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A Plague Tale: Innocence durchgespielt – Ratten, Rätsel, Ritterzeit

Mit dem alptraumhaften Schleichabenteuer A Plague Tale: Innocence gelingt den französischen Asobo-Studios eine der größten Überraschungen des Jahres.

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(Bild: Focus Home Interactive)

Ein paar Lizenztitel, ein Kinect-Flop und eine Videospielumsetzung von Monopoly – so sah das bisherige Portfolio des Entwicklers Asobo aus. Die Franzosen waren eine graue Maus in der Spielelandschaft, die zwar regelmäßig kleinere Aufträge bekam und ein paar größeren Titeln wie The Crew zuarbeiten durfte, aber ansonsten kaum auffiel. Mit der Eigenentwicklung A Plague Tale: Innocence dürfte sich das ändern.

Endlich mal kein romantisierter Blick auf das düstere Mittelalter: Kriege ziehen durch das Land, die Pest rafft die Bewohner dahin und aus der Erde fallen die Ratten wie der fünfte apokalyptische Reiter über die Menschheit her. In diesem Chaos versucht die junge Adelige Amicia ihren kleinen Bruder Hugo zu schützen, der von einer tödlichen Krankheit befallen ist. Die beiden müssen sich an feindlichen Soldaten vorbeischleichen, klettern über Leichenberge hinweg und verscheuchen blutgierige Ratten. Zu allem Übel lauert im Hintergrund die Inquisition, die in Hugos Krankheit die Lösung für die Rattenplage sieht.

Aus diesem Szenario heraus entwickelt Plague Tale ein klassisches Schleich-Abenteuer mit Horror-Einschlag. Während Hugo meist passiv neben Amicia hertrottet, lenkt sie die Feinde ab oder erledigt sie mit ihrer Steinschleuder. Diese ist für so eine kleine Waffe sehr mächtig: Amicia braut sich Betäubungstränke, mit denen sie ihre Geschosse tränkt, wirft Säurepulver auf die Gegner, damit sie ihre Rüstung ablegen oder verschießt Feuergranaten. Manchmal nutzt sie auch die Umgebung und löst mit ihrer Steinschleuder Halterungen, damit Käfige auf ihre Gegner stürzen.

Als besonders hartnäckig erweisen sich die Ratten, die Amicia nach dem Leben trachten. Glücklicherweise meiden die Nagetiere das Licht. Fackeln scheuchen die Viecher zurück, Köder lenken sie kurzfristig ab. Trotz dieser Hilfsmittel ist es ein nervenaufreibender Kampf: Eine Fackel hat nur eine kurze Haltbarkeit und am Ende des Spiels stürzen sich wahre Rattenberge auf Amicia und ihren Bruder, die sie unter Zeitdruck vernichten müssen.

Aber nicht alles in diesem Alptraumszenario ist tödlich. Auf ihrer Reise trifft das Geschwisterpaar auf ein paar Helfer: Eine Diebin knackt Schlösser, ein junger Alchimist versorgt sie mit Hilfsmitteln und ein robuster Schmied erledigt die Gegner aus dem Hinterhalt. Selbst Hugo greift aktiv ins Geschehen ein und kriecht durch kleine Löcher, um Türen zu öffnen. Dabei wechseln die Spieler aber nicht die Rollen, sondern geben nur einfache Befehle. Manchmal muss Amicia auch ihr Köpfchen anstrengen, um kleine Rätsel für den Spielfortschritt zu lösen.

A Plague Tale: Innocence durchgespielt (5 Bilder)

Geht es nach den Entwicklern von A Plague Tale, war das Mittelalter ein wahrer Alptraum.
(Bild: heise online)

Dass dieser Mix aus vielen bekannten Spielelementen rundum gelungen ist, liegt nicht zuletzt an der visuellen Umsetzung. Natur, blutige Schlachtfelder und alte, verkommene Dörfer werden detailreich dargestellt und schaffen ein sehr düsteres Bild des Mittelalters. Dabei nehmen sich die Entwickler ein paar künstlerische Freiheiten: Wenn sich das Geschwisterpaar nur im Fackelschein durch einen Rattenbau bewegt, fühlt man sich eher in einem surrealistischen Alptraum gefangen, als in der guten alten Ritterzeit.

Die bisher unbekannten Asobo-Studios inszenieren mit A Plague Tale: Innocence ein alptraumhaftes Schleichabenteuer, das die Spieler durch eine düstere Atmosphäre und die detailreiche visuelle Umsetzung in Bann hält. Da stört es wenig, dass einzelne Spielelemente schon aus anderen Spielen bekannt sind, denn sie funktionieren, egal ob sich die Spieler durch ein Meer von Ratten schleichen müssen oder aus einem Gefängniscamp entkommen müssen – Plague Tale bleibt ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel. Die etwa zehnstündige Geschichte von Geschwisterliebe, Schuld und einer symbolhaften Rattenplage bleibt spannend bis zum Schluss – eine wohltuende Überraschung für alle Horror- und Mittelalterfans.

A Plague Tale: Innocence (ab 34,95 €) erscheint am 14. Mai für Windows, PS4 und Xbox One. USK ab 16.
(dahe)