AMDs Übernahme von ATI lässt Intel und Nvidia unbeeindruckt

Während AMD und ATI voll des Lobes füreinander sind, wird schon über das Schicksal von Nvidia spekuliert. Doch der ATI-Konkurrent freut sich über die Übernahme seines Wettbewerbers.

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Durch die heute offiziell angekündigte Übernahme des GPU-Herstellers ATI durch AMD soll ein "Processing Powerhouse" entstehen, das branchenweit für Wachstum und Innovationen sorgen will. Das vereinte Unternehmen soll die steigende Nachfrage nach integrierten Lösungen in Schlüsselmärkten ebenso bedienen wie den Bedarf an Produkten zur individuellen Hardware-Konfiguration. Die Branche wird sich verändern, soweit sind sich die Experten einig. Die direkten Konkurrenten der beteiligten Unternehmen zeigen sich unbeeindruckt.

"Das Zusammengehen dieser beiden großen Unternehmen ermöglicht uns, unsere bisherigen Errungenschaften als Einzelunternehmen zu übertreffen und unsere Branche als Technologieführer neu zu erfinden", zeigte sich AMD-CEO Hector Ruiz zuversichtlich. Sein neuer Partner, ATI-Chef Dave Orton, der die ATI-Sparte im zukünftigen Konzern als Vizepräsident führen wird, erwartet "beschleunigtes Wachstum für ATI und mehr Möglichkeiten für unsere Mitarbeiter". Der Geschäftsführer von AMD Deutschland, Jochen Polster, sagte der dpa, AMD und ATI hätten schon immer gut zusammen gearbeitet. "Wir sind mit der Übernahme schneller am Markt und können innovativer sein."

Zur künftigen Personalpolitik des Unternehmens sagte Polster, in allererster Linie sei die Akquisition auf Wachstum ausgerichtet und nicht auf den Abbau von Mitarbeitern. "Natürlich wird es an einigen Stellen Überlappungen von Funktionen bei AMD und ATI geben, die einige Positionen redundant machen könnten." Das müsse aber im Einzelfall geprüft werden. Die Übernahme habe aber keinen Einfluss auf den AMD-Standort in Dresden, sagte Polster. AMD werde seine Produktionsstrategien nicht ändern. Auch habe AMD nicht vor, so genannte geschlossene Systeme anzubieten, die andere Anbieter außen vor lassen, sondern setze weiterhin auf offene Standards.

ATIs direkter Konkurrent Nvidia rechnet dagegen offenbar mit weniger Offenheit und freut sich schon über die Entwicklung. "Wir sind nun der einzige Hersteller von Grafikprozessoren und Chipsätzen, der Prozessoren sowohl von Intel als auch AMD unterstützt", teilte das Unternehmen heute mit. Unterdessen gibt es erste Spekulationen, dass eine Folge der heutigen Hochzeit eine Übernahme von Nvidia durch Intel sein könnte. Der Chipgigant selbst beteiligt sich nicht an derartigen Überlegungen und wollte die Geschäfte seines Konkurrenten grundsätzlich nicht kommentieren.

Auch Microsoft freut sich über den Milliarden-Deal. "Wir sind begeistert angesichts des Potenzials, das gemeinsame Produkte von AMD und ATI haben können, um unseren Kunden das 'Vista'-Erlebnis noch näher zu bringen", sagte ein Microsoft-Manager gegenüber der Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Analysten erwarten von dem Deal eine Stärkung von AMDs Position im Wettbewerb mit Marktführer Intel. Durch die Übernahme werde AMD zu "einem größeren Player mit einem vielseitigeren Portfolio," erklärte ein Finanzexperte gegenüber der New York Times. Damit hätte der Chiphersteller einen besseren Stand gegenüber Intel. Bis aufs Börsenparkett hat sich das aber offenbar noch nicht rumgesprochen. Während die ATI-Aktie auf Höhenflug ging und 17 Prozent zulegen konnten, gaben AMD-Papiere um gut sechs Prozent nach. (vbr)