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ATI kündigt Grafikchip mit vollwertigen DirectX-9-Funktionen an

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Das neue Flaggschiff des kanadischen Herstellers ATI ist der erste Baustein, der die Anforderungen der künftigen Grafikschnittstelle DirectX 9 vollständig erfüllen soll. ATI kommt damit seinem Erzrivalen Nvidia und dessen NV30-Chip um mindestens einen Monat voraus. Der neue ATI-Chip, der inoffiziell bereits als R300 von sich Reden machte, trägt nun die Bezeichnung Radeon 9700 und soll den harten Kern der 3D-Gamer für die nächsten zwölf Monate glücklich machen.

Im Gegensatz zum Vorgänger verfügt ATIs neuer Baustein nur über eine Textur-Einheit pro Pixel-Pipeline, will dies aber durch acht parallel arbeitende Pipelines kompensieren -- bislang waren nicht mehr als vier Pipelines üblich. Die Pixel Shader der Version 2.0 arbeiten zudem mit Gleitkomma-Arithmetik. Selbst 16fach "single pass" überlagerte Texturen verarbeitet er also ohne Farbverfälschung durch Rundungsfehler. Der Vertex Shader der Version 2.0 ist vierfach parallel ausgelegt und soll maximal 325 Millionen 3D-Punkte/s bewältigen (GeForce4 Ti4600: 136 Millionen Punkte/s). Den Speicherbus hat ATI auf 256 Datenleitungen verdoppelt, um den Output der acht Pipelines nicht auszubremsen. Das AGP-Interface unterstützt AGP8:x und transferiert 2,1 GByte/s. Die Taktfrequenzen hat ATI noch nicht spezifiziert. Die 107 Millionen Transistoren des Radeon 9700 werden aber voraussichtlich nicht mehr als 300 bis 330 MHz Chiptakt vertragen, da ATI den Baustein noch in 0,15 µm fertigen lässt.

Beim Antialiasing ist zu dem langsamen Super-Sampling das schnellere Multi-Sampling dazugekommen, das auch Nvidia verwendet. Für die Dekodierung von Video hat sich ATI ebenfalls etwas Neues einfallen lassen. Beim Radeon 9700 übernehmen die Pixel Shader auch die Aufgabe der speziellen MPEG-Einheiten (Motion Compensation und iDCT). Auf Grund der Programmierbarkeit der Shader kann der Chip dadurch nicht nur DVDs, sondern prinzipiell auch andere Video-Standards unterstützen. Zusätzlich wirken die Shader als Deblocking-Filter und unterdrücken die Klötzchenstruktur von stark komprimierten Internet-Videos. Der Video-Codec muss dazu allerdings auf den Grafikchip abgestimmt sein. ATI arbeitet in diesem Punkt nur mit Real-Video zusammen, andere Codecs wie MPEG-4 sollen aber folgen.

Weil der Grafikchip recht stromhungrig ist, könnte er zusammen mit den Speicherchips die für AGP-Grafikkarten maximal zulässigen 40 Watt überschreiten. ATI hat daher eine Stromversorgungsbuchse für die direkte Verbindung mit dem Netzteil vorgesehen.

ATI gibt an, dass man bei Serious Sam II "Quality, 1600" den GeForce4 Ti4600 um mehr als das Doppelte übertrifft (108 Prozent). Bei der Auflösung 1024 x 768 läge man um 60 Prozent vorn. Der Radeon 9700 ist auch als Testmuster noch nicht verfügbar, soll aber ab September für rund 400 Euro in den Handel kommen. ATI ist also nach wie vor günstiger als Nvidia, die bei Einführung ihrer Spitzenprodukte in der Regel knapp 500 Euro verlangen. Für Gamer mit knappem Budget hat ATI noch den leistungsreduzierten Radeon 9500 in der Pipeline. Einzelheiten sind noch nicht bekannt, er soll aber im vierten Quartal für rund 300 Euro in den Handel kommen. Die Anschaffung muss man allerdings sowieso nicht überstürzen, da Microsoft DirectX 9 erst im Herbst freigeben wird und entsprechende Spiele erst im Laufe des nächsten Jahres erscheinen werden.

Den neuen Chip wird ATI auch in der Multimedia-Serie "All-in-Wonder" und einem Produkt für profesionelle OpenGL-Anwender einsetzen. Für Spieler mit moderaten Ansprüchen hat ATI den DirectX-8-Chip Radeon 9000Pro (ehemals RV250) vorgesehen, hinter dem sich eine kostenoptimierte Version des Radeon 8500 verbirgt. Die Kanadier sparen im Wesentlichen die zweite Textureinheit in jeder der vier Pixel-Pipelines und senken damit Herstellungskosten sowie Wärmeentwicklung. Der Lüfter auf dem Grafikchip kann dadurch entfallen. Trotzdem werden viele Board-Hersteller aus optischen Gründen einen Lüfter vorsehen. Mit nur einer Textureinheit ist Multitexturing nicht mehr in einem Takt (Single-Clock), sondern nur noch Single-Pass möglich. Der Texturdurchsatz liegt daher nur bei 50 Prozent des Radeon 8500, obwohl der Neuling mit 275 MHz für Chip und Speicher nicht langsamer getaktet ist.

Tests zeigen zudem, dass der Chip auch beim Dreiecksdurchsatz rund 60 Prozent hinter dem Vorgänger zurückbleibt. In Spieletests mit komplexer Grafik (Q3A, Dungeon Siege, Dragothic) erreicht er daher nur 70 Prozent der 8500er-Leistung. In Dungeon Siege muss man dadurch bereits auf maximale Effekte verzichten, um Ruckler zu vermeiden. In stärker CPU-abhängigen Titeln wie Giants und Max Payne ist er dagegen gleich schnell wie der Radeon 8500. Das beschriebene Deblocking funktioniert auch beim Radeon 9000Pro. Der Preis von Grafikkarten mit dem Radeon 9000Pro soll bei rund 150 Euro liegen. Die etwa gleich teuren Karten mit dem GeForce4 MX440 übertrifft er in der Mehrzahl der Tests.

Der Radeon 9000 -- ohne "Pro" -- ist eine noch preiswertere Version, die etwa 130 Euro kostet und mit 250 MHz Chip- und 200 MHz-Speichertakt langsamer getaktet ist. Beide Produkte sind mit 64 MByte DDR-DRAM bestückt, steuern auch digitale Flatpanels an und bieten Zweischirmbetrieb mit zwei Röhrenmonitoren oder mit einem Röhrenmonitor und einem digitalen Flatpanel. Sie sollen in den nächsten Tagen erhältlich sein. (Manfred Bertuch) / (jk)

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