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90 Jahre Motorola: Motorcar traf Ola

Ein Autoradio brachte 1930 den Markennamen auf, unter dem die Galvin Manufacturing Corporation ein gutes Stück Geschichte der Mobiltechnik schreiben sollte.

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90 Jahre Motorola: Motorcar traf Ola

(Bild: Motorola Solutions)

Am Dienstag vor 90 Jahren wurde in Chicago die Firma Galvin Manufacturing Corporation gegründet. Man produzierte zunächst Batterie-Eliminatoren für die Autoindustrie, dann Autoradios unter dem Markennamen Motorola, der 1947 zum Firmennamen wurde. Mit Funkgeräten für die Polizei und die Armee wuchs der Teil der Firma, der heute noch unter dem Namen Motorola Solutions existiert und Blaulichtbehörden beliefert.

1930 brachte der Hersteller mit dem Autoradio "Motorola“ eines der ersten kommerziell erfolgreichen Geräte dieser Art auf den Markt.

(Bild: Motorola Solutions)

Nach einem holperigen Start als Autozulieferer gelang den drei FirmengründerInnen Paul, Joseph und Lilian Galvin im Jahre 1930 der Durchbruch mit einem Autoradio namens 5T71, für das der Markenname Motorola (Kofferwort aus Motorcar und Ola für den Klang) gefunden wurde. Die Motorolas selbst waren keine eigenständigen Geräte, sondern wurden nach den (Design-) Wünschen der Autoindustrie in die Mittelkonsole integriert.

1936 entwickelte man das erste geschlossene Radiosystem für den Polizeifunk, 1939 kam mit dem AM-Sender T6920 die Möglichkeit hinzu, dass Streifenwagen die Zentrale rufen konnten. Auf der Basis dieser Technik entwickelte Motorola das "Handie-Talkie" SCR536 als AM-Funkgerät für die US-Armee und den "Pogo-Stick", das FM-Funkgerät SCR511 speziell für die Kavallerie, die im zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle spielten. Im Krieg produzierte Motorola die Quarzkristalle für die Frequenzeinstellung aller Funkgeräte der Alliierten, insgesamt über 35 Millionen Stück. An der Heimatfront war die Firma damit erfolgreich, unverkaufte Autoradios zu Haushaltsradios umzubauen, deren Produktion kriegstechnisch gestoppt wurde. Als die Alliierten 1943 in Italien landeten, lieferte Motorola 18.000 Funk-Fernschreiber zur Sicherung der Kommunikation.

Motorola gehörte zu den Firmen, die sofort erkannten, was die Erfindung des Transistors bedeutet. 1949 wurde dafür eine eigene Forschungsfabrik in Phoenix (Arizona) gebaut, ab 1953 sammelte man Halbleiter-Patente in Serie und verkaufte Transistoren an andere Firmen. Zeitweilig hatte man 27.000 Produkttypen im Programm. 1956 erschien das erste transistorisierte Autoradio, zudem entwickelte man mit dem ersten Pager Notrufsysteme für Krankenhäuser und Fabriken sowie ein Auto-Telefonsystem für AT&T. Mit dem Start der US-Raumfahrt war auch Motorola mit von der Partie, etwa bei der Funkanlage für den Flug der Mercury von Alan Shephard. Höhepunkt dieser Entwicklung war 1969 die Übertragung des ersten Schrittes auf den Mond über Motorola-Equipment – a giant leap for mankind.

Mit der Erfindung des integrierten Schaltkreises durch Jack Kilby entwickelte sich der Geschäftszweig Motorola Semiconductors Austin in den 70er Jahren zur kommerziell erfolgreichsten Firmentochter. Der erste Mikroprozessor war 1974 die 8-Bit-Version des MC 6800, ursprünglich entworfen für die Solaranlage des "House of the Future" der Frank Lloyd Wright Foundation. Zu den IT-Firmen, die 32-Bit Prozessoren der MC-68000er-Reihe (MC 68020) und das Nachfolger-System PowerPC nutzten, gehören Apple, Atari und Commodore.

Das Motorola DynaTAC wog schlanke 794 Gramm und war ab 1984 erhätlich.

(Bild: Motorola Solutions)

Im September 1983 konnte Motorola mit der Vorstellung des DynaTAC die nächste Erfolgsgeschichte schreiben: die Entwicklung des digitalen Mobilfunks, die Motorola mit Klapp-Telefonen wie MicroTAC oder StarTAC zeitweilig dominierte, ehe Nokia übermächtig wurde. Beiden Firmen gelang es nicht, im Smartphone-Geschäft Fuß zu fassen, was bei Motorola dazu führte, dass der Konzern 2012 umgebaut wurde.

Die Konsumenten-Sparte Motorola Mobility ging 2012 an Google, das wegen der für Android nützlichen Patente bereit war, einen hohen Preis von 12,5 Milliarden US-Dollar zu zahlen. 2014 wechselte wieder der Besitzer, Lenovo kaufte Google die Sparte für 3 Milliarden US-Dollar ab. Motorola Solutions mit Funksystemen für Blaulichtbehörden, Flughafenbetreiber und andere sicherheitskritische Unternehmen blieb eigenständig. Diese Firma entwickelt heute neben Funkgeräten und Funkzentralen Bodycams für die Videodokumentation. Mit dem Aufkauf der kanadischen Firma Avigilon, einem Spezialisten für intelligente Videoanalyse mit hochauflösenden Kameras, in diesem Jahr geht man den Weg weiter, überwachte Sicherheit mit intelligenter Situationsanalyse und künstlicher Intelligenz zu verbinden. (Detlef Borchers) / (axk)

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