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ARM attackiert Intels Mobilprozessoren

ARM sieht Notebook-CPUs mit kommenden Cortex-A76-Kernen "gleichauf" mit einem älteren Intel Core i5 und will 2019 und 2020 noch je 15 Prozent nachlegen.

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ARM Cortex-A76 vs. Intel Core i5-7300U im CPU-Benchmark SPEC_int 2006

ARM Cortex-A76 vs. Intel Core i5-7300U im CPU-Benchmark SPEC_int 2006

(Bild: ARM)

Trotz eher enttäuschender Rechenleistung der bisher lieferbaren Windows-10-Notebooks mit 64-Bit-ARM-Chips macht ARM vollmundige Versprechungen: Kommende Systems-on-Chip (SoCs) mit Cortex-A76-Kernen sollen bei nur 5 Watt Thermal Design Power (TDP) "gleichauf" liegen mit Intels 15-Watt-Prozessor Core i5-7300U. Gleichzeitig verspricht ARM für 2019 und 2020 neue, jeweils 15 Prozent schnellere Prozessorkerne mit den Codenamen Deimos und Hercules.

Bei näherer Betrachtung wirken die Vergleiche, die ARM-Manager Nandan Nayampally zieht, aber schräg – und auch der Zeitplan ist erklärungsbedürftig. Das fängt damit an, dass ein SoC mit Cortex-A76-Kernen bisher nicht auf dem Markt ist, obwohl Nayampally in für 2018 eingeplant hat.

Man vermutet, dass Qualcomm bald einen Snapdragon 1000 mit Cortex-A76 ankündigen könnte, aber dann sind noch lange keine damit bestückten Windows-10- oder Linux-Notebooks zu haben, um sich mit Geräten mit Intel Core i5-7300U zu messen. Dabei sollte man auch im Hinterkopf behalten, dass Core-i5-7000U-Prozessoren mit zwei Kernen bereits 2016 eingeführt wurden. Ein aktueller Vergleich sollte mit den seit Ende 2017 verkauften Coffee-Lake-Chips erfolgen, also Core i5-8000U, die bei ebenfalls 15 Watt aber vier statt zwei Kerne haben.

Seltsam ist auch der Leistungsvergleich an sich, der sich auf den Integer-Teil der veralteten Benchmark-Suite CPU 2006 bezieht: ARM nennt dabei die Anzahl der mitrechnenden Prozessorkerne nicht.

Falls sich der Vergleich auf jeweils einzelne Kerne bezieht, ist die TDP unwesentlich: Wenn nicht alle Kerne ausgelastet sind, bleiben die meisten modernen Prozessoren deutlich unter ihrer TDP.

Falls es wiederum um alle enthaltenen Kerne geht, ist der Vergleich mit einem älteren Dual-Core-Prozessor von Intel schief, vor allem weil es den Cortex-A76 ja nicht einmal zu kaufen gibt.

Bisher tun sich die ARM-Notebooks schwer, in den bisher lieferbaren von Asus, HP und Lenovo steckt der Anfang Januar 2017 vorgestellte Qualcomm Snapdragon 835 mit modifizierten Cortex-A73-Kernen (Kryo 280). Die Rechenleistung im Geekbench entspricht ungefähr der von Intels Atom-Celerons.

Nun stehen angeblich neue Always-Connected PCs mit Qualcomm Snapdragon 850, einer höher getakteten Variante des Snapdragon 845, vor der Tür. Bei dessen Kryo 385 lehnt sich Qualcomm wohl an den Cortex-A75 an. Nach jüngsten Geekbench-Daten rechnen diese Snapdragon-850-Notebooks etwas schneller als Intels aktuelle Atom-Celerons der Generation Gemini Lake (Pentium N5000).

Diese Snapdragon-850-Geräte sind allerdings noch nicht einmal auf dem Markt, weshalb es unwahrscheinlich ist, dass bald schon welche mit Snapdragon 1000 und dem angeblich 35 Prozent schnelleren Cortex-A76 folgen werden. Und selbst dann wäre ein Vergleich mit einem Core i5-8250U wichtiger.

Intel hingegen wird wohl bald mit Whiskey Lake neue Varianten von Core-i-Mobilprozessoren mit vier Kernen vorstellen. (ciw)

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