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ARD und Verlage: "Super-Mediathek" als Facebook-Alternative?

Eine "Super-Mediathek" könnte die deutsche Antwort auf Facebook und YouTube sein. Das zumindest regt der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm an. Eine solche Plattform erfordert allerdings eine Gesetzesänderung.

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(Bild: dpa, Oliver Berg)

Die öffentlich-rechtlichen Sender befinden sich in einer Bredouille: Einerseits wollen sie ihre Fans auch via Facebook, Twitter und YouTube versorgen – andererseits ist es nicht die beste Idee, die Zuschauer auf die US-Plattformen zu schicken, das zeigt allein schon der Datenskandal von Facebook. Es ist also ein echtes Dilemma, mit dem sich die Redaktionen derzeit befassen.

Der BR-Intendant und ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm hätte da eine Idee, wie sich die Sender von Facebook und YouTube emanzipieren können. Ihm schwebt eine "Super-Mediathek" vor: Dort sollen "öffentlich-rechtliche, aber auch viele andere Inhalte Platz finden", berichtet der Deutschlandfunk. Der Vorteil einer eigenen Plattform: "Die Daten bleiben unter Kontrolle", ebenso die Spielregeln. Das wäre doch ein "ganz großer Wurf", den Europa leisten könnte. Mehreren Intendanten gefällt die Idee von Wilhelm, darunter Tom Buhrow vom WDR und Patricia Schlesinger vom RBB. Jetzt gilt es, Gemeinsamkeiten zwischen Sendern und Verlagen auszuloten.

Denkbar wäre etwa, dass der Axel-Springer-Verlag Inhalte beisteuere. Dessen Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner – der die Onlineaktivitäten von ARD & Co. gern krisitiert – zeigt sich zumindest offen und wohlwollend: Axel Springer und auch der Zeitungsverlegerverband BDZV "wollen das prüfen", der Vorschlag sei "interessant". Döpfner ist auch Präsident des BDZV.

Allerdings "muss man immer sehr darauf achten, dass nicht ein Kooperationsangebot auch eine Umarmung wird, die das Gegenüber erdrückt und ihm die Luft abschnürt", mahnt Döpfner laut Deutschlandfunk. Er plädiert dafür, dass der private Sektor und der öffentliche Sektor getrennt bleiben.

Eine Super-Mediathek aufzubauen, wäre auch eine sehr große Herausforderung: Als die ARD und das ZDF gemeinsam die Plattform "Germany's Gold" starten wollten, vereitelte das Bundeskartellamt den Plan. Es bedarf also einer Gesetzesänderung, damit die Super-Mediathek kein Luftschloss bleibt.

Auch technisch gäbe es schwierige Probleme zu lösen. Der Vorsprung von Facebook und Google ist sehr groß, schließlich hatten sie jahrelang Zeit, um ihre Algorithmen zu perfektionieren. "Da ist ja wirklich von der Informatik und der mathematischen Seite her sehr, sehr viel an Denkarbeit zu leisten", findet Ulrich Wilhelm. Er hat beim Bayerischen Rundfunk bereits eine Softwarefirma aufgebaut, die als jüngstes Projekt die ARD-Audiothek entwickelte. Wilhelm möchte mit seiner Initiative erst einmal "ein Nachdenken in die Richtung ermöglichen". Der Rest kommt dann später. (dbe)

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