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AOL Time Warner gibt "Bezahl-Napster" wenig Chancen

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Im vergangenen Oktober schockte Bertelsmann die Musikindustrie, als das Unternehmen bekannt gab, eine strategische Allianz mit der MP3-Tauschbörse Napster einzugehen. Als Ziel dieser Allianz nannte der deutsche Medienkonzern "ein neues Geschäftsmodell" für Napster, das einerseits den "bekannten Bedienkomfort bei der Nutzung von Napster garantieren" sollte und gleichzeitig sicher stelle, dass "Tantiemenzahlungen an Rechteinhaber wie Künstler, Autoren und Plattenlabels künftig gewährleistet werden". Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff kündigte inzwischen an, dass Napster ab dem Sommer kostenpflichtig werden soll.

Doch für Kritiker ist schon die Ausgangssituation wenig vorteilhaft: Napster liegt immer noch wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen mit den großen Plattenlabels Warner Music, Sony Music Group, EMI Recorded Music und Universal Music Group im Rechtsstreit. Versuche, auch diese Gegner von den neuen Plänen zu überzeugen, scheiterten bislang. Die Gründe liegen auf der Hand – und wurden von Vivendi Universals CEO Jean-Marie Messier auch offen zugegeben: Die Labels haben im Falle einer Verurteilung von Napster bessere Karten in der Hand. Eine gute Verhandlungsposition dürfte Napster dann kaum noch haben.

Richard Parsons, zweiter Chief Operating Officer von AOL Time Warner, gab inzwischen ebenfalls eine zurückhaltende Einschätzung der Napster-Pläne. Man habe die Angelegenheit mit Bertelsmann diskutiert, habe aber kein Geschäftsmodell erkennen können, mit dem sich deren Traum in die Realität umsetzen ließe, erklärte Parsons gegenüber amerikanischen Pressevertretern.

AOL Time Warner sieht sich da selbst in einer besseren Position: Das Unternehmen besitzt ein großes Label, den Winamp-Player, den Web-Radio-Service Spinner – und 27 Millionen zahlende Abonnenten. Doch trotz aller anscheinend positiven Vorzeichen bleibt auch Parsons vorsichtig, zumal AOL Time Warner – um ein breites Angebot garantieren zu können – mit anderen Labels zusammenarbeiten müsste: "Musikunternehmen spielen nicht gut zusammen", kommentierte Parsons. (nij)