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AMD überarbeitet seinen Prozessor-Fahrplan

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AMD, der zweitgrößte Hersteller von x86-Prozessoren, hat seine Planung für kommende Produkte präzisiert. Anlässlich seines jährlichen Analysten-Treffens im kalifornischen Hauptsitz des Unternehmens (als Video im Internet abrufbar) berichteten hochrangige Manager des Unternehmens nicht nur über neue Prozessoren, sondern vor allem auch über die Anstrengungen des Unternehmens, wieder in die Profitzone zurückzukehren.

William Siegle betonte zwar, dass man mit Hochdruck an der 90-Nanometer-Prozesstechnik arbeite, sprach aber ansonsten von einem "eher konservativen Plan" -- sprich: einem vergleichsweise späten (und später als geplanten) Umstieg auf kleinere Strukturen. Er konnte sich einen maliziösen Hinweis auf "die Probleme anderer Firmen" mit der 90-nm-Technik nicht verkneifen -- bekanntlich verzögert sich bei Intel ganz offenbar die Einführung des Pentium-4-Kernes "Prescott", auch der 90-nm-Kern "Nocona" für die Xeons sowie der Pentium-M-"Banias"-Erbe "Dothan" sollten nach früheren Ankündigungen eigentlich noch in diesem Jahr erscheinen.

Prozessor-Roadmap von AMD vom 6. November 2003 (klicken für vergrößerte Ansicht)

AMD jedenfalls will erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres Prozessoren mit 90-Nanometer-Strukturen (und Silicon-on-Insulator- (SOI-)Technik) produzieren, und zwar die Opteron-Kerne Athens (Vier- bis Acht-Prozessor-Rechner, Opteron-800-Serie), Troy (Ein- bis Zwei-Prozessor-Rechner, Opteron-200-Serie) und Venus (Ein-Prozessor-Rechner, Opteron-100-Serie) sowie San Diego, einen Nachfolger des AMD Athlon 64 FX-51 (die Bezeichnungen und Detail-Infos zu den aktuellen Kernen stehen in der heise-online-Meldung zur letzten AMD-Preisliste).

Für den Athlon 64 soll es noch einen ebenfalls in 0,13-Mikrometer- (130-nm-)Technik gefertigten Nachfolger namens Newcastle geben, bevor ebenfalls im zweiten Halbjahr 2004 der 90-nm-Winchester kommt. Bei den AMD64-Mobilvarianten ist eine explizit "Mobile AMD Athlon 64" genannter 130-nm-Nachfolger für das erste Halbjahr 2004 in Planung; der aktuelle Desktop-Replacement-Athlon-64 benötigt ja kaum weniger Leistung als die gewöhnlichen Athlon-64-Prozessoren für Desktop-Rechner. Beim AMD64-Mobilprozessor steht anschließend (und ebenfalls in der zweiten Hälfte kommenden Jahres) der Umstieg auf den 90-nm-Odessa an, im ersten Halbjahr 2005 soll der Oakville folgen.

In der zweiten Jahreshälfte 2005 sind sechs neue 90-nm-Prozessorkerne geplant -- Konkurrent Intel will dann schon 65-Nanometer-Strukturen fertigen können. Der konservative AMD-Ansatz sieht dann wiederum Nachfolger für die drei Opteron-Linien (Egypt (Achtfach), Italy (Dual), Denmark (Single)) und den Athlon 64 FX (Toledo) vor.

Außerdem sollen die Kerne der Prozessoren der Athlon-XP-Familie erst zu diesem Zeitpunkt auf die 90-Nanometer-Fertigungsstrecke umziehen, nämlich als Palermo (Athlon XP) und Trinidad (Athlon XP-M für Notebooks). In der ersten Hälfte kommenden Jahres sind für diese beiden Prozessortypen neue 130-Nanometer-Kerne namens Paris und Dublin eingeplant. Den billigen Duron und den Athlon MP für 32-Bit-Dual-Systeme will AMD weiterhin unverändert in 0,13-Mikrometer-Technik bauen.

"Chief Scientist" William Siegle verkündete, dass man schon seit "einigen Quartalen" recht erfolgreich 90-nm-Prototypen baue und sich in Bezug auf den Umstieg in 2004 sehr sicher fühle. Die 90-Nanometer-Prozessentwicklung erfolge weiterhin in der Dresdner Fab30, gemeinsam mit IBM arbeiteten zurzeit etwa 30 und ab nächtem Jahr über 50 Entwickler am IBM-Standort East Fishkill an einer 65-Nanometer-Fertigung auf 300-mm-Wafern. Siegle lobte die IBM-Kooperation über den grünen Klee, dort teile man "die brennende Leidenschaft" für Hightech-Prozessorfertigung. Siegle sagte übrigens nicht, ob kommende 65-nm-Prozessoren auf 300-mm-Wafern, die ja nach der AMD-Roadmap etwa Ende 2006 zu erwarten wären, auch in Dresden gefertigt werden sollten und wann dort dann mit den dafür nötigen Erweiterungen und Umbauten begonnen würde. Aber dafür ist ja noch Zeit bis zum übernächsten der halbjährlich stattfindenden Analysten-Tage Ende 2004.

Dirk Meyer, Chef der Computation Products Group, betonte die starke Orientierung seines Unternehmens auf die Bereiche Server mit dem leistungsstarken Opteron und auf mobile Geräte, ein stark wachsendes Segment. Auch der AMD64 solle im Lauf der Zeit so Strom sparend werden, dass er sich für die im Firmen-Einsatz beliebten "Thin-and-Light"-Notebooks eigne -- ein Argument, das auch klar auf die anwesenden Analysten zielt.

In Bezug auf Server erwähnte er auch den Bereich Datenbanken, wo sich der Opteron sehr gut schlägt. Bei den Servern allgemein und beim High-Performance Computing (HPC) sei IBM der wichtigste Partner.

Im Jahre 2004 will AMD nach Meyers Worten keine "Big-Bang"-Produktankündigungen bringen, sondern die Früchte der langen Vorarbeit (für AMD64) ernten.

Schließlich kündigte Meyer noch vage eine ganz neue Prozessor-Architektur an, nämlich K9 (K7 = Athlon, K8 = AMD64/Hammer). Dieser Kern könnte sehr spät im Jahre 2005 erscheinen -- und es wurde von anderer Seite sogar gemunkelt, dass er mehr als einen CPU-Kern enhalten könnte. (ciw)

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