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AMDs Sechskernprozessor läuft vom Stapel

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Ein neues Feature des neuen Opteron-Prozessors Istanbul ist HT-Assist, mit dem sich überflüssiger Mitlauschverkehr (snooping) reduzieren lässt -- kostet allerdings etwas Platz im L3-Cache.

(Bild: AMD)

In Online-Shops und in Server-Konfigurationmenüs – etwa bei pyramid.de ist er schon seit Tagen im Angebot, erste Benchmarkergebnisse zirkulierten hier und da auch schon vorab – nun ist er offiziell vom Stapel gelaufen: AMDs Sechskern-Prozessor mit Codenamen Istanbul. Zusammen mit Launchpartner HP feiert AMD früher als ursprünglich geplanten den Stapellauf des Prozessors. Sein aktueller 45-nm-Prozess läuft offenbar weit besser als der Problemprozess zuvor in 65 nm. Systeme von Dell, IBM, Sun, Fujitsu und anderen Partnern stehen zur Markteinführung auch schon bereit.

Aktuelles Flaggschiff ist der Opteron 8435 mit 2,6 GHz, gedacht für Vier- und Acht-Sockel-Systeme. Wie der Sechskern-Konkurrenzchip von Intel, der Xeon-Dunnington, ist er sockelkompatibel zum Vorgänger. Doch während sich dort die sechs Kerne einen Frontside-Bus teilen müssen, verfügen die sechs Opteron-Kerne über zwei Speicherkanäle pro Istanbul-Prozessor. Um ähnlich wie bei Dunnington-Systemen Datenverkehr durchs Mitlauschen (Snooping) der anderen Kerne bei Speicherzugriffen zu optimieren, besitzt nun auch der Istanbul einen Snooping Filter, nur dass er hier Probe Filter beziehungsweise HT Assist heißt, und dass für ihn 1 MByte des L3-Caches geopfert werden muss, so dass nur noch 5 MByte L3-Cache pro Prozessor übrig bleiben. Doch HT-Assist soll bei allen üblichen Workloads den Verlust durch verkleinerten L3-Cache weit mehr als wettmachen. Laut AMD kann damit die Bandbreite bei parallelen Speicherzugriffen (gemessen mit StreamOMP 5.8) um 60 Prozent von 25,5 GByte/s auf 41,5 GByte/s steigen.

In der Effizienz war schon der Vierkern-Vorgänger Shanghai dem energieschluckenden Dunnington klar überlegen. Nun ist der Opteron 8435 mit sechs Kernen auch in der Performance weit voraus, etwa bei SAP-SD im HP ProLiant BL685c G6 mit 4422 Usern (0,95 s 24.230 SAPS) verglichen mit 2957 Usern (0,97 s 16.170 SAPS) eines Dunnington-Systems mit vier Prozessoren. Zum Vergleich: Ein Shanghai-Systeme von Dell (Opteron 8384) kam auf 2129 (0,85 s, 11.770 SAPS) und ein Nehalem-EP-System mit nur zwei Xeon-X5570-Prozessoren erreichte 3328 User (0,99 s,18.170 SAPS). Wie es HP mit den 24 Kernen im Proliant BL685c G6 allerdings geschafft hat über doppelt so schnell zu sein wie Dells PowerEdge Model M905 mit 16 Shanghai-Kernen, ist noch unklar. SPEC-CPU2006-Werte für den 8435 liegen derzeit noch nicht vor.

Die gibt es jedoch für den kleineren Kollegen Opteron 2435 für Zweisockel-Systeme, der es allerdings gegen den Konkurrenten Nehalem-EP ungleich schwerer hat. Gemäß der Relation, die AMD im Vergleich zum Opteron 2384 angegeben hat, kommt der Opteron 2435 auf 159 SPECint_rate_base2006 und 125 SPECfp_rate_base2006 – da ist der Xeon X5570 mit 241 respektive 197 immer noch einen Riesenschritt voraus und führt ebenso klar beim SAP-SD mit 3328 Usern gegenüber 2355 (0,98s 12.870 SAPS) des Opteron 2435 im HP ProLiant BL465c G6. Im Energieverbrauch liegt der 2435 mit 2,6 GHz etwa auf gleicher Höhe wie die Shanghai-Kollegen mit 2,8 GHz – ein sparsam ausgelegtes System von ZT-Systems kommt auf 91,5 Watt idle und 287 Watt Volllast – erzielt aber deutlich höhere Performance im Java-Business-Benchmark (501.246 gegenüber 376.878), sodass er sich mit 1297 SPECpower_ssj2008 gut in Szene setzen kann – gut getunte Spar-Nehalem-EP-Systeme kommen allerdings auf nahezu 2000 SPECpower_ssj2008. In realen Systemen mit mehreren Festplatten, RAID-Controllern, redundanten Netzteilen und so weiter, relativiert sich das allerdings, sodass der Unterschied kaum ins Gewicht fällt.

Die neuen Istanbul-Opteronen kosten zudem in der oberen 8000er-KLasse nicht mehr als die alten Shanghai-Versionen mit vier Kernen. Das Flaggschiff bleibt beim OEM-Preis von 2649 US-Dollar, für den Opteron 8427 mit 2,2 GHz ist allerdings mit 1514 US-Dollar etwas mehr als für den entsprechenden Shanghai zu bezahlen. Die 2000er sind auch ein wenig teurer als ihre Pendants, sie kosten zwischen 455 US-Dollar (Opteron 2427, 2,2 GHz) und 1019 US-Dollar (Opteron 2435, 2,6 GHz). (as)