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ARD-Vorsitzender plädiert für europäische digitale Videoplattform

ARD-Vorsitzender Wilhelm will YouTube & Co. paroli bieten. Eine gemeinsame europäische Plattform für audiovisuelle Medien soll Qualität im Netz sichern.

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(Bild: dpa, Rolf Vennenbernd)

Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm plädiert für eine gemeinsame Plattform audiovisueller Inhalte von Sendern und Verlagen auf europäischer Ebene. "Deutschland und Frankreich sollten die Initiatoren sein, die das Projekt voranbringen, wie einst Airbus als europäische Antwort auf Boeing", erklärte Wilhelm am Dienstag. "Das ist ein Vorhaben, das zu unseren europäischen Werten passt. Eine solche Plattform würde die kulturelle Selbstbehauptung Europas besser sichern."

Nach Vorstellung des ARD-Vorsitzenden sollen sich daran die Öffentlich-Rechtlichen, die privaten Rundfunkanbieter, Verlage, aber auch Institutionen aus Wissenschaft und Kultur wie Universitäten, Theater, Museen und andere beteiligen können.

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"Europa ist in Gefahr, die digitale Hoheit über sein kulturelles Erbe zu verlieren", begründete Wilhelm seinen Vorstoß. Er hatte die Idee dazu bereits ins Spiel gebracht, kurz nachdem er zu Jahresbeginn neuer ARD-Vorsitzender wurde. Das Vorhaben sei ambitioniert, räumte er ein. "Doch am Ende sollten wir als Europäer einen großen Wurf hinbekommen."

Es sei in vielen Ländern zu sehen, dass Fakten und qualitativ hochwertige Inhalte dem Nutzer im Netz auf gleicher Ebene begegneten wie Lügen, Propaganda, Hass und Verleumdung, erläuterte Wilhelm, der am Mittwoch Gespräche zur ländergreifenden Plattform in Paris führen will. "Für den Einzelnen ist nicht mehr zu erkennen, was gesichert ist und was manipuliert wurde." Das Internet und damit die Verbreitung von journalistischen Inhalten werde seit mehr als einem Jahrzehnt von nur noch wenigen Anbietern vor allem aus den USA wie YouTube, Facebook und Amazon dominiert.

"Für unsere Gesellschaft in Europa und die Demokratie ist das insofern problematisch, als die Relevanz und Sichtbarkeit der Inhalte über Algorithmen gesteuert werden und wir in Europa die Kontrolle über diese steuernden Algorithmen verloren, ja komplett an private US-Firmen abgegeben haben", so der ARD-Vorsitzende.

Das könne gesellschaftlich destabilisierend wirken. "Denn als freie Gesellschaften brauchen wir einen diskriminierungsfreien, ungeteilten öffentlichen Raum", erklärte Wilhelm. "Rede und Gegenrede, Argumente pro und contra, Teilhabe aller am Diskurs – das sind essenzielle Voraussetzungen für das Funktionieren von Gesellschaften und Demokratie." Deshalb sei eine gemeinsame Plattform von Qualitätsangeboten im Netz so wichtig.

"Der Mehrwert bestünde zum einen in gemeinsamer Reichweite und der Freiheit, vielfältige Erlösmodelle zu realisieren – das wäre für die werbetreibenden privaten Anbieter zentral", erläuterte Wilhelm seinen Vorschlag. "Zum anderen wären die Nutzer sicher, dass sie dort Qualitäts-Inhalte bekommen. Außerdem behielten wir die Souveränität über die Daten."

Beim Plattform-Projekt müssten Verleger und Öffentlich-Rechtliche an einem Strang ziehen. Beide streiten sich seit Jahren auch auf gerichtlicher Ebene darum, was den Sendern an Textberichterstattung im Internet erlaubt ist. Wilhelm plädiert seit Beginn seiner Amtszeit dafür, dass das "gemeinsame Interesse" mehr ins Gewicht fallen müsse als die Gegensätze. In dieser Woche wird über dieses Streitthema bei der Konferenz der Ministerpräsidenten gesprochen.

WDR-Intendant Tom Buhrow hatte im Interview mit dem Medienmagazin journalist erst kürzlich ebenfalls vehement für eine gemeinsame Plattform geworben: "Meine Vision ist, dass wir alles, was wir im aktuellen Bereich audiovisuell haben, ohne Bezahlung auf die gemeinsame Plattform einstellen. Die Zeitungsverlage könnten dann unsere Angebote zu ihrem Text verlinken."

Der Mediensoziologe Jan-Hinrik Schmidt vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, kann der Idee viel abgewinnen: "Eine gemeinsame länderübergreifende Plattform wäre in jedem Fall ein Fortschritt", sagte er. "Diejenigen, die sich für eine spanische Dokumentation oder eine britische Serie interessieren, können das im Moment vielleicht auch so irgendwo im Netz finden, aber wenn das alles auf einer Plattform gebündelt und navigierbar wäre, würde es die Hürden senken und den Personenkreis erweitern, die das nutzen." (Andreas Heimann, dpa) / (olb)

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