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ATIs 3D-Flaggschiff Radeon 9700 Pro getestet

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Während Nvidias GeForce5 noch erste Testrunden im Labor dreht, kann ATI bereits verkaufsfertige Exemplare seines DirectX-9-Chips vorweisen. Der Hoffnungsträger der Kanadier markiert mit vierfachem Vertex Shader, acht Pixelpipelines und einem 256 Bit breiten Datenbus eine neue Leistungsklasse unter den 3D-Bausteinen, die annähernd die Bildqualität von Kinoeffekten ermöglichen soll. Leider liegen die 3D-Raffinessen zum größten Teil noch brach, da Microsoft die Spiele-Schnittstelle DirectX 9 erst im Herbst freigegeben will und entsprechende Spiele auf Jahre noch nicht in Sicht sind. Mit den heutigen Testmitteln konnte c’t jedoch Teilfunktionen sowie den reinen Grafikdurchsatz ermitteln.

Die Füllratenmessung mit 3DMark 2001SE weist mit 2532 MTexel/s bei Multitexturing gegenüber einem Ti4600 allerdings nur einen um acht Prozent höheren Wert aus. Erst bei zweifachem Antialiasing verbessert sich der Abstand auf 47 Prozent. Der 3D-Durchsatz ist bei einem Licht um 30 Prozent und bei acht Lichtern um 19 Prozent höher. Überzeugender als bei dieser DirectX-7-Messung fällt das Ergebnis aus, wenn man den 3D-Durchsatz über die Vertex Shader ermittelt. Hier glänzt der Radeon 9700 mit einem Vorsprung von 64 Prozent. Im Pixel-Shader-Test ist ATI dem Nvidia-Chip um 23 Prozent und bei Advanced Pixel Shader sogar um 96 Prozent überlegen.

In Spielen überzeugt der Radeon 9700 Pro vor allem mit aktiviertem Antialiasing. Im Unterschied zu Nvidia funktioniert nicht nur die 2x-Einstellung, vielmehr erzeugen auch die höheren Stufen 4x und 6x eine weiter verbesserte Kantenglättung. Der Nvidia-Chip dagegen verliert bei seinem Spezialverfahren Quincunx und 4x viel Leistung ohne die Bildqualität merklich zu erhöhen. Erst bei seiner Maximaleinstellung 4xS steigert sich die Qualität wieder, die leicht unterhalb der mittleren 4x-Stufe des Radeon 9700 Pro bleibt. Die 4xS-Stufe funktioniert zudem nur bei DirectX-Spielen, nicht aber bei OpenGL. Die Leistungbilanz fällt ebenfalls zugunsten des Radeon 9700 aus. Er büßt selbst bei der höchsten Glättungseinstellung nur zwischen 10 und 29 Prozent seiner Geschwindigkeit ein, während der Ti 4600 bei 4xS zwischen 27 und 32 Prozent verliert. Als Tests dienten hier Max Payne und Dungeon Siege auf einem 2,67 GHz schnellen Pentium-4-System. Man kann mit dem ATI-Flaggschiff also auch bei 1280 × 1024 Bildpunkten noch mit maximaler Glättung spielen, während es beim Ti4600 nur für 1024 × 768 reicht. Einzig die zur Auffüllung der Treppen benutzten Mischfarben scheint der Nvidia-Chip etwas ausgewogener zu berechnen.

Auch beim Spielen mit hoher Auflösung von 1600 × 1200 Bildpunkten machen sich die Reserven des 256-Bit-Bus bemerkbar. Ein deutliches Beispiel ist Giants. Beim Wechsel vom 1024er- zum 1600er-Format verliert der Radeon 9700 nur vier Prozent, der Ti4600 bricht dagegen um 25 Prozent ein. Bei Serious Sam kann der ATI-Chip einen Rückstand bei 1024 sogar in einen Vorsprung bei 1600 verwandeln.

Eine andere Stärke des ATI-Chips ist die anisotrope Texturfilterung, die Bodentexturen auch in der Ferne mit allen Details darstellt. Wie seine Vorgänger verliert der Radeon 9700 Pro selbst bei maximaler Einstellung nur wenige Prozent Leistung, während der Ti4600 rund 30 Prozent Geschwindigkeit einbüßt. Die ATI-Filterung ist allerdings nicht immer perfekt und verpasst kleinen Bereichen hin und wieder doch noch einen Weichzeichner.

Der Radeon 9700 Pro ist mit rund 400 Euro zwar kostspielig, bietet aber das zur Zeit leistungsfähigste Antialiasing, das man bekommen kann. Auch der Durchsatz der Shader überzeugt (3DMark-Nature-Test: 99 Bilder/s), was angekündigten DirectX-8-Spielen zugute kommen wird. Bis DirectX-9-Spiele das volle Potenzial des ATI-Chips nutzen, werden allerdings noch rund zwei Jahre vergehen. Die Kluft zwischen den Möglichkeiten der 3D-Hardware und den tatsächlich von Spielen genutzen Funktionen steigt mit jeder Chipgeneration.

Zur Ausstattung des c’t-Testexemplars gehört ein TV-Ausgang, ein zweiter Monitoranschluss für Röhren- und Flachbildschirme sowie je eine Abspielsoftware für DVDs und Realvideos (RealOne Player). Letztere kann Klötzchenstrukturen von niedrig aufgelösten Videos unterdrücken. Ab September soll die Radeon 9700 Pro über ATIs Board-Partner wie Sapphire, Club-3D, Gigabyte, Hercules und PowerColor in den Handel kommen. Bis zum Jahresende will ATI noch die preiswertere aber leistungsreduzierte Radeon 9500 herausbringen, die vermutlich nur über vier Pipelines und einen wieder auf 128 Leitungen halbierten Speicherbus verfügt. Weitere Details und alle Ergebnisse bringt c’t in Ausgabe 18. (law)

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