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ARD-Reportage: Wanderarbeiter verschicken Amazon-Päckchen unter zweifelhaften Bedingungen

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Beim Bestellen seiner Bestseller oder des neuesten Gadgets denkt man üblicherweise nicht an die Menschen, die die Lieferungen zusammenstellen und versandfertig machen. Amazon ist ein großer Arbeitgeber, so groß, dass in Spitzenzeiten seine eigenen Ressourcen nicht mehr ausreichen und er auf Leiharbeiter zurückgreift. Soweit ist das keine Neuigkeit und auch keine Schlagzeile wert.

Die Bedingungen, unter denen beim größten Versandhändler aber Leiharbeiter Gewinne erwirtschaften, schon. Amazon beschafft sich 5000 Menschen für drei Monate auf dem von Krisen geschüttelten europäischen Arbeitsmarkt. Eine solche logistische Großaktion erfordert den Einsatz spezieller Mittel, im konkreten Falle Unternehmen, die diese Aufgabe übernehmen; genau diese sind es, die den Versandhändler in ein zweifelhaftes Licht rücken. Eine ARD-Reportage zeigte: Die Arbeiter werden in ihren Heimatländern von einer Leiharbeitsfirma für 9 Euro brutto pro Stunde unter Vertrag genommen. Danach werden sie unter fragwürdigen Bedingungen in einem insolventen Freizeitpark in der Nähe des Amazon-Logistikzentrums in Bad Hersfeld untergebracht.

Eine ARD-Fernsehreportage zeichnete ein eindrückliches Bild der Leiharbeiter im Logistikzentrum Bad Hersfeld des Versandhändlers Amazon.

(Bild: Amazon)

Dort überwacht sie ein Sicherheitsdienst namens H.E.S.S rund um die Uhr. Die Mitarbeiter dieses Dienstes treten martialisch auf und tragen Kleidung der Marke Thor Steinar, bekannt für Ihre Beliebtheit in der rechten Szene, in vielen Bundesliga-Stadien und selbst im Deutschen Bundestag verboten. Auch Amazon selbst nahm die Marke aus dem Sortiment. Eine spanische Kunstlehrerin, Silvina, schildert eindrücklich, welche Befugnisse die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes haben: Die Security habe jederzeit Zutritt zu den Ferienwohnungen und dürfe jederzeit Taschen durchsuchen. Selbst die ARD-Journalisten, die sich im gleichen Komplex wie die Arbeiter einquartiert hatten, wurden ihrer Unterkunft verwiesen und auf öffentlichen Straßen bedroht. Der Shuttle-Bus-Dienst, der die Menschen von ihrer Unterkunft zum Arbeitsplatz bringt, fährt nur unregelmäßig. Wer keinen passenden erwischt, kommt unpünktlich zu seiner Schicht und erhält weniger Geld.

Amazon äußerte heise online gegenüber, dass die Firma H.E.S.S. nicht von Amazon selbst beauftragt wurde, Amazon aber keinerlei Einschüchterungsversuche dulde und den Vorwürfen nachgehen wird. Zu den bezahlten Löhnen machte Amazon folgende Angaben: "Alle Mitarbeiter, die länger als ein Jahr in den Amazon-Logistikzentren in Deutschland arbeiten, verdienen über 10 Euro brutto pro Stunde; im ersten Jahr über 9,30 Euro brutto. Die in dem Beitrag erwähnten Mitarbeiter aus Spanien, die über eine Zeitarbeitsfirma im Logistikzentrum Bad Hersfeld beschäftigt wurden, verdienten bei einer 37,5 Stundenwoche 1400 Euro brutto im Monat, in der Nachtschicht bei 32,5 Wochenstunden 1500 Euro im Monat. Diese Beträge wurden per Vertrag auch dann bezahlt, wenn nicht die volle vertragliche Stundenzahl angefordert wurde." (gil)

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