Menü

80 Prozent der deutschen Surfer halten Computer für sicher

vorlesen Drucken Kommentare lesen 296 Beiträge

Laut dem 6. (N)onliner-Atlas ist das Sicherheitsbewusstsein bei den 58 Prozent der Deutschen, die im Internet unterwegs sind, deutlich gewachsen. Vor allem Hauptschüler, Einkommensschwache und ältere Frauen verweigern sich aber nach wie vor generell der Online-Technik. Viele derer, die sich online betätigen, machen sich auch Gedanken, ob und wie die Rechner abzusichern sind: "80 Prozent der Befragten glauben, der Computer ist einigermaßen bis vollkommen sicher", freute sich Jürgen Gallmann, Chef von Microsoft Deutschland und stellvertretender Vorsitzender der Initiative D21, bei der Vorstellung der "Landkarte" der Online-Nutzung in Deutschland am heutigen Dienstag in Berlin. Die getroffenen Maßnahmen zur Absicherung und das Sicherheitsempfinden selbst stünden dabei im direkten Zusammenhang mit allgemeinen Computerkenntnissen und dem aktuellen Informationsstand über Sicherheitsthemen. Mehr als dreiviertel Umfrageteilnehmer würden sich ausreichend informiert fühlen über Risiken und Schutzmaßnahmen im Online-Bereich.

Für den (N)onliner-Atlas befragte TNS Infratest in diesem Jahr gut 50.000 repräsentativ ausgesuchte deutschsprachige Bürger über 14 Jahre mit Festnetz-Telefonanschluss im Haushalt. Online baten die Marktforscher zudem 1000 repräsentativ ausgewählte Nutzer, sich intensiv zum diesjährigen Schwerpunkt Computersicherheit auszulassen. Demnach sehen sich 48,5 Prozent der Befragten selbst in der Verantwortung für das sichere Surfen. Die Anbieter von Internetangeboten wollen sie zu 46 Prozent, Internetprovider zu 45,1 Prozent in die Pflicht nehmen. Hersteller von Hard- und Software machen sie nur 34,7 Prozent für die Netzsicherheit verantwortlich.

Als "sehr erfreulich" bezeichnete Gallmann, dass 87 Prozent der Surfer in Deutschland Antiviren-Programme nutzen und immerhin noch 60 Prozent per Auto-Update aktuell halten. 78 Prozent setzen eine Firewall ein, während digitale Signaturen erst von 10 Prozent genutzt werden. Die hohen Werte bei den Sicherheitsprogrammen überraschen, da eine Studie von AOL Deutschland vom vergangenen Jahr noch gänzlich andere Ergebnisse lieferte. "Das Interesse an Internet-Sicherheit wächst gewaltig", versuchte der Microsoft-Chef den Wandel zu erklären. Allein die Homepage der von seinem Haus mit ins Leben gerufenen Initiative Deutschland sicher im Netz habe im Juli knapp 800.000 Besucher angezogen, während es im April erst 210.000 gewesen wären.

Als Informationskanäle zum Thema nutzen 46 Prozent allerdings zunächst Bekannte und Verwandte. 41 Prozent greifen auf Zeitschriften und Computermagazine zurück. Online-Sicherheitsportale ziehen 23,8 Prozent zu Rate, wobei 10 Prozent die Informationsdienste des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (http://www.bsi.bund.de/ BSI) frequentieren. Rund 60 Prozent gaben an, schon einmal Online-Betrügern auf den Leim gegangen zu sein. Die meisten hatten dabei Kontakt mit Trojanern, gefälschten Mails und Dialern. Größerer Schaden ist laut Gallmann aber in den meisten Fällen durch Anti-Virensoftware abgewendet worden. Bei einem zusätzlichen Microsoft-Test mit dem Malicious Software Removal Tool für Windows XP und 2000 habe sich zudem herausgestellt, dass 98,5 Prozent der Rechner keine Infektion gehabt hätten.

Allgemein gehe der digitale Graben zwischen "Usern" und "Losern" hierzulande "etwas zusammen", erläuterte Gallmann den Hauptteil der Studie. Den "typischen Nutzer" charakterisierte er noch immer als "gut verdienenden, gut gebildeten Mann, der in einer westlichen Großstadt lebt". Die "Diversity" sei zu verstärken und "wir brauchen mehr Frauen", erklärte der Microsoft-Vorstandsvorsitzende. Auch die ältere Generation müsse sich noch stärker ins Internet bewegen. Als positiv wertete er, dass die Lücke zwischen Ost und West sich weiter schließe. Eine Vielzahl der neuen Bundesländer sowie das Saarland erhielten aber erneut die rote Karte, weil in ihnen weniger als 50 Prozent der Bevölkerung online sind, führte Birgit Kampmann, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums "Technik – Diversity – Chancengleichheit" aus. Berlin und Hamburg liegen weiter an der Spitze bei der Internetnutzung – dieses Jahr mit 64 beziehungsweise 62 Prozent.

Generell hat die Zahl der Onliner nur noch um drei Prozentpunkte zugelegt, was zwei Millionen Menschen entspricht. Sechs Prozent planen laut Hartmut Scheffler, Geschäftsführer TNS Infratest, innerhalb eines weiteren Jahres ins Netz zu gehen. Damit würden immer noch 38 Prozent Online-Abstinente übrig bleiben. Luft nach oben bleibt damit, wenn man bedenkt, dass Medien wie Telefon oder Fernsehen ihre Sättigungsgrenze bei 98 Prozent Nutzern erreicht haben. "Ganz langfristig" rechnet Scheffler beim Internet mit einer 90-prozentigen Nutzung. Diese Quote sei erreicht, rechnete er vor, wenn die unter 29-Jährigen 90 Jahre alt seien. Diese Altersgruppe sei nämlich zu knapp unter 90 Prozent bereits online vertreten.

Als positiv bezeichnete es Scheffler, dass inzwischen knapp die Hälfte der Nutzer mit Breitband durchs Netz düsen und zum ersten Mal im Bundesdurchschnitt mehr als jede zweite Frau online ist. Der Männeranteil sei mit 56 zu 54 Prozent aber noch größer. Die Studienmacher begrüßten zudem, dass eine Million der neuen User aus der "Altergruppe 50plus" stammt. Erst bei den über 60-Jährigen fällt der Anteil der Onliner unter die 50-Prozent-Grenze. Ansonsten wirken sich erneut die Einkommenshöhe und der Bildungsgrad auf die Internetnutzung aus. Hauptschulabsolventen ohne Lehre finden etwa nur zu 24 Prozent den Weg in den Cyberspace.

Helmut Schauerte, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, gestand ein, dass die Bundesregierung nicht – wie 2003 noch geplant – bis Ende vergangenen Jahres 75 Prozent der Bundesbürger online gebracht hat. Diese Marke wolle man nun fünf Jahre später erreichen. Zudem gab Schauerte das Ziel aus, dass bis 2008 90 Prozent der Nutzer mit Breitband surfen sollen. Weitere Richtungspunkte wolle die Regierung auf ihrem "nationalen IT-Gipfel" im Herbst festlegen, wobei der Atlas eine gute Entscheidungshilfe darstelle. (Stefan Krempl) / (jk)