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AMDs Thoroughbred galoppiert vor

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Heute stellt AMD den AMD Athlon XP 2200+ vor, der den neuen "Thoroughbred"-Kern enthält. Der Codename des in 0,13-µm-Technik hergestellten Prozessorkerns geht auf eine englische Vollblut-Pferderasse zurück. Der Athlon XP Model 8 ist zunächst mit maximal 1,80 GHz "echter" Taktfrequenz lieferbar; AMD behält die QuantiSpeed-Typenbezeichungen bei und nennt diese Version 2200+. Der Vorgänger Athlon XP Model 6 mit 0,18-µm-Palomino-Kern erreichte maximal 1,733 GHz (2100+).

Schon äußerlich ist der neue Athlon XP von seinem Vorgänger leicht zu unterscheiden: Die Platine des Organic-Pin-Grid-Array-Gehäuses (OPGA), auf der das eigentliche CPU-Die sitzt, ist jetzt meist grün gefärbt. Außerdem ist das Silizium-Die im Vergleich zum Vorgänger um gut 38 Prozent geschrumpft. Das liegt vor allem am Fertigungsprozess mit kleineren Strukturen. AMD konnte bei dem Prozessor auch rund 300.000 Tranistoren einsparen (37,2 statt vorher 37,5 Millionen).

AMD hat beim Thoroughbred ansonsten keine Änderungen an leistungsbestimmenden Funktionen vorgenommen: Wie der Palomino kommt der Prozessor mit 128 KByte L1-Cache und 256 KByte L2-Cache, der Front Side Bus läuft weiterhin mit 133 MHz und einem Double-Data-Rate-Übertragungsverfahren, daher die Bezeichnung FSB266.

Der neue Prozessorkern rechnet also nur dann schneller als sein Vorgänger, wenn er mit höheren Taktfrequenzen läuft. Die Leistungsverbesserungen des AMD Athlon XP 2200+ im Vergleich zum 3,7 Prozent niedriger getakteten Athlon XP 2100+ liegen je nach Benchmark zwischen zwei und vier Prozent. Der Einsatz von PC2700-Speicher aus DDR333-Chips bringt dabei nur unwesentlich mehr Arbeitsgeschwindigkeit, weil der FSB266 maximal 2,1 GByte/s Datentransferrate erreicht und die 2,7 GByte/s der schnellen Speichermodule nicht nutzen kann.

Die kleineren 0,13-µm-Strukturen und die abgesenkte Versorgungsspannung des Thoroughbred sind gute Voraussetzungen für höhere Taktfrequenzen. Allerdings benötigt der Athlon XP 2200+ mit 1,65 Volt nur 8 Prozent weniger Spannung als der Athlon XP 2100+, AMD spezifiziert für das neue Topmodell eine "typische" Leistungsaufnahme von 61,7 Watt. Das sind nur rund 4 Prozent weniger als beim langsamer getakteten Vorgänger.

Weil diese Leistung als Abwärme von einer wesentlich kleineren Fläche sicher abgeleitet werden muss, benötigt der Athlon Model 8 ab der 2200+-Version spezielle Kühler mit Kupfer-Bodenplatte. Die auf die CPU-Fläche bezogene "spezifische" Wärmeleistung erreicht mit dem Athlon XP 2200+ den neuen Rekordwert von 72,6 Watt pro Quadratzentimeter; das ist ungefähr zehnmal mehr als bei einer handelsüblichen Elektro-Herdplatte. AMD hat bereits einige Kühlermodelle für den neuen Prozessor validiert und pflegt eine Webseite mit Produktempfehlungen.

Den 1000-Stück-OEM-Preis für den Athlon XP 2200+ gibt AMD mit 241 US-Dollar an, 15 US-Dollar mehr als für den XP 2100+. Allerdings ist der Prozessor bei Versandhändlern in den USA schon ab 214 US-Dollar zuzüglich Mehrwertsteuer und Porto zu haben.

Die "Model-8"-Prozessoren sollten nach einem BIOS-Update in den meisten Sockel-A-Mainboards jüngeren Datums laufen, Kompatibilitätslisten bereiten die Mainboardfirmen zurzeit vor (zum Beispiel Asus).

AMD fertigt den Thoroughbred-Kern in der Dresdner Fab 30 auf 200-mm-Wafern. Der neue Kern soll den bisherigen in allen Athlon-XP-Versionen ab dem XP 1700+ (1,467 GHz) ablösen. Im April hatte AMD den Thoroughbred-Kern beim Mobile AMD Athlon XP eingeführt.

In den letzten Tagen hat AMD auch seine Roadmap überarbeitet: Demnach soll der Nachfolger des Thoroughbred-Kerns namens Barton nun doch nicht mit der Silicon-on-Insulator-Technik (SOI) hergestellt werden. Es sind aber weiterhin bei diesem im zweiten Halbjahr erwarteten Kern 512 KByte L2-Cache vorgesehen. Die Durons sind von der Roadmap fast völlig verschwunden, AMD behält sich das Angebot dieses CPU-Typs "bei Bedarf" (as required) vor.

Genauere Informationen zum neuen Athlon-Kern bringt die c't in Ausgabe 13/2002, ab dem 17. Juni im Handel). (ciw)