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8-Euro-Stromkosten-Messgerät mit Messfehler

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Aldis Stromkosten-Messgerät ist mit 8 Euro zwar sehr preisgünstig, zeigt aber bei bestimmten Verbrauchern zu hohe Leistungen an.

Seit heute liegt bei der Discounter-Kette Aldi-Nord ein billiges "Stromkosten-Messgerät" im Regal. Solche Geräte messen die momentane Leistungsaufnahme von elektrischen Verbrauchern und summieren sie über die Betriebszeit zur elektrischen Energie (Kilowattstunden), die die Stadtwerke als Stromkosten in Rechnung stellen.

Die Geräte eignen sich auch dazu, über die momentane Leistung Stand-by-Stromverschwender wie leerlaufende Halogenlampen-Trafos oder Steckernetzteile aufzuspüren, wenn diese sich nicht schon beim Handauflegen mit ihrer Wärmeentwicklung verraten. Allerdings ist die richtige Messung der für die Stromrechnung ausschlaggebenden Wirkleistung bei vielen heute gängigen Verbrauchern – Mini-Hifi-Anlagen, Energiesparlampen oder Notebook-Netzteilen – anspruchsvoll, denn sie ziehen anders als Glühlampen oder Bügeleisen keinen sinusförmigen Strom. Das gilt besonders im Stand-by-Betrieb.

Neben neun anderen Leistungsmessgeräten zwischen 8 und 50 Euro hat das c't-Team auch die Genauigkeit des Aldi-Modells an verschiedenen Lasten – PC-, Notebook- und Stecker-Netzteil, Halogen-Niedervolt-Leuchte, Energiespar-, LED- und Glühlampe – überprüft. Wie zwei weitere, weitgehend baugleiche Geräte zeigte das Aldi-Produkt nur mit der Glühlampe, der Energiesparleuchte und dem im Idle-Betrieb laufenden PC-Netzteil sinnvolle Werte an, die um wenige Prozent vom Referenzgerät abwichen. Bei der modernen LED-Lampe wies das Aldi-Gerät schon 114 Prozent zuviel aus, beim leerlaufenden Stecker-Netzteil gar 400 Prozent, sodass man die Einsparmöglichkeiten beim Abschalten mancher Verbraucher weit überschätzt und eventuell auf Komfort verzichtet. Aldis Zulieferer Global Tronics – Teil der Firmengruppe Wünsche – merkte dazu an, dass die Geräte vor Inverkehrbringen von der LGA Nürnberg auf "Funktion und Genauigkeit" geprüft worden seien. Die Prüfunterlagen deuteten nicht auf Unregelmäßigkeiten hin, der Fehler müsse bei unserem Referenzgerät zu suchen sein. Man werde gegebenenfalls Nachprüfungen veranlassen.

Das gewichtete Mittel der von uns gemessenen Abweichungen lag beim Aldi-Produkt bei 70 Prozent. Solche gravierenden Messfehler sind ärgerlich, denn die Anleitung weist nicht darauf hin, dass das Gerät nur für bestimmte Verbraucherklassen taugt. Andere Messgeräte arbeiteten im c't-Test deutlich besser, sie zeigten mittlere Abweichungen von wenigen Prozent und kosteten auch nur 8 bis 12 Euro. Der vollständige Test findet sich in der c't-Ausgabe 24/08, die ab dem 10. November am Kiosk liegt. (ea)