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AMD will Entwicklung freier 3D-Linux-Treiber fördern

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AMD will Entwicklern Informationen zur Programmierung von Open-Source-Grafiktreibern für die beiden neueren Grafikchip-Familien aushändigen und die Entwicklung eines solchen Treibers aktiv unterstützen. Bereits im Mai hatte AMD auf dem Red Hat Summit Andeutungen gemacht, die Treiber-Unterstützung für ATI-Grafik zu verbessern und eine für die Open-Source-Community befriedigende Lösung zu finden. Etwas mehr Informationen wurden nun im Rahmen des derzeit in Cambridge, Großbritannien, stattfindenden Kernel Developers Summit bei LWN.net und im Blog von Christopher Blizzard bekannt.

Demnach will AMD das Grundgerüst eines Open-Source-Treibers für die beiden neueren Grafikchipgenerationen (R500 und R600, also X1300 und bis HD 2900) selbst programmieren und zusammen mit der Open-Source-Community weiterentwickeln. Interessierten Entwicklern will AMD ferner nicht nur wie etwa früher bei den x9500-x800-Grafikchips eine abgespeckte Dokumentation bereitstellen. Stattdessen sollen die gelieferten Informationen ausreichen, um einen Treiber zu schreiben, der alle Funktionen des Grafikchips anspricht – also inklusive der 3D-Fähigkeiten. Laut Blizzard stehe AMD damit besser da als Intel – die Firma wird immer wieder für ihre Open-Source-Treiber gelobt, gibt aber für die Grafikchips wohl keine Dokumentation an unabhängige Entwickler heraus.

Die Treiber-Entwicklung soll laut Blizzard in Zusammenarbeit mit Programmierern von Novell und Red Hat erfolgen. Es dürfte aber noch einige Zeit vergehen, bis der Treiber tatsächlich auch 3D-Fähigkeiten besitzt – zum Jahresende will AMD erst einmal einen Open-Source-Treiber veröffentlichen, der zumindest 2D-Fähigkeiten beherrscht. Ein solcher existierte, abgesehen von dem experimentellen AVIVO-Treiber, bislang nicht für die beiden neuesten GPU-Generationen. Seit der Einführung der X1300 hatte der damals noch als ATI autark operierende Grafikchiphersteller keine Informationen an Open-Source-Entwickler mehr herausgegeben und durch seine Politik sogar die Veröffentlichung eines rudimentären Treibers blockiert.

Um die neueren Radeon-Grafikchips überhaupt sinnvoll unter Linux einsetzen zu können, ist daher der proprietäre Linux-Treiber von AMD/ATI nötig – da um die Konformität solcher Treiber mit den Linux-Kernel-Lizenzen immer wieder Debatten laufen, liegen sie kaum einer Distribution bei. Diese bieten dann nach der Installation allenfalls eine rudimentäre grafische Oberfläche mit dem Vesa-Treiber. AMDs Hersteller-Treiber hatten zudem einen schlechten Ruf bei Linux-Anwendern, da ihre Installation schwierig war, immer wieder Probleme im Betrieb auftraten, die Performance nicht die Beste war, manche viel gefragte Features lange fehlten und die Unterstützung für neuere Grafikchips mehrfach erst Monate nach deren Einführung hinzukam.

Die proprietären Treiber könne und wolle AMD aber nicht offenlegen – das "sei aber auch wohl besser für alle". Sie sollen laut einer AMD-Mitteilung in den nächsten Tagen aber noch ein größeres Update bekommen, das nicht nur endlich die Unterstützung für die Mitte Mai vorgestellte R600-Grafikchipgeneration enthält, sondern auch die 3D-Performance deutlich verbessern soll. In den nächsten Monaten will AMD dann auch noch eine weitere neue Version nachlegen, die endlich auch AIGLX beherrscht – 3D-Effekte mit Compiz auf dem Linux-Desktop sollen dann auch ohne Xgl möglich sein. AMD hatte in seiner Mitteilung über die neuen Treiber bereits angedeutet, in den nächsten Monaten das Engagement im Open-Source-Bereich auszubauen – die jetzt bekannt gewordenen Details hatte das Unternehmen jedoch noch verschwiegen. (thl)

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