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AOL will von offenem Instant Messaging nichts mehr wissen

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AOL hat angekündigt, die Entwicklungsanstrengungen für eine mögliche Interoperabilität zwischen seinen Instant-Messaging-Diensten (AIM, ICQ) und IM-Diensten von Microsoft oder Yahoo weitestgehend einzustellen. "Sichere serverseitige Verbindungen zwischen dem AOL Instant Messenger und alternativen Messaging-Diensten sind derzeit nicht umsetzbar", begründete AOL gegenüber US-Medien die Entscheidung, eine gleich lautende Forderung der US-Aufsichtsbehörde FCC (Federal Communications Commission) in den Wind zu schlagen. Man sehe nicht ein, weitere Mittel in die Entwicklung von Kompatibilitätslösungen zu investieren, während andere IM-Anbieter in dieser Sache die Hände in den Schoß legten.

Die FCC hatte AOL Anfang 2001 im Zuge der Fusion mit dem Medienriesen Time Warner als Bedingung auferlegt, seine IM-Dienste kompatibel zu Instant-Messaging-Angeboten der Konkurrenz zu machen. Verhindert werden sollte damit vor allem, dass AOL seine marktbeherrschende Position im Segment der Messaging-Dienste über das Kabelnetz von Time Warner weiter ausbaut. Derzeit nutzen weltweit etwa 150 Millionen registrierte Anwender die AOL-Dienste AIM und ICQ. Zwar begannen im August 2001 die ersten Kompatibilitätstests mit der IM-Software Sametime von Lotus, doch nur einen Monat später war damit auch schon wieder Schluss. Verwertbare Ergebnisse: keine. Seither bestimmen Verzögerungen und Blockaden die Entwicklung einer einheitlichen IM-Protokollebene. Dabei wäre vor allem eine Standardisierung auf der Basis des Session Initiation Protocol for Instant Messaging and Presence Leveraging Extensions (SIMPLE) von allgemeinem Interesse.

AOL schließt unterdessen lieber proprietäre Deals mit potenten Partnern aus der IT-Branche. Letzter Coup: Die Vereinbarung mit Apple, Kommunikationsverbindungen zwischen Nutzern der iChat-Services und AOL-Kunden künftig ausschließlich auf den AOL-Servern anzusiedeln. Aber auch dem zweiten Schwergewicht im Instant-Messaging-Ring, Microsoft, scheint die Lust an einem einheitlichen IM-Standard mittlerweile abhanden gekommen zu sein. Die Redmonder setzen vielmehr auf die Macht ihres engmaschigen Produkt-Portfolios: XP-Kunden können problemlos über den implementierten Windows-Messaging-Dienst auch auf den Web-basierten MSN Messenger zugreifen. (pmz)

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