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AMD verschlankt die Prozessor-Roadmap

AMD-Chefin Lisa Su will in die Gewinnzone steuern, indem sie Kosten senkt und mit weniger Produkten auf die lukrativsten Märkte zielt.

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AMD CPU-Roadmap 2016

Das CPU-Angebot von AMD für Desktop-PCs und Notebooks schnurrt auf weniger Varianten zusammen.

(Bild: AMD)

Lisa Su ist es sicherlich leid, von Quartal zu Quartal nur weitere Verluste melden zu können. Zusammen mit den finanziell schlechten Ergebnissen des Jahres 2015 und dem wenig ermutigenden Ausblick auf das laufende Quartal hat sie deshalb am Dienstag auch einen Plan präsentiert, wie AMD wieder die Gewinnzone erreichen soll. Dazu gehören weitere Kostensenkungen, aber auch zehn konkrete Zielvorgaben für die Märkte PC, Rechenzentrum und Semi-Custom-Chips.

Zur Minderung der Entwicklungskosten trägt eine deutliche Verschlankung der Prozessor-Roadmap bei. Von den bisher glücklosen Tablet-Prozessoren wie Mullins ist keine Rede mehr – möglicherweise wurden sie auch in den Embedded-Bereich verbannt, ebenso wie die Carrizo-L-Typen für Billig-Notebooks, die hier gegen Intels "Atom-Celerons" antreten.

AMD: CPU-Roadmap 2016 (4 Bilder)

AMD-Roadmap für Desktop-PCs und Notebooks: Die APU Bristol Ridge und der Prozessor Summit Ridge mit Zen-Technik lösen die bisherige Produktpalette ab.
(Bild: AMD)

Jedenfalls soll es 2016 neue Prozessoren bloß noch in je einer Mobil- und Desktop-Bauform geben: Für Desktop-Rechner wechselbare Prozessoren für die Fassung AM4 und für Notebooks Prozessoren in FP4-Bauform zum Auflöten. Zuerst erwartet werden die vermutlich weiterhin mit 28-nm-Technik gefertigten CPU-GPU-Kombiprozessoren (APUs) namens Bristol Ridge. Diese "APU der siebten Generation" löst als FP4-Version den aktuellen Carrizo ab (Generation 6) und als AM4-Version den Kaveri – Letzterer müsste dann die 5. APU-Generation gewesen sein.

In dieselbe AM4-Fassung passen aber nicht nur Bristol-Ridge-APUs, sondern auch neue Prozessoren ohne GPU und mit Zen-Mikroarchitektur. Diese "Summit Ridge"-Chips sollen "spät im Jahr" kommen, nach früheren Hinweisen von Lisa Su zunächst als FX-Typen.

Die schon 2011 eingeführte Prozessorfassung AM3+ darf 2016 endlich in Rente gehen.

Ebenfalls noch 2016 sollen Muster von Server-Prozessoren mit Zen-Technik kommen, die dann 2017 Fahrt aufnehmen und Intels Xeons Marktanteile abnehmen sollen. Das zweite Server-Standbein sind ARM-Opterons, irgendwann sollen die K12-Nachfolger der jetzt ausgelieferten Seattle-Familie Opteron A1100 kommen.

Die neue GPU-Architektur Polaris mit HBM2 hatte AMD schon auf der CES angekündigt, und zwar für die Jahresmitte.

Im PC-Bereich möchte AMD mit Polaris den GPU-Marktanteil steigern – also Nvidia angreifen – und auch wieder bei Business-Notebooks punkten. Dazu gibt es Pro-Versionen des Carrizo wie den Pro A12-8800B, der als Consumer-Chip FX-8800P heißt. Vermutlich ist die Attacke auf den PC-Benchmark BAPCo SYSmark 2014 ein Baustein dieser Strategie, denn der SYSmark ist für die IT-Beschaffung in Behörden und Großfirmen wichtig.

Taugt für ein Ratespiel: Wer kennt die glücklose Fassung AM1 alias FS1b für Athlon 5350 oder Sempron 3850?

Mit der AM4-Plattform, die eine flexible Bestückung von der Billig-APU bis hin zu Multi-Core-CPUs verspricht, wird AMD vielleicht auch bei den Business-Desktops besser punkten können. Später im Jahr soll dann Summit Ridge auch wieder die margenstärkere Sphären in teureren Gaming- und High-End-PCs erreichen.

In Rechenzentren sollen FirePro-Grafikchips fürs High-Performance Computing (HPC) – möglichst bald auch mit Polaris – und ab 2017 dann die neuen Zen-Opterons Umsatz holen.

Bei den Semi-Custom-Chips waren die Umsätze zuletzt geschrumpft: Gemeint sind ja beispielsweise Spielkonsolenprozessoren wie die für XBox One und Playstation 4, an denen die Hardware-Zulieferer mit zunehmendem Alter der Plattformen immer weniger verdienen. AMD will hier neue Ausschreibungen gewinnen und bereits angekündigte Lieferverträge sollen bald mehr Geld abwerfen. Analysten bezweifeln aber, dass kurzfristig nennenswerte Umsatzsteigerungen in diesem Bereich möglich sind, weil die Stückzahlen der neuen Produkte den Schwund aus dem Konsolenmarkt nicht auffangen können.

AMD will aber auch bei Embedded Systems weiter zulegen, einen guten Stand haben die Embedded-APUs und -GPUs etwa bei Spielautomaten unter anderem für Casinos. (ciw)

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