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AMP nabelt sich von Google ab

Code-Review durch ein technisches Komitee, Pläne für eine Stiftung und das Microsoft-Engagement sollen das AMP-Projekt in Richtung offenes Web steuern.

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AMP nabelt sich von Google ab

Das Web-Framework AMP (Accelerated Mobile Pages) wird unabhängiger von seinem Schöpfer Google. So will künftig nicht mehr der Google-Angestellte Malte Ubl jeden Beitrag zu dem Open-Source-Projekt überprüfen, sondern diese Aufgabe einem Komitee übertragen.

Laut dem von ihm eingebrachten Vorschlag wird ein Technical Steering Committee Ubls Rolle als Code-Reviewer übernehmen. Statt der bisherigen informellen Zusammenschlüsse, die sich um einzelne Aspekte des Projekts kümmern, soll es Arbeitsgruppen geben.

Ein Advisory Committee soll die AMP-Anwender vertreten und die Arbeit des technischen Komitees beraten. Für dieses konnte AMP bereits Mitglieder von großen News-, E-Commerce- und Cloud-Anbietern gewinnen. Für beide Komitees sucht AMP noch Mitwirkende, auch gegen Bezahlung. Die Projekt-Mitwirkenden wollen bis Ende Oktober über diese Vorschläge diskutieren.

Hauptgrund für die geplante Veränderung ist die schiere Größe des Projekts. Doch die wachsende Unabhängigkeit von Google ist offenbar gewollt: So kündigte Ubl auch an, dass die Komitees ein erster Schritt sind, um das AMP-Projekt in eine Stiftung umzuwandeln.

Mehr als 700 Entwickler haben zu AMP beigetragen – nur 22 Prozent von ihnen arbeiten bei Google.

(Bild: AMP Project)

Google beteuerte zwar stets, dass das vor drei Jahren gestartete AMP auf Seiten des offenen Webs stehe – die Nutzer nahmen es jedoch als Google-Projekt wahr. Das lag nicht nur daran, dass Google Kontrolle über den Code hatte, sondern an der Verflechtung mit dem Google-Cache und der bevorzugten Behandlung in der Suchmaschine und Google News.

Seiten müssen das Framework laut Dokumentation von ampproject.org einbinden, wodurch die Betreiber dieses Servers von jedem einzelnen Seitenaufruf erfahren, und stimmen durch die Nutzung zu, dass ihre Seiten von Caching-Servern statt von ihrer eigenen Domain ausgeliefert werden. Bisher betreibt außer Google nur Cloudflare so einen AMP-Cache.

Mit Bing kommt jedoch demnächst ein weiterer AMP-Cache hinzu. Microsofts Suchmaschine will laut einer Ankündigung vom gestrigen Mittwoch die Technik ähnlich nutzen wie ihr großer Konkurrent.

Auch in anderer Hinsicht emanzipiert sich AMP schrittweise von Google. So soll Googles AMP-Cache bald ohne Google-URLs auskommen. Auf seiner Website hat AMP praktisch alle Verweise auf Google getilgt. Und von den gut 700 Entwicklern, die bisher zu AMP beigetragen haben, arbeitet nicht einmal ein Viertel beim Internetriesen. (dbe)