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Telepolis

80 Prozent der britischen Überwachungskameras liefern keine brauchbaren Bilder

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Großbritannien hat weltweit die höchste Dichte an Überwachungskameras. Die Auswirkungen der flächendeckenden Überwachung sind sowohl im Hinblick auf Sicherheit als auch auf die Privatsphäre der Bürger noch nicht wirklich abschätzbar. Ein Bericht des britischen Innenministeriums zieht nun die Behauptung, dass die Überwachungskameras für höhere Sicherheit und bessere Strafverfolgung sorgen, in Zweifel; auch wenn gleichzeitig betont wird, dass diese einen wichtigen Beitrag zur Verbrechensbekämpfung geleistet hätten und sich die Menschen durch sie sicherer fühlen würden.

80 Prozent aller installierten Kameras liefern nach dem Bericht nämlich Bilder, die für eine Identifizierung von möglichen Straftätern nicht zu gebrauchen sind. Überdies sei die Mehrzahl der Kameras nicht dort installiert, wo sie dazu geeignet wären, Straftaten oder Anschläge zu entdecken oder zu verhindern. Kritisiert wird neben der willkürlichen Anbringung beispielsweise auch, dass mehr und mehr Kameras zur Verkehrsüberwachung verwendet werden, was eher der Geldbeschaffung diene als der Verbrechensbekämpfung. Die meisten Kameras, vor allem in Einkaufszentren, Gaststätten oder Bars, seien so angelegt, dass sie nur der Beobachtung von Menschenmengen, nicht aber von kriminellem Verhalten dienen.

Probleme ergeben sich für die Polizei auch aus der Vielzahl der digitalen Bildformate und inkompatiblen Systeme. Zudem liefern die vielen Kameras, mit denen Großbritannien überzogen ist, eine Flut von Bildern, die gar nicht mehr gesichtet werden kann. Dadurch gingen mögliche Beweise verloren, zumal viele Besitzer von digitalen Überwachungssystemen die Bilder nicht mehr einen Monat wie erforderlich, sondern nur noch 14 Tage speichern.

Trotz aller Mängel wird empfohlen, den Ausbau der Kameraüberwachung mittels einer dringend notwendigen "nationalen Strategie" weiter voranzutreiben. Dazu werden einige Empfehlungen gegeben, beispielsweise die Überprüfung aller Standorte, eine bessere Ausbildung des Personals, eine engere Zusammenarbeit der Polizei mit der Privatwirtschaft, eine zentrale Behörde, die für technische Standards und dafür sorgt, dass die Kameras stärker der Verbrechensbekämpfung dienen, und die Bereitstellung von mehr Geld, um mehr sowie technisch ausgefeiltere Systeme zu installieren. Zudem soll gewährleistet werden, dass die Polizei möglichst auf alle Überwachungssysteme online zugreifen kann. Allerdings, so wird in einem Nebensatz deutlich, gibt es bislang noch keine verlässlichen Daten über die Leistung und Effizienz der Videoüberwachung, anders als etwa für Fingerabdrücke oder DNA-Profile. Auch gebe es kaum Zahlen darüber, ob und wie wertvoll Bilder von Überwachungskameras als Beweismittel vor Gericht sind. Unbekannt sei sogar, wie viele Überwachungskameras es überhaupt gibt. (fr)

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