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Abgas-Skandal: Audi-Chef Rupert Stadler festgenommen

Der Abgas-Skandal von Volkswagen hat nun möglicherweise für den Chef der VW-Tochter Audi persönliche Konsequenzen.

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Abgas-Skandal Audi-Chef Rupert Stadler festgenommen

Rupert Stadler

(Bild: dpa, Archiv)

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Audi-Chef Rupert Stadler ist am Montagmorgen vorläufig festgenommen worden. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, laufe die Haftprüfung derzeit noch, ein Konzernsprecher habe dies bestätigt. Weitere Einzelheiten wurde noch nicht bekannt.

Gegen Audi ermittelt die Staatsanwaltschaft im Diesel-Skandal seit einem Jahr. Vergangene Woche wurden Stadlers Privaträume durchsucht. Es wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft München II gegen ihn und ein weiteres Mitglied des Audi-Vorstands ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hatte. Sie legt ihnen "Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung zur Last". Die Beschuldigten hätten Dieselautos mit manipulierter Abgasreinigung in Europa in den Verkehr gebracht.

Stadler ist seit elf Jahren Audi-Chef. Ihm wird vorgeworfen, schon vor zweieinhalb Jahren Hinweise auf Diesel-Fahrzeuge mit manipulierter Abgasreinigung bekommen, aber bewusst in Kauf genommen zu haben, dass solche Modelle weiterhin hergestellt und in Europa verkauft worden seien. Die Ermittler haben bei früheren Razzien eine Mail mit solchen Hinweisen gefunden, die von Ende 2015 stammt und auch an Stadler ging, heißt es in dem Zeitungsbericht.

[Update 18.6.2018, 11.46 Uhr]:

Der Beschuldigte wurde der Ermittlungsrichterin vorgeführt, die den Vollzug der Untersuchungshaft angeordnet hat, teilt die Staatsanwaltschaft München II mit. "Der Haftbefehl stützt sich auf den Haftgrund der Verdunkelungsgefahr."

Audi soll in den USA und Europa von 2009 an rund 220 000 Dieselautos mit Schummelsoftware verkauft haben. Seit Ende 2015 hatten sechs Audi-Vorstände ihren Hut nehmen müssen. Gegen Stadler waren immer wieder Rücktrittforderungen laut geworden.

[Update 18.6.2018, 13:16 Uhr]:

Ein VW-Sprecher bestätigte die Festnahme Stadlers. "Darüber hinaus können wir uns vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen inhaltlich nicht äußern. Für Herrn Stadler gilt weiterhin die Unschuldsvermutung", erklärte er gegenüber dpa.

Neben Stadler sitzt als Beschuldigter auch ein ehemaliger Chef der Audi-Motorenentwicklung und Porsche-Entwicklungsvorstand in Untersuchungshaft. Er war im September 2017 verhaftet worden. Einer seiner früheren Mitarbeiter bei Audi in Neckarsulm war nach mehreren Monaten Untersuchungshaft im November 2017 wieder freigekommen.

Chronologie des Abgas-Skandals (59 Bilder)

Mitte September 2015:  Die US-Umweltschutzbehörde EPA beschuldigt den Volkswagen-Konzern, Diesel-PKWs der Baujahre 2009 bis 2015 mit einer Software ausgestattet zu haben, die die Prüfungen auf US-amerikanische Umweltbestimmungen austrickst. Zu ähnlichen Untersuchungsergebnissen ist auch das California Air Resources Board (CARB) gekommen. Beide Behörden schicken Beschwerden an VW. (Im Bild: Zentrale der EPA in Washington D.C.)
(Bild: EPA
)

(anw)

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