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"Always Connected PCs": ARM-Prozessor Snapdragon 8cx macht sich rar

Bislang kann man keine Windows-Geräte mit Qualcomms ARM-Prozessor Snapdragon 8cx kaufen – und es ist unklar, ob solche überhaupt noch kommen.

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Samsung Galaxy Book S mit Qualcomm Snapdragon 8cx

(Bild: Samsung)

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Für die Geräteklasse der Always-Connected-PCs, also Windows-Geräte mit ARM-Prozessoren, hat Qualcomm Ende 2018 den Snapdragon 8cx vorgestellt: Anders als die bislang in solchen Geräten verwendeten Vorgänger Snapdragon 835 und Snapdragon 850 soll der 8cx kein Smartphone-Derivat, sondern eine ungleich performantere eigenständige Entwicklung sein. Ein knappes Jahr später kann man allerdings immer noch keine Notebooks oder Windows-Tablets kaufen, in denen er zum Einsatz kommt. Asus, HP und Lenovo, die Windows-Geräte mit Snapdragon 835 oder 850 verkauft haben, haben keine 8cx-Geräte angekündigt.

Einzig Samsung hat sich offiziell zum Snapdragon 8cx bekannt; er soll im angekündigten Galaxy Book S stecken. Von diesem fehlt im Handel allerdings weiterhin jede Spur – bislang wurden weder ein Erscheinungstermin noch ein Preis bekanntgegeben. Auf Nachfrage von c't gab Samsung Anfang November zu Protokoll: "Das Galaxy Book S wird in den kommenden Monaten in 13 Märkten eingeführt, darunter Südkorea, die Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Brasilien, das Vereinigte Königreich, Schweden, Italien, Deutschland, Frankreich, Dänemark, Finnland und Norwegen. Wir freuen uns darauf, Galaxy Book S in Zukunft auch in weiteren Ländern verfügbar zu machen."

Das Pikante daran: Samsung hat auf seiner alljährlichen Entwicklerkonferenz, die Ende Oktober stattgefunden hat, noch ein weiteres Gerät unter der Bezeichnung Galaxy Book S vorgestellt. In diesem steckt aber kein Snapdragon 8cx, sondern Intels energieeffizienter x86-Prozessor Lakefield. Unsere Nachfrage, auf welches der beiden Galaxy Book S sich das oben zitierte Statement denn nun bezieht, hat Samsung bislang nicht beantwortet. Qualcomm wollte sich auf Rückfrage nicht zu Plänen der Gerätehersteller äußern.

Microsofts hauseigener SQ1-Chip, der im Surface Pro X (Verkaufsstart: 19. November) zum Einsatz kommt, ist eng mit dem 8cx verwandt, enthält allerdings eine stärkere integrierte GPU. In Benchmarks hätte das 8cx-befeuerte Galaxy Book S also wohl grundsätzlich das Nachsehen. Es lässt sich deshalb nicht ausschließen, dass Samsung sein 8cx-Gerät gar nicht mehr auf den Markt bringen wird.

Nicht zuletzt wird das Hauptproblem von Windows-on-ARM-Geräten – fehlende Software – eher größer als kleiner. Wegen der ARM- statt x86-Architektur sind Snapdragon-Notebooks auf speziell dafür kompilierte Anwendungen angewiesen, doch solche gibt es kaum. Selbst Microsoft hat sein Office-Paket immer noch nicht in einer ARM-Version veröffentlicht. Zudem: Angepasste Software läuft nicht immer gut.

Die ARM-Version von Windows 10 kann x86-Code alternativ in einer Emulation ausführen, doch das frisst viel Performance und klappt zudem nur mit 32-Bit-Anwendungen. Software, die Performance braucht, liegt inzwischen aber häufig nur noch als 64-Bit-x86-Applikation vor und funktioniert auf Snapdragon-Notebooks deshalb gar nicht.

Ein prominentes Beispiel sind Adobes Creative-Cloud-Anwendungen wie Premiere, Photoshop oder Lightroom. Adobe hat zwar versprochen, seine leistungsfähigen CC-Anwendungen auch für ARM-Prozessoren bereitzustellen, doch bislang fällt die Bilanz arg nüchtern aus: Ein Jahr nach der Ankündigung wurde erst vor einigen Tagen die iPad-Version von Photoshop CC veröffentlicht – mit abgespecktem statt vollständigem Funktionsumfang und dementsprechend verärgerten Nutzern. (mue)