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AMD & Linux: Alter Treiber wird aufgegeben, neuer bringt Vulkan-Support

Ubuntu 16.04 LTS wird voll auf quelloffenen Grafiktreiber für Radeon-Grafikkarten setzen, denn der Catalyst-Treiber wird dort nicht laufen. Ein Nachfolger mit Vulkan-Support ist jetzt testbar, unterstützt aber nur die neuesten Grafikchips.

AMD & Linux: Alter Treiber wird aufgegeben, neuer bringt Vulkan-Support

(Bild: AMD)

AMDs als "Catalyst" oder "Fglrx" bekannte Linux-Treiberfamilie wird sich unter Ubuntu 16.04 LTS nicht einsetzen lassen, denn das Unternehmen macht seinen proprietären Treiber vorerst nicht kompatibel zu Komponenten aktueller Linux-Distributionen. Stattdessen steckt AMD seine Ressourcen offenbar verstärkt in die Entwicklung von zwei grundlegenden neuen Treiberfamilien für Linux. Eine besteht komplett aus Open-Source-Treibern, zur anderen gehören auch proprietäre Treiber. Letztere heißt "AMD GPU-PRO" und bringt auch einen Treiber für den Direct3D-12-Konkurrenten "Vulkan" mit; eine erste Beta dieser Treiberfamilie ist jetzt erhältlich.

Dass AMD seinen proprietäre Catalyst-Treiberfamilie mittelfristig aufgeben will, ist seit rund eineinhalb Jahren bekannt. Damals hat AMD angekündigt, dass alle Linux-Grafiktreiberfamilien einen Open-Source-Unterbau bekommen sollen. Im Vorfeld dieses jetzt mehr und mehr anlaufenden Umstiegs hat AMD das Engagement beim Catalyst-Treiber offenbar bereits zurückgefahren, denn der arbeitet bislang nicht mit dem Anfang November erschienenen X-Server 1.18 von X.org zusammen.

Einige Distributionen setzen diesen oder neuere X-Server bereits seit dem Herbst zur Ausgabe der Bedienoberfläche ein, daher lässt sich Catalyst dort nicht einsetzen. Bei Ubuntu wird das ab Version 16.04 LTS der Fall sein, die in einem Monat erscheinen soll. In ähnlichen Situationen haben AMD und Canonical die Treiber dann noch rechtzeitig kompatibel gemacht. Diesmal soll das nicht der Fall sein, wie kürzlich verkündet wurde; AMD-Mitarbeiter haben aber vage angedeutet, Support für den X-Server 1.18 womöglich im Verlauf des Jahres noch nachzurüsten.

Ubuntu stellt Systeme, die bislang die Catalyst-Treiberfamilie eingesetzt haben, beim 16.04-Upgrade auf die quelloffenen Treiberfamilien "amdgpu" oder "radeon" um. Diese sind bei der Unterstützung der Video-Beschleunigung und in einigen anderen Belangen besser als Catalyst. Letzterer entlockt aber gerade neueren Grafikchips etwas mehr 3D-Performance und unterstützt nicht nur OpenGL 4.1, sondern auch OpenGL 4.5.

Am Wochenende hat AMD indes eine erste Vorabversion des Nachfolgers für den Linux-Catalyst zum Download bereitgestellt. Die Beta dieser als "AMD GPU-PRO" bezeichneten Treiberfamilie hat AMD speziell auf die 64-Bit-x86-Version des im Februar erschienenen Ubuntu 14.04.4 zugeschnitten, daher funktioniert der Treiber-Installer nicht unter anderen Distributionen. Die Treiber unterstützt zudem nur Grafikchips der GCN-1.2-Generation; das sind die Radeon-R9-Grafikkarten 285, 380, 380X, Nano, Fury und Fury X und der R9-Mobil-Chip M395X.

Highlight der GPU-Pro-Treiberfamilie ist ein proprietärer Vulkan-Treiber. Der von den OpenGL-Machern entwickelte Direct3D-12-Konkurrent lässt sich damit jetzt auch auf AMD-Hardware ausprobieren; Intel und Nvidia haben Vulkan-Treiber für Linux bereits zur Vorstellung der neuen Programmierschnittstelle veröffentlicht.

Die GPU-Pro-Treiberfamilie enthält neben dem Vulkan-Treiber unter anderem auch einen proprietären OpenGL-Treiber. Ähnlich wie Catalyst bringt auch die GPU-Pro-Treiberfamilie ein Kernel-Modul mit, das zwingend erforderlich ist und passend zum eingesetzten Linux-Kernel kompiliert werden muss. Der Code dieses Kernel-Moduls untersteht aber einer Open-Source-Lizenz, denn es handelt sich um eine erweiterte Version des Kernel-Treiber amdgpu, der zur Amdgpu-Treiberfamilie gehört und Linux seit Version 4.3 beiliegt.

Die Beta-Version von AMD GPU Pro hat aber noch eine Reihe bekannter Probleme. Ein Suspend-to-Disk per ACPI S4 wird ebenso wenig unterstützt wie Systeme mit mehreren Grafikprozessoren. Zudem seien nur die grundlegenden Funktionen zur Monitoranbindung und zum Power-Management aktiv. (thl)

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