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Abkommen über Spam unter der Ägide der ITU?

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Bilaterale oder multilaterale Abkommen im Stil eines soeben zwischen Australien, den USA und Großbritannien vereinbarten "Memorandum of Understanding" sollen den grenzübergreifenden Anti-Spam-Kampf beflügeln. Nabil Kisrawi, ständiger Vertreter Syriens bei der International Telecommunication Union (ITU) in Genf, machte bei der dreitägigen ITU Anti-Spam-Konferenz den Vorschlag, dieses Abkommen als Blaupause für Abkommen zwischen allen ITU-Mitgliedsstaaten anzubieten und zwar unter Ägide der ITU.

Australien hatte bereits im vergangenen Jahr ein erstes bilaterales Abkommen mit Südkorea unterzeichnet, in dem sich beide Länder den Austausch von Informationen und auch Ermittlungsergebnissen zusichern. Das Abkommen wurde sogar noch vor dem Inkrafttreten des eigenen Anti-Spam-Gesetzes gemacht, ein klarer Hinweis darauf, welchen hohen Stellenwert die australischen Behörden der internationalen Zusammenarbeit geben. Kurz vor der ITU-Anti-Spam-Konferenz in Genf gaben ACA, die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) und das britische Office of Fair Trading and Information ihr Abkommen bekannt.

Die ITU würde gerne eine wichtigere Rolle bei der internationalen Koordination des Anti-Spam-Kampfes übernehmen. Das machte am ersten Konferenztag ITU-Experte Richard Hill deutlich. Die ITU sei als einzige Standardisierungsorganisation, die praktisch alle internationale Regierungen und Private an einen Tisch bringe, sehr gut dafür geeignet. Ein konzertiertes Vorgehen von Gesetzgeber, Ermittlungsbehörden, Unternehmen und Technikern wurde in Genf wieder einmal als A und O des Anti-Spam-Kampfes bezeichnet. Beim der Internet Engineering Task Force sei derzeit die Kombination des Konzepts "Sender Policy Framework (SPF)" mit Microsofts Caller ID absehbar, sagte John Levine, Vorsitzender der Anti-Spam Research Group der IETF-Schwester Internet Research Task Force (IRTF). Beide Vorschläge ebenso wie insgesamt vier weitere, die bei der IETF vorgelegt wurden, zielen auf bessere Authentifizierungsmaßnahmen beim E-Mail-Versand. Gefragt sei auf der Protokollebene im Prinzip eine Lösung, die zwischen dem gegen die IP-Welt gescheiterten X.400-Standard und SMTP liege, sagte Hill.

Wesentlich mehr müssen nach Ansicht von Richard Cox, Vertreter des Spamhaus Projekts, Telekommunikationsunternehmen und ISPs tun, deren Breitband-Kundschaft zu leicht Opfer der Spammer auf der Suche nach Open Relays werden. Cox forderte schnellere Reaktionszeiten bei ISP wie auch Behörden, der Anti-Spam-Kampf sei keine "eight-to-five"-Angelegenheit. Die britische Umsetzung der EU-Gesetzgebung erklärte Cox am Rande für völlig wirkungslos.

Kritisch ging es am ersten Tag auch mit den Domainregistries und -registraren ins Gericht, die Spammern das Leben erleichterten, indem sie Spammern zum Beispiel realtime Veränderungen bei den Nameservern und so das rasche Ausweichen ermöglichten, sobald eine Verbindung gekappt ist. Doch die ganz harte Linie von Anti-Spam-Kämpfern wie Spamhaus fand nicht nur Beifall in Genf. Ein Mitglied der chinesischen Internet Society (ISC) beschwerte sich bitter darüber, dass die gesamte Kundschaft einzelner chinesischer ISPs in den schwarzen Listen von Initiativen wie Spamhaus verschwinde. "Diese Blacklists müssen viel schneller aktualisiert werden, nachdem die ISP reagiert haben", forderte der ISC-Vertreter.

Forderungen nach neuen Gesetzen kamen von Mobilanbieter Vodafone. "Bitte stellen Sie sicher, dass die Gesetzgebung Betreiber bei der Unterdrückung von SMS-Scams unterstützt", sagte Rob Borthwick, Public Policy Executive von Vodafone. Sein Unternehmen weigere sich bereits jetzt Premium-Rate-Gebühren zu bezahlen, wenn seine Kunden durch SMS-Scams in betrügerischer Weise dorthin gelotst worden seien. Durch eine gesetzliche Absicherung dieser Praxis, so Borthwick, könne auch dem Dialer-Unwesen im Internet der Wind aus den Segeln genommen werden. Derzeit handele es sich bei rund ein Prozent der Vodafone SMS um solche Scams und die Zahl dürfte steigen, wenn man den Erfahrungen von NTT Docomo glaubt, das bereits mehrere Eskalationen gegen Spammer im I-Mode-Netz fahren musste. (Monika Ermert) / (wst)