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ARM-Prozessoren für Server sollen 2017 durchstarten

Seit Jahren versuchen Hersteller von ARM-SoCs, den lukrativen Markt der Server-CPUs zu erobern, den Intel mit den Xeons dominiert.

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Applied Micro verspricht über 1000 SPEC_int_rate-Punkte für den X-Gene 3.

(Bild: Applied Micro)

Ende 2017 soll der X-Gene 3 von Applied Micro (APM) als erster ARM-Prozessor in die Performance-Regionen eines Intel Xeon E5-2600 vordringen, indem er im SPEC-Benchmark CPU2006 SPECint_rate2006 über 500 Punkte liefert. Wie APM-CEO Dr. Paramesh Gopi auf dem Open Server Summit erklärte, wird dieser X-Gene 3 mit der 16-Nanometer-Technik FinFET+ produziert, enthält 32 ARM-Cores, taktet mit 3 GHz und kann pro Fassung (Socket) in acht Speicherkanälen 1 TByte DRAM anbinden. Ein späterer X-Gene 3XL mit 64 Kernen soll dann "über 1000 SPECint_rate2006-Punkte pro Socket" liefern und würde damit heutige Broadwell-EP-Xeons übertrumpfen: Zwei Xeon E5-2699 v4 liefern zusammen rund 1800 Punkte in diesem Integer-Benchmark.

Auch der Mikroprozessor-Analyst Linley Gwennap, Chef der Beratungsfirma Linley Group, sieht konkurrenzfähige Rechenleistung als wesentliche Voraussetzung dafür, dass ARM-SoCs endlich nennenswerte Anteile des Server-Markts erobern können. In seiner Präsentation auf dem Open Server Summit war allerdings eine Folie zu sehen, die als Produktionstermin des X-Gene 3 erst das zweite Halbjahr 2017 nennt. Damit ist es unwahrscheinlich, dass Server mit X-Gene 3 deutlich vor 2018 als Seriengeräte erhältlich sein werden.

Ohne konkrete Firmen zu erwähnen, deutete Paramesh Gopi an, dass heute "alle" großen Cloud-Anbieter bereits mit ARM-Servern experimentierten und wesentliche Teile ihrer jeweiligen Software darauf liefe. ARM-Versuche sind etwa von Facebook bekannt und auch Google bestätigte, mit den ARMv8-SoCs von Qualcomm zu arbeiten. Der EETimes sagte Google-Manager Gordon MacKean allerdings, man sei in Bezug auf ARM noch nicht so weit wie bei OpenPOWER. Doch viel Software würde bereits auf ARM- und POWER-Maschinen getestet und letztlich werde man jeweils jene Hardware mit dem besten Preisleistungsverhältnis nehmen.

Laut Analyst Linley Gwennap müssen ARM-SoCs für Server dem Xeon E5 das Wasser reichen können.

(Bild: The Linley Group)

Sowohl Gwennap als auch Gopi ordneten den X-Gene 3 einer dritten Generation von ARMv8-Server-SoCs zu. Das impliziert, dass es nach dem seit 2014 etwa im HP Moonshot verkauften X-Gene 1 eine zweite ARMv8-Generation geben müsste. Davon war aber nichts Konkretes zu hören. Gopi erwähnte kein einziges Seriengerät, das bereits mit dem angeblich seit Ende 2015 hergestellten X-Gene 2 lieferbar ist. Gwennap nannte noch den AMD Opteron A1100, der aber bloß verspätet ist und technisch zur ersten Generation zählt. Den Cavium ThunderX sieht Gwennap anders als ursprünglich von Cavium angedeutet eher als Spezialisten für Netzwerk- und Storage-Systeme.

Wie konkurrenzfähig der angekündigte X-Gene 3(XL) sein wird, bleibt abzuwarten: Viel effizienter als ein Xeon E5 scheint er nicht zu werden, denn bei annähernd vergleichbarer Integer-Performance soll er auch ähnlich viel Leistung pro Fassung benötigen. Künftige ARM-SoCs für Server könnten aber billiger sein oder durch ihre sehr vielen Kerne bestimmte Anwendungen besser verarbeiten oder spezielle Beschleuniger enthalten.

Allerdings will nicht bloß Intel 2017 wieder neue Xeons bringen, nämlich Skylake-EP mit noch mehr PCIe-Lanes auf der Purley-Plattform, sondern auch AMD die Zen-Opterons mit bis zu 64 Threads.

Die Menge von 1 TByte RAM pro Fassung übertrumpft jedenfalls schon der aktuelle Broadwell-EP mit bis zu 1,5 TByte pro Socket, freilich nur mit teuren LR-DIMMs aus den größten 8-GBit-SDRAM-Chips.

Paramesh Gopi hob auch das Interesse chinesischer Firmen und Institutionen an ARM-Servern hervor; das war auch schon beim OpenPOWER Summit erwähnt worden und auch Qualcomm kooperiert mit chinesischen Behörden. Chinesische Regierungsstellen misstrauen der US-Technik von Intel, so wie umgekehrt Militär und Geheimdienste der USA heimische Technik bevorzugen. (ciw)