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AOL nach Wertberichtigung mit Milliardenverlust

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Der US-Internetkonzern AOL hat im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres nach Abschreibungen einen Milliardenverlust erlitten. Nach einem Nettogewinn von 90,7 Millionen US-Dollar im Vorjahr verzeichnete AOL einen Quartalsverlust von 1,06 Milliarden US-Dollar. Dabei spielten Wertberichtigungen nach dem Verkauf von Bebo und ICQ eine Rolle, teilte das Unternehmen am Mittwoch in New York mit.

Der Umsatz des Online-Veteranen sank im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent auf 584 Millionen US-Dollar und enttäuschte damit die ohnehin nicht allzu hohen Erwartungen der Wall Street. Die Werbeumsätze – das erklärte neue Kerngeschäft – sind weiter im Sinkflug und nahmen um 27 Prozent auf 296 Millionen US-Dollar ab. Auch das Zugangsgeschäft schrumpft weiter auf 260,3 Millionen US-Dollar (minus 27 Prozent).

Das Ergebnis wird durch Abschreibungen und Wertberichtigungen in Höhe von insgesamt 1,4 Milliarden US-Dollar belastet, die AOL nach dem Verkauf des sozialen Netzwerks Bebo und des Instant-Messaging-Dienstes ICQ vornehmen musste. AOL hatte Bebo im Jahr 2008 für 850 Millionen US-Dollar übernommen und den teuren Fehlgriff im Juni dieses Jahres für einen Bruchteil dessen wieder abgestoßen. Ende Juli hat das Unternehmen zudem erkärt, seine Beteiligung an dem Softwareentwickler Kayak Software zu verkaufen.

AOL ist seit dem vergangenen Dezember wieder eigenständig an der Börse notiert, nachdem die glücklose Ehe mit dem Medienriesen Time Warner geschieden worden war. Auf dem Höhepunkt des New-Economy-Wahnsinns galt die Fusion der beiden Unternehmen als der Deal der Jahrhunderts, entpuppte sich aber als einer der größten Flops der Wirtschaftsgeschichte. AOL backt inzwischen deutlich kleinere Brötchen, aus Deutschland und anderen europäischen Ländern hat sich der ehemalige Zugangsanbieter weitgehend zurückgezogen.

Die ehemalige Braut ist auch ohne AOL inzwischen im digitalen Zeitalter angekommen und erfreut sich guter Gesundheit. Time Warner macht mit seinen TV-Sendern und Magazinen wieder dicke Werbeinnahmen, und auch das Filmgeschäft läuft besser. Der Gewinn stieg im Vergleich zum krisengezeichneten
Vorjahreszeitraum um 7 Prozent auf unterm Strich 562 Millionen US-Dollar, der Umsatz legte auf 6,4 Milliarden US-Dollar zu. (vbr)