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AKW-Katastrophe in Fukushima: Roboter liefert Bilder aus Unglücksreaktor

Auch vier Jahre nach der Atomkatastrophe in Fukushima weiß noch immer niemand, wo sich in den Reaktoren die geschmolzenen Brennstäbe genau befinden. Ein Roboter hat jetzt erste Bilder aus der strahlenden Ruine geliefert – und macht etwas Mut.

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Screenshot aus einem von dem Roboter im Reaktor 1 aufgenommenen Video

(Bild: Tepco)

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Ein Roboter hat erstmals Bilder aus dem tiefsten Inneren eines der Unglücksreaktoren in der Atomruine Fukushima geliefert. Nach Angaben des AKW-Betreibers Tepco sind im Sicherheitsbehälter des zerstörten Reaktors Nummer 1 nahe einer Öffnung zum Tiefgeschoss keine größeren Hindernisse gesichtet worden. Dies gilt als positives Zeichen für die weitere Suche nach den geschmolzenen Brennstäben. Die von dem Roboter gemessene Strahlendosis erreichte bis zu 9,7 Sievert pro Stunde an ausgewählten Messpunkten. Die Temperatur lag den Angaben nach zwischen 17,8 und 20,2 Grad.

Die IAEA hält eine radioaktive Dosis durch die natürliche Umweltstrahlung von 0,2 bis 0,3 Mikrosievert pro Stunde (2,4 Millisievert pro Jahr) für normal, in Deutschland liegt die natürliche Umweltstrahlung bei bis zu 0,2 Mikrosievert pro Stunde (1,7 Millisievert pro Jahr). Ein Mensch würde in dem havarierten Reaktor innerhalb einer Stunde sterben.

Der Reaktor ist einer von dreien, in denen es in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 zu Kernschmelzen gekommen war. Wegen der weiterhin extrem hohen Strahlung können keine Menschen ins Innere der Unglücksreaktoren.

Daher weiß auch vier Jahre nach der Katastrophe niemand, wo sich der in den Reaktoren 1, 2 und 3 geschmolzene Brennstoff genau befindet. Tepco hatte deswegen den Roboter hineingeschickt, der jedoch schon nach wenigen Stunden steckenblieb. Tepco gab das ferngesteuerte Gerät daraufhin auf.

Um die Lage im Inneren zu erkunden, haben Wissenschaftler auch mit einem anderen Experiment begonnen, bei dem sie mit Hilfe kosmischer Strahlen durch die Reaktoren "hindurchschauen" und "Schatten" des Brennstoffs ausmachen wollen – ähnlich wie bei Röntgenaufnahmen. Solche sogenannten Myonen werden auch in der Vulkanforschung und bei der Suche nach geheimen Kammern in Pyramiden eingesetzt. Tepco und die japanische Regierung hoffen, 2020 mit der Bergung des Brennstoffs beginnen zu können.

Siehe zur Einschätzung der Strahlenbelastung und zum Einsatz von Robotern in Fukushima:

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(anw)