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AOL Time Warner startet mit Milliarden-Verlust

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Die Kosten der Fusion haben dem neuen Mediengiganten AOL Time Warner die Bilanz des ersten Quartals verhagelt. Im ersten Geschäftsbericht nach dem Zusammenschluss weist der Konzern einen Verlust von 1,09 Milliarden US-Dollar (25 Cents pro Aktie) aus. Eine Pro-Forma-Rechnung unter der Annahme, die Fusion hätte am 1. Januar 1999 stattgefunden, ergibt für das erste Quartal des Vorjahrs dagegen nur einen Verlust von 194 Millionen US-Dollar (5 Cents pro Aktie).

Lässt man allerdings Fusionskosten und andere einmalige Sonderposten außer Acht, kann AOL Time Warner einen Gewinn 28 Cents pro Aktie ausweisen; im Vorjahr waren dies noch 24 Cents pro Aktie. Analysten schätzen die Fusionskosten auf rund 2 Milliarden US-Dollar; AOL Time Warner selbst gab dazu allerdings keine Zahlen bekannt. Der Umsatz im ersten Quartal betrug 10,23 Milliarden US-Dollar. Die Umsätze durch die Abo-Gebühren für den Online-Dienst stiegen um 11 Prozent auf 3,8 Milliarden US-Dollar, bei Anzeigen- und E-Commerce-Umsätzen verbuchte AOL Time Warner einen Zuwachs von 14 Prozent auf 2,6 Milliarden US-Dollar.

Betrachtet man AOL alleine, konnte der Online-Dienst einen Gewinn (ohne einmalige Belastungen) von 365 Millionen US-Dollar (15 Cents pro Aktie) einfahren – eine Steigerung um 67 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Umsatz stieg um 27 Prozent auf 2,06 Milliarden US-Dollar. Besonders erfreut dürften die Investoren sein, dass AOL seine Abhängigkeit von Abo-Gebühren weiter reduziert hat: Den größten Umsatzanstieg konnte der Online-Dienst mit 65 Prozent bei Umsätzen mit Werbung und Online-Shopping erzielen. Bereits vor kurzem hatte AOL mitgeteilt, die Schwelle von 27 Millionen Abonnenten überschritten zu haben – und die AOL-Mitglieder kaufen offensichtlich kräftig im Internet ein, denn im abgelaufenen Quartal ließen sie 4,6 Milliarden US-Dollar bei Online-Shops.

Die Time-Warner-Abteilungen des neuen Konzerns mussten insgesamt einen Gewinnrückgang auf 18 Cents pro Aktie hinnehmen, in der Vorjahresperiode waren es noch 20 Cents pro Aktie. Der Umsatz stieg hier um 3 Prozent auf 8,18 Milliarden US-Dollar. Die Sparte für Kabelnetze legte beim Umsatz massiv um 13 Prozent auf 1,6 Milliarden US-Dollar zu – Time Warner Cable hat in den USA nun 1,7 Millionen Kunden für Kabelanschlüsse.

Um die Kosten innerhalb des neuen Konzern zu reduzieren, hatte AOL Time Warner bereits vor wenigen Tagen angekündigt, unter anderem 2.000 bis 2.500 Arbeitsplätze zu streichen. Steve Case, früher Boss von AOL und nun Chef von AOL Time Warner, erwägt allerdings noch andere Maßnahmen, um die Bilanzen des Konzerns weiter zu verbessern: In der Bilanzpressekonferenz meinte er, er könne sich eine Preiserhöhung für den AOL-Zugang vorstellen – wenn auch nicht in der näheren Zukunft.

Insgesamt nahmen die Investoren den Geschäftsbericht von AOL Time Warner bislang recht positiv auf: An der New York Stock Exchange stieg der Kurs der neuen Aktie bislang um 2,63 Prozent auf 55,74 US-Dollar, war zwischenzeitlich aber auch schon auf 56,50 US-Dollar geklettert. (jk)