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AMD AM1: Ein kurzer Blick auf den neuen Sempron 3850

Einige der kürzlich angekündigten AM1-Prozessoren sind jetzt erhältlich: Das leistet die neue AMD-Plattform für Billig-PCs.

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AMD Sempron 3850
AMD Sempron 3850 ab € 35,49

AMD Sempron 3850

Vor knapp einem Jahr hatte AMD die Kabini-Prozessoren vorgestellt: Systems-on-Chip (SoCs), die zwei oder vier x86-Prozessorkerne mit einer Radeon-GPU und Chipsatz-Funktionen vereinen. Die SoCs kamen zunächst ausschließlich in BGA-Gehäusen zum Auflöten auf die Mainboards von Billig-Notebooks, Netbooks und Mini-PCs, es gibt auch einige wenige damit bestückte Mini-ITX-Mainboards. Nun hat sich AMD entschlossen, unter den alten Produktnamen Athlon und Sempron auch enge Kabini-Verwandte für die Wechselfassung AM1 alias FS1b zu verkaufen.

Bei der Ankündigung vor einigen Wochen wollte AMD weder Details noch Termine verraten, doch mittlerweile sind Athlon 5350 und Sempron 3850 bei einigen Händlern aufgetaucht. Leider war der Athlon 5350 sofort ausverkauft, doch ein Sempron 3850 (Quad-Core, 1,3 GHz, Radeon R3) sowie das Asrock-Mainboard AM1H-ITX haben es heute ins c't-Labor geschafft.

Mainboard Asrock AM1H-ITX

Das AM1H-ITX lässt sich an einem ATX-Netzteil betreiben, aber alternativ auch mit einer einzigen Gleichspannung von 19 Volt. Diese potenziell effizientere Option haben wir mit einem jener Netzteile ausprobiert, die Intel den NUC-Minirechnern beilegt. Im Leerlauf unter Windows 8.1 x64 schluckte das System, bestückt mit 8 GByte DDR3L-1333-SDRAM und einer SSD, lediglich 13,8 Watt. Maximal flossen 35 Watt bei gleichzeitiger Last auf allen vier CPU-Kernen und der GPU. Die CPU-Kerne alleine verursachten unter Prime95-Volldampf 29 Watt netzseitige Leistungsaufnahme. Als TDP für den Sempron 3850 nennt AMD 25 Watt, das kommt recht genau hin.

AMD positioniert die AM1-Plattform vor allem gegen Intels Atom-Celerons, also etwa den Celeron J1900, die allerdings in Desktop-Rechnern bisher kaum zum Einsatz kommen. Die Radeon R3 im Sempron 3850 ist jedenfalls mit 538 Punkten im 3DMark11 (Performance) und 307 Punkten im 3DMark FireStrike der Bay-Trail-GPU von Intel weit überlegen – der Celeron N2820 leistet im 3DMark11 weniger als die Hälfte (218).

Bei der CPU-Performance ähneln die Jaguar-Kerne von AMD den Bay-Trail-Kernen von Intel: Im Cinebench R15 liefert ein einzelner Sempron-3850-Core 28 Punkte, einer der beiden Kerne des Celeron N2820 dank 2,17 GHz Taktfrequenz aber 38 Punkte. Weil der Sempron 3850 jedoch vier Kerne hat, ist er im Multi-Core-Durchlauf deutlich schneller (102 zu 71). Ähnliches gilt für den OpenCL-Benchmark Luxmark. Über die Leistungsaufnahme von Atom-Celeron-Plattformen lässt sich noch nicht viel sagen, weil es die Desktop-Typen noch nirgends gibt. Der Mini-PC NUC DN2820FYKH ist aber deutlich sparsamer, er kommt im Leerlauf mit 6,2 Watt aus und unter Last mit 15.

Kühlerbefestigung auf AM1-Mainboard

Doch die AM1-Prozessoren treten vom Preis her auch gegen andere Billig-Plattformen an, etwa den A4-4020 (Richland/FM2) aus dem eigenen Stall oder Intels Celeron G1820 (Haswell/LGA1150). Die FM2- und LGA1150-Boards sind meistens teurer als AM1-Platinen, das AM1H-ITX kostet wohl wegen der speziellen Stromversorgung aber fast 50 Euro. Für den Sempron 3850 zahlten wir 34 Euro – ähnlich viel wie für den Celeron. Der liefert allerdings nicht bloß etwa die doppelte CPU-Performance, sondern liegt auch im 3DMark11 (661) und FireStrike (373) vorne – freilich bei höherer Leistungsaufnahme von bis zu 66 Watt. Und auch im Leerlauf liegt unser Billig-PC-Bauvorschlag mit Celeron G1820 mit fast 24 Watt deutlich höher. Doch auch die Ausstattung ist besser. Andererseits wiederum gönnt AMD dem Sempron 3850 Funktionen wie AVX und AES, die Intel bei Billig-Prozessoren künstlich beschneidet.

Ungewohnt ist die neue Kühlerhalterung bei den AM1-Prozessoren: Nur zwei Befestigungslöcher sind im Mainboard vorhanden, der bei Boxed-Prozessoren mitgelieferte Kühler hält sich daran mit Kunststoff-Spreizdübeln fest. Sogar beim Lüfter spart AMD: Statt der aufwendigeren 4-Pin-Lüfter mit PWM-Steuersignal gibt es nur einen 3-Pin-Lüfter. Der blieb aber auf dem Asrock AM1H-ITX leise. (ciw)