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AMDs Vice President im Gespräch: Es wird kein DirectX 12 kommen

AMD Vice President Roy Taylor.

(Bild: Martin Fischer)

AMD-Manager Roy Taylor stand c't in München für ein Interview zur Verfügung. Taylor ist seit Januar 2013 Corporate Vice President im Bereich Global Channel Sales. Zuvor arbeitete er über zehn Jahre als Vice President bei Nvidia, wo er unter anderem für das Entwicklerprogramm "The way it's meant to be played" verantwortlich war.

c't: In den 90er Jahren, etwa zu Zeiten der ersten 3DFX-Beschleuniger, war es üblich, potenten Grafikkarten auch Spiele beizulegen. In den vergangenen Jahren stellte das die absolute Ausnahme dar. AMD hat mit den Never-Settle-Bundles angefangen, hochwertige Spiele in Form von aktivierbaren Seriennummern zu Spieler-Grafikkarten beizugeben. Mittlerweile finden sich aktuelle Top-Titel wie Bioshock Infinite und Tomb Raider darunter. Wird AMD auch in Zukunft Never-Settle-Bundles anbieten?

Taylor: Wir werden auch zukünftig Spiele-Bundles mit Top-Spielen schnüren. Wir glauben, das ist der richtige Weg. Aber auch für die Branche ist es ein wichtiges Zeichen. Denn die Computer-Industrie hat über viele Jahre von einer kontinuierlichen Erneuerung der DirectX-Schnittstelle profitiert. Ein neues DirectX hat die Branche immer wieder neu aufgefrischt, neue Grafikkarten brauchten stärkere Prozessoren und mehr RAM. Aber es wird kein DirectX 12 kommen. Das war's. Soweit wir wissen gibt es keine Pläne für DirectX 12. Falls das nicht stimmen sollte und mich jemand korrigieren möchte – wunderbar. Aber jetzt brauchen wir wirklich hervorragende Spiele wie Bioshock Infinite oder Crysis 3, um einerseits die Industrie anzuregen und andererseits unsere Käufer zu belohnen. Deswegen ist Never Settle für uns strategisch enorm wichtig und wird auch weiterhin Top-Titel beinhalten.

Battlefield 4 soll Teil eines künftigen AMD-Spielebundles werden.

(Bild: EA)

c't: Gerüchten zufolge soll auch Battlefield 4 Teil eines zukünftigen Never-Settle-Spielebundles sein?

Taylor: Das ist noch nicht offiziell. Aber es wurde auf der Game Developer Conference präsentiert und das AMD-Gaming-Evolved-Logo tauchte schon online in Zusammenhang mit dem Spiel auf. Ihre Leser können erwarten, dass Battlefield 4 Teil eines Never-Settle-Bundles werden wird.

c't: Bezahlt AMD pro aktivierter Spielelizenz? Ich habe gehört, dass Sie pro aktivierter Seriennummer 14 US-Dollar bezahlen.

Taylor: Wir haben verschiedene Abkommen mit den unterschiedlichen Publishern. Wie die genau ausgestaltet sind, möchten wir für uns behalten. Aber die kommerziellen Bestimmungen variieren von Spiel zu Spiel.

c't: Wie sehen Sie die Zukunft des lokalen PC-Spielens zuhause?

Taylor: Ich glaube, die meisten Leute würden sagen: Es hat etwas von seinem Reiz verloren. Ich sage, dass unser Engagement und die Arbeit mit den Spieleentwicklern etwas von diesem Reiz zurückbringt. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Mein Vater ist ein PC-Spieler. Aber seit ein paar Jahren hat er andere Interessen verfolgt. Als Tomb Raider herauskam, sah mein Vater Bilder der TressFX-Haarsimulation und wollte das Spiel haben. TressFX ist für uns aber erst der Anfang einer ganzen Reihe von Dingen, die wir zusammen mit Spieleentwicklern noch tun werden, um PC-Gaming aufregender zu machen.

AMD will sich auch zukünftig für Spezialeffekte wie die TressFX-Haarsimulation in Spielen einsetzen.

(Bild: AMD)

c't: Am Horizont lauern aber schon die neuen Spielkonsolen Playstation 4 und Xbox 720, die im Vergleich mit den jetzigen Konsolen eine sehr gute Grafikqualität bieten werden. Warum soll ein Spieler noch viel Geld für einen leistungsfähigen PC mit einer guten Grafikkarte ausgeben – in einer Welt von Smartphones, Tablets und Game Streaming? Selbst AMD hat kürzlich die Radeon-Sky-Grafikkarten für Spiele-Streaming-Server vorgestellt.

Taylor: Die Antwort ist sehr einfach: PC-Gaming ist verglichen zur Konsole ein anderes Erlebnis. Der PC eignet sich für viele Spiele-Genres. Ich weiß, Civilization gibt es auch auf Konsolen, persönlich bevorzuge ich aber die PC-Version. Außerdem bin ich ein großer Fan der Total-War-Serie; und meine First-Person-Shooter mag ich mit hochgedrehter Detailstufe auf PC zocken. Im Vergleich zu Konsolen wird man auf dem PC immer eine bessere Grafik erreichen – mit einer aktuellen GPU. Die meisten Leute, die ich kenne, haben beides: eine Konsole und einen PC.

c't: Die jüngere Generation wächst aber in einer Umgebung von Smartphone- und Tabletspielen auf. Außerdem werden die meisten Spiele multiplattform entwickelt...

Taylor: Die einfache Antwort ist: Was PC-Spieler mit TressFX gesehen haben, ist erst der Anfang. Das ist nur Haar. Es gibt noch viele Dinge, die wir noch tun können...

c't: Da hätte ich gern ein Beispiel...

Taylor: OK – Physik. In dem Bereich lässt sich noch eine ganze Menge anstellen.

Ab der zweiten Aprilwoche sollen erstmals auch Käufer von A8- oder A10-Kombiprozessoren ein Spiel erhalten, nämlich Sim City.

(Bild: AMD/c't)

c't: Sie wissen sehr gut, dass Nvidia dieses Thema mit PhysX lange Zeit hervorgehoben hat. AMD hat viel über Open Physics gesprochen. Wenn man ehrlich ist: Wirklich viel ist im Bereich der GPU-beschleunigten Physik nicht passiert. Denken Sie, dass das in Zukunft besser wird?

Taylor: Ja, und ein Grund dafür ist, dass offene Standards wie OpenCL für eine breitere Adaption und mehr Experimente sorgen werden. Geschlossene Standards sind eine falsche Entscheidung.

c't: Gerade bei eigens implementierten Effekten kann es aber auch jede Menge Probleme geben – Stichwort TressFX. Das lief auf Nvidia-Grafikkarten nur langsam oder führte zu Abstürzen. Nvidia sieht die Schuld unter anderem bei AMD, die für den Algorithmus verantwortlich sein sollen.

Taylor: Wenn man die Ressourcen eines Unternehmens auf das Mobilgeschäft ausrichtet und weniger Ressourcen für das Gaming-Geschäft übrig hat, dann wird das eben Folgen haben.

AMD-Chips stecken in der kommenden Playstation 4 und höchstwahrscheinlich auch in dem Nachfolger der Xbox 360.

c't: In den kommenden Spielkonsolen Playstation 4 und Xbox 720 stecken AMD-Chips. Speziell bezogen auf Radeon-Grafikkarten, deren GPUs ebenfalls auf der GCN-Architektur beruhen: Ist zu erwarten, dass die Next-Generation-Konsolenspiele auf Radeon-Grafikkarten besser laufen?

Taylor: Wenn man Code für eine spezielle Architektur schreibt, lässt sich dieser einfacher auf verschiedene Plattformen mit der gleichen Architektur übersetzen. Wir setzen auf offene Architekturen. Die Industrie würde es uns nicht erlauben, daraus Vorteile zu ziehen, die nicht gut für jeden wären.

c't: Wie wichtig ist Linux für Sie?

Taylor: Sehr, es ist wichtig für unsere Firma – besonders hinsichtlich des Embedded-Bereichs.

c't: Viele Linux-User greifen noch immer eher zu einer Nvidia-Karte, mit diesen solle es eher weniger Treiber-Probleme geben.

Taylor: Es waren nicht wir, auf die Linus Torvalds geschimpft hat.

(Martin Fischer) / (mfi)

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