91. Treffen der IETF: "Standards zu entwickeln ist politisch"

Entwickler müssten endlich anerkennen, dass Standards zu entwickeln auch Politik sei, sagte Mark Nottingham, Vorsitzender der Arbeitsgruppe für den Nachfolger des http-Protokolls auf dem IETF-Treffen in Honolulu.

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91. Treffen der IETF: "Standards zu entwickeln ist politisch"

Die Kulisse für ein Social Event des 91. IETF-Treffens kann sich sehen lassen

(Bild: IETF)

Von
  • Monika Ermert

"Code is law", schrieb Lawrence Lessig vor mehr als einem Jahrzehnt. Auf dem 91. Treffen der Internet Engeineering Task Force (IETF) in Honolulu hat die Politik die Standardisierungsorganisation eindeutig erreicht. Standards zu entwickeln sei Politik, sagte Mark Nottingham, das müsse man endlich begreifen. Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe für den Nachfolger des http-Protokolls schlägt vor, im Standardisierungsprozess künftig auch die Interessen verschiedener "Stakeholder"zu berücksichtigen.

Ausgelöst wurde die Debatte durch zwei Vorschläge zum Thema Grund- und Menschenrechte, die den im Bereich Security aktiven Arbeitsgruppen der IETF am Donnerstag vorgestellt wurden. Vertreter der Bürgerrechtsorganisation Artikel 19 warben dafür, die Standarddokumente der Organisation (RFC) darauf hin zu überprüfen, welche Rechte davon möglicherweise berührt werden.

Nerds auf Hawaii

(Bild: IETF)

Dabei dürften sich solche Überlegungen nicht auf Datenschutz und Privatsphäre beschränken, erklärten Niels te Oever von der Artikel-19-Gruppe und Joana Varon von Freepress. Gemeinsam mit dot.gay-Beraterin Avri Doria wollen sie bestehende Protokolle darauf abklopfen, welche Grundrechte damit in Zusammenhang stehen. So seien etwa die in RFC1958 niedergelegten architektonischen Prinzipien des Internets eng mit dem Recht auf Informationsfreiheit verknüpft.

Einzelne Teilnehmer warnten aber auch davor, die Arbeit der IETF zu politisieren. Die auch von Torentwickler Jacob Appelbaum geäußerte Forderung , Grundrechte bei der technischen Standardisierung stärker zu berücksichtigen, hält Nottingham für gefährlich: Es könne leicht die falschen Leute anziehen. Zugleich meint der Australier, dass die Techies sich der politischen Diskussionen stellen müssen.

Nottinghams Vorschlag: Die Entwickler sollten bei ihrer Arbeit die Interessen von "Nutzern, Netzbetreibern, Administratoren, Herstellern, Inhalteanbieter, Regierungen, Arbeitgeber und Eltern" ausbalancieren. Dazu müsse man nicht gleich alle ins Haus holen. Vielmehr sollten die Techies die Interessengegensätze in ihren Entscheidungen für Standards selbst ausgleichen. Der Nutzer müsse dabei im Zweifel ganz oben stehen.

Nottingham hat seinen Lessig gelesen und zitiert ausführlich: "Code ist der Regulierer, Software und Hardware geben dem Cyberspace seine Gestalt. Dieser Code oder die Architektur legen die Regeln fest, in denen das Leben im Cyberspace funktionieren kann." Das, so Nottingham, sei in der Tat eine mächtige Verantwortung. (anw)