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AMD von Lehman-Brothers-Pleite geschädigt

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Wie eine Pflichtmittelung von AMD an die US-Börsenaufsicht (SEC) enthüllt, droht dem angeschlagenen Prozessor-, Grafikchip- und Chipsatzhersteller ein finanzieller Schaden durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers.

Im Jahr 2007 hatte AMD zur Tilgung von langfristigen Verbindlichkeiten zwei Wandelanleihen begeben. Im April 2007 verkaufte das Unternehmen Convertible Senior Notes im Wert von 2,2 Milliarden US-Dollar mit einer jährlichen Verzinsung von 6,00 Prozent, die am 1. Mai 2015 fällig werden, und im August 2007 schob AMD weitere Papiere im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar mit einer jährlichen Verzinsung von 5,75 Prozent nach, die bereits im August 2012 fällig werden.

In Verbindung mit der 6-Prozent-Wandelanleihe hatte AMD mit der Sparte OTC Derivatives, Inc. der US-Investmentbank Lehman Brothers, die inzwischen Gläubigerschutz beantragt hat und von der Teile an Barclays verkauft wurden, ein kompliziertes Geschäft abgeschlossen. Diese sogenannte Capped Call Transaction sollte einer Verwässerung (Dilution) der AMD-Aktien vorbeugen, wenn die Käufer der Wandelanleihen diese Papiere nach ihrer Fälligkeit im Jahr 2015 gegen reguläre AMD-Aktien tauschen wollen. AMD zahlte deshalb an Lehman Brothers OTC Derivatives 182 Millionen US-Dollar: Damit sollte die Investmentbank im Laufe der Jahre reguläre AMD-Aktien kaufen und an AMD zurückgeben, um den Verwässerungseffekt zu begrenzen.

Die 182 Millionen US-Dollar sind nun wohl in der Konkursmasse der Lehman Brothers untergegangen; AMD hat das Geschäft formal beendet, weil der Konkurs des Geschäftspartners das laut Vertrag ermöglichte. Laut SEC-Mitteilung kann die Firma AMD zurzeit nicht einschätzen, ob es noch Rückzahlungen geben wird.

Wie groß der Schaden durch das Nichtzustandekommen des Geschäfts tatsächlich ist, lässt sich kaum abschätzen: Im April 2007 lag der AMD-Aktienkurs noch bei rund 13 US-Dollar, mittlerweile sind es deutlich weniger als 2,50 US-Dollar. AMD kann also zurzeit für relativ wenig Geld eigene Aktien zurückkaufen, falls Gegenmaßnahmen gegen eine Verwässerung der Aktie im Hinblick auf die wegen der Wirtschaftskrise kaum vorhersagbare Kursentwicklung im Jahr 2015 überhaupt noch sinnvoll erscheinen. (ciw)

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