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Abgas-Skandal: Porsche-Manager nach Diesel-Razzia in Untersuchungshaft

Erst stehen fast 200 Ermittler vor der Tür, dann muss auch noch ein Manager in U-Haft. Die Justiz erhöht im Diesel-Skandal den Druck auf Porsche. Der Autobauer weist die Vorwürfe zurück - und der Verkehrsminister wird allmählich ungeduldig.

Porsche

(Bild: dpa, Felix Kästle)

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Nach der Diesel-Razzia bei Porsche sitzt ein hochrangiger Manager des Autobauers in Untersuchungshaft. Der Mann sei wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr verhaftet worden, bestätigte die Staatsanwaltschaft Stuttgart am Freitag. Im Zusammenhang mit der Diesel-Affäre hatten Einsatzkräfte am Mittwoch mehrere Porsche-Standorte durchsucht, darunter die Zentrale in Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum in Weissach. Hintergrund sind mögliche Manipulationen bei der Abgasreinigung von Dieselautos. Porsche weist die Vorwürfe zurück.

Neben dem verhafteten Manager werden auch ein aktuelles, namentlich aber nicht genanntes Vorstandsmitglied und ein früherer Mitarbeiter beschuldigt. Porsche-Chef Oliver Blume informierte die Mitarbeiter am Freitag in einem Schreiben über den Stand der Ermittlungen, die schon seit dem vergangenen Sommer laufen.

Die VW-Tochter Porsche selbst entwickelt und produziert gar keine Diesel-Antriebe und laut Blumes Schreiben auch nicht die dafür benötigte Steuerungs-Software. In den großen Geländewagen stecken Audi-Motoren, deshalb waren die Ermittler am Mittwoch auch an zwei Standorten der Konzernschwester vorstellig geworden. Bereits seit September 2017 sitzt ein früher für Audi als Motorenentwickler tätiger ehemaliger Porsche-Vorstand in Untersuchungshaft.

"Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Beschuldigten und Porsche vor, wir hätten Kenntnis davon gehabt, dass in diesen Motoren unzulässige Steuerungsgeräte verbaut gewesen seien", schrieb Blume. "Wir weisen diesen Vorwurf zurück und tun unser Möglichstes, um alles in Ordnung zu bringen." Die Beschäftigten rief der Vorstandschef auf, sich von den Berichten über die Vorwürfe nicht verunsichern zu lassen. "Meine Vorstandskollegen und ich tun alles dafür, um den Sachverhalt so schnell wie möglich aufzuklären", betonte er.

Porsche hatte 2017 rund 21 500 Exemplare des Geländewagens Cayenne wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung der Abgasreinigung zurückrufen müssen, zeitweise galt ein Zulassungsverbot. Das Modell Macan wird zudem schon zum zweiten Mal für Software-Updates in die Werkstätten gerufen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) erhöhte am Freitag in der Frage der Software-Updates den Druck auf die Hersteller insgesamt. "Wir haben einen schweren Imageschaden durch die Fehler, die hier passiert sind", sagte er. "Ich bin sehr, sehr unzufrieden darüber. Jetzt muss ordentlich gearbeitet werden." Er werde sich wöchentlich Ergebnisse vorlegen lassen, was von den Zusagen und Versprechen erfüllt worden sei – und Fristen setzen, wenn der Zeitplan nicht erfüllbar sei.

Die Hersteller hätten "fix zugesagt", dass bis Ende 2018 alle betroffenen 5,3 Millionen Autos nachgebessert sind. 92 Prozent der rund 2,5 Millionen Diesel-Autos von Volkswagen, für die eine Pflicht galt, seien bereits umgerüstet. Nun sind auch die anderen Hersteller am Zug. Das Kraftfahrtbundesamt müsse die Anträge jedoch erst prüfen und genehmigen – auch das brauche Zeit. Wie viele Anträge aktuell bereits beim Bundesamt vorliegen, sagte Scheuer nicht. Aus Sicht von Umweltverbänden reicht das Aufspielen neuer Programme nicht aus, um die Emission gesundheitsschädlicher Stickoxide genug zu senken. In vielen Städten werden Schadstoff-Grenzwerte überschritten, Dieselautos sind ein Hauptverursacher. Es drohen deshalb Fahrverbote.

Nun sollen auch die Messstationen in Deutschland überprüft werden. Dafür sprachen sich am Freitag die Verkehrsminister von Bund und Ländern bei ihrer Konferenz in Nürnberg aus. Die Minister wiesen in ihrem Beschluss darauf hin, dass Deutschland zu Millionenzahlungen aus Steuermitteln verpflichtet sei, wenn es die Stickoxidgrenzwerte weiter überschreitet. "Schon vor diesem Hintergrund ist die durch den Bund angekündigte Überprüfung sinnvoll." Dabei müssten Fragen geklärt werden wie die Repräsentativität der Messungen für einen größeren Bereich oder die richtige Platzierung der Mess-Instrumente.

Die Software-Updates der Hersteller verbesserten die Luftqualität um 25 bis 30 Prozent, betonte Scheuer. Hardware-Nachrüstungen – also umfangreiche Umbauten an Motor oder Abgasanlage von Autos mit hohem Schadstoffausstoß – sind in der Koalition umstritten. Die SPD dringt darauf. Scheuer zeigte sich jedoch erneut skeptisch: "Ich will keine verfrühte Diskussion über Hardware-Nachrüstungen." Denn diese seien Investitionen in "altes Material". Er wolle lieber in "gute und moderne Fahrzeuge" investieren – etwa alte Diesel-Stadtbusse umrüsten und den Lieferverkehr elektrifizieren. (dpa) / (tiw)

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