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AOL USA möchte AOL Europe ganz

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Nach Berichten der britischen Tageszeitung Observer will die amerikanische AOL-Zentrale den 50-Prozent-Anteil von Bertelsmann an AOL Europe kaufen. Laut dem Blatt finden entsprechende Gespräche seit mehreren Tagen statt; der Bertelsmann-Anteil an AOL Europe könne bis zu sieben Milliarden US-Dollar wert sein. Alexander Adler, Unternehmenssprecher von AOL Europe in Hamburg, erklärte gegenüber c't, solche Gerüchte kommentiere man grundsätzlich nicht.

Das mögliche Interesse der amerikanischen Muttergesellschaft an der vollständigen Kontrolle über AOL Europe kommt allerdings nicht ganz überraschend. Nach der Fusion mit Time Warner gab es schon länger Spekulationen, dass sich die Konkurrenzsituation zwischen Bertelsmann und Time Warner auch auf das gemeinsame Unternehmen des deutschen Medienkonzerns mit dem amerikanischen Konglomerat auswirken könnte. Bertelsmann-Chef Middelhoff betonte in den letzten Tagen immer wieder, das zentrale Geschäft von Bertelsmann seien nicht Online-Dienste, sondern die Verbreitung der eigenen Medieninhalte und der E-Commerce -- Online-Nutzer müssten erst einmal zu Kunden für Bertelsmann-Produkte gemacht werden.

Auch in der Übernahmeschlacht zwischen Vodafone und Mannesmann spielte AOL Europe immer wieder eine Rolle. Zuerst hatte sich anscheinend Mannesmann-Chef Esser von einer Kooperation mit dem Online-Dienst Rückendeckung in der Auseinandersetzung erhofft. Und schon nach der Ankündigung der Kooperation zwischen Vodafone und dem französischen Konzern Vivendi erklärten Sprecher, dass das Joint-Venture ein idealer Partner für AOL Europe wäre. Nachdem nun die friedliche Einigung zwischen Vodafone und Mannesmann über die Bühne ist, kann die Kooperation zwischen Vivendi und dem neuen Telecom-Giganten in Kraft treten; schon zuvor hatte Vivendi Gespräche über AOL Europe mit der amerikanischen AOL-Zentrale bestätigt. Nach einer vollständigen Übernahme von AOL Europe wäre also der Weg für AOL Time Warner frei, einen direkten Konkurrenten bei den Inhaltsangeboten wie Bertelsmann auszuschalten. Dafür würde sich der amerikanische Online-Dienst durch die Zusammenarbeit mit Vodafone/Vivendi einen Anbieter von Zugangsmöglichkeiten über klassische Telefon- ebenso wie über Mobilfunknetze in Europa mit ins Boot holen. (jk)