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AT&T erhält US-Patent auf "Filesharing-Schnellspur"

Der US-Telekommunikationskonzern AT&T hat sich ein System gewerblich schützen lassen, mit dem sich stark nachgefragte Inhalte in Peer-to-Peer-Netzwerken ausfindig machen und näher an die Nutzer bringen lassen.

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AT&T erhält US-Patent auf "Filesharing-Schnellspur"

Das US-Patentamt hat dem Provider AT&T am Dienstag einen Patentschutz für ein computergestütztes Verfahren gewährt, das Downloads über Peer-to-Peer-Netzwerke (P2P) beschleunigen können soll. Das Patent mit der Nummer 8959243 bezieht sich auf ein System zum "Steuern der aktiven Beteiligung" in P2P-Netzen "mit passiver Überwachung". Dabei sollen besonders beliebte Filesharing-Inhalte identifiziert und diese zum Download auf einem lokalen Peer-Server angeboten werden.

"P2P-Netzwerke können nützlich sein um Inhalte wie Audio, Video oder andere Daten in digitalem Format zu teilen", schreiben die AT&T-Techniker in ihrem Antrag. Schätzungen zufolge verursachten Filesharing-Protokolle wie BitTorrent über 20 Prozent des Breitbandverkehrs im Internet. Inhalte über lokale Cache-Peer-Server anzubieten könne dazu führen, dass das gesamte Netzwerks eines Zugangsanbieters weniger beansprucht wird; zugleich könne die Zeit verkürzt werden, die für den Download benötigt werde.

Der gesamte Netzverkehr soll dabei mit Techniken zur "Deep Packet Inspection" durchleuchtet werden. Derlei Überwachungsmethoden lehnen europäische Datenschützer entschieden ab. Sie bergen Experten zufolge Risiken, die von Verstößen gegen das Telekommunikationsgeheimnis bis zum Verlust von Haftungsprivilegien reichen können. AT&T räumt laut dem Online-Dienst TorrentFreak rechtliche Bedenken ein, bezieht sich dabei aber darauf, P2P-Pakete auf eigenen Servern zu sammeln. Um Copyright-Bestimmungen zu wahren, könnten zudem "unlizenzierte" Inhalte ausgeschlossen werden.

Das Patent beschreibt zudem Verfahren, in dem BitTorrent-Verkehr analysiert wird, um die beteiligten Parteien mit Peers zu verbinden, die reibungslos laufen und das Netz in geringerem Maße "verstopfen" als alternative Anbieter. Teile einer Datei sollen vorzugweise von Zwischenstellen geladen werden können, die "geringere Netzwerkkosten" verursachen.

Fraglich ist, ob AT&T die geschützte Technik künftig einsetzt: Die US-Regulierungsbehörde FCC hat vor Kurzem einen neuen Vorstoß zur Netzneutralität angekündigt, der sich dagegen aussprechen dürfte, das Internet in normale Übertragungswege und Überholspuren aufzuteilen. Einer der Gründe dafür war die Praxis von Providern wie Comcast, P2P-Verkehr zu verlangsamen oder ganz zu blockieren. (Stefan Krempl) / (anw)

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