberbürgermeister Hermann Faul sprach sich in der Augsburger Allgemeinen (Mittwoch) für eine konzertierte Aktion aus Arbeitsagentur, Industrie, Handwerk und Politik aus, um die Folgen der Werksschließung für die Betroffenen abzumildern. Er will auch Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) bei der Suche nach einem neuen Unternehmen in Nördlingen ins Boot holen.

Der Antennenbauer mit einem Jahresumsatz von zuletzt 1,5 Milliarden Euro beschäftigt weltweit knapp 9000 Mitarbeiter. In Rumänien, China und Mexiko hat das Unternehmen drei Werke für die Mobilfunkproduktion in den wichtigsten Regionen. (axk)