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Abgas-Skandal: Software erkennt Betrug automatisch

Forscher der Ruhr-Universität Bochum haben eine Software entwickelt, die Abschalteinrichtungen – oder Defeat Devices – der Abgasreinigung in PKWs aufspürt.

Diesel-Skandal: Abgasbetrug automatisch enttarnt

(Bild: Shutterstock)

Inspiriert von den Untersuchungen des Hackers Felix Domke, der auf dem CCC-Kongress 2015 gezeigt hat wie Volkswagen das Motorsteuergerät seines Sharans manipuliert hat, wollten die Bochumer Forscher wissen, ob sich Abschalteinrichtungen auch automatisch erkennen lassen. Dafür entwickelte Thorsten Holz, Professor für Systemsicherheit, mit seinen Mitarbeitern Moritz Contag und Andre Pawlowski ein Programm, mit dem sie die Software von rund 900 verschiedenen Motorsteuergeräten untersucht haben.

Herausgekommen ist eine Übersicht der Evolution unterschiedlicher Arten von Defeat Devices. Angefangen bei den ersten Betrugsfunktionen innerhalb der sogenannten "Akustikfunktion" bei Volkswagen im Jahr 2005 bis zu den sehr ausgereiften aktuellen Abschalteinrichtungen von VW und anderen Herstellern, die zum Teil eine große Fülle von Parametern und Sensordaten in ihren Schummelalgorithmus mit einbeziehen.

"Das Defeat Device von Volkswagen verstehen wir sehr gut, denke ich", sagt Holz im Interview im neuen TR-Heft (jetzt im Handel und im heise shop erhältlich). Die Entdeckung der Devices bei anderen Herstellern, wie etwa Porsche, sei schon schwieriger. "Porsche hatte sein Defeat Device zum Beispiel in dem Steuergerät fürs Getriebe eingebaut, das erkannt hat, ob eine Prüffahrt durchgeführt wird. Das können wir also nicht entdecken, wenn wir uns nur die Motorsteuerung anschauen", erklärt Holz. In solchen Fälle müsste man die Untersuchung ausdehen. "Grundsätzlich können wir mit unserer Methode jedes Defeat Device finden, der Analyseaufwand steigt aber."

Derzeit weiten Holz und sein Team ihre Arbeit auf sämtliche Fahrzeuge mit auffällig hohem Schadstoffausstoß aus. Ziel ist es, eine Art Verifikationstool zu schaffen. Etliche Behörden haben schon Interesse signalisiert.

Mehr erzählt Thorsten Holz über die Software im Interview auf Technology Review online:

(Karsten Schäfer) / (jle)

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