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AOL entschuldigt sich für Veröffentlichung von Suchanfragen

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Der US-amerikanische Internet-Provider AOL hat sich für die Veröffentlichung von 19 Millionen Suchanfragen von 658.086 Kunden aus einem Zeitraum von drei Monaten entschuldigt. AOL-Sprecher Andrew Weinstein bezeichnete den Vorfall laut Medienberichten als Malheur, über das man im Unternehmen verärgert sei. Jeff Buckley, ein anderer AOL-Sprecher, äußerte sich gegenüber der New York Times ebenfalls ungehalten: "Das war keine Verletzung der Datenschutzbestimmungen, es war ein gravierender Verstoß gegen die Unternehmensrichtlinie, keine dummen Sachen zu machen." Interne Untersuchungen seien angelaufen, personelle Konsequenzen habe AOL noch nicht gezogen, hieß es.

Die Daten, die laut Medienberichten etwa 0,3 Prozent der gesamten Suchanfragen bei AOL ausmachen, waren am Sonntag von außenstehenden Internetnutzern entdeckt worden, nachdem sie bereits zehn Tage online gestanden hatten. Die Forschungsabteilung der Time-Warner-Tochter hatte sie einem frei zugänglichen Wiki zur Verfügung gestellt. Zwar waren die Nutzernamen durch Ziffernkombinationen ersetzt worden, doch ist es durch Kombination der Suchanfragen möglich, Rückschlüsse auf die Identität des AOL-Nutzers zu ziehen – zumal es unter Internetnutzern durchaus üblich ist, nach dem Verbleib des eigenen Namens oder anderer Personen aus der unmittelbaren Umgebung auszuschauen. Solche Suchanfragen können zusammen mit anderen eine Kombination von Daten und Interessen ergeben, da sie unter einer ID-Nummer zusammengefasst wurden.

Für AOL kommt der Vorfall zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da das Unternehmen mit seiner neuen Strategie angesichts des anhaltenden Kundenschwunds auf Millionen freiwilliger Nutzer angewiesen sein wird, sagen Branchenbeobachter in der Wirtschaftspresse, denn bei Internetnutzern könne sich die Skepsis über die Vertraulichkeit ihrer Daten mehren. Zudem kursiert in US-Medien derzeit ein Bericht der Tageszeitung St. Louis Post-Dispatch über eine Frau, die monatelang vergeblich versucht hat, den AOL-Account ihres verstorbenen Mannes zu kündigen.

Die AOL-Mitarbeiter haben – versehentlich oder auch nicht – eine Sorte Daten zugänglich gemacht, für deren Verschluss Google gerichtlich gegen das US-Justizministerium gefochten hat und die AOL selbst bisher auch nur auf gerichtliche Verfügung herausgegeben hatte. Dabei hatte das Justizministerium bislang weniger detaillierte Daten verlangt, als nun durch das "Malheur" ins Netz gerieten und dort noch an verschiedenen Orten verfügbar sind, obwohl AOL sie noch am Sonntag wieder unter Verschluss genommen hat.

Vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis AOL wegen Verletzung von Datenschutzgesetzen verklagt wird. Zum Beispiel von jenem Kunden, der in der Finanzbranche arbeitet und der ungewollt über die AOL-Software für das gesamte Internet über sich kundtat, dass er Informationen über Bluthochdruck und Begleit-Services in diversen Städten suchte. (anw)