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Abschied vom Steinkohlenbergbau

Ein letztes Glückauf für den Bergbau. Bundespräsident Steinmeier bekommt auf der Schachtanlage Prosper-Haniel das letzte Stück Kohle überreicht.

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Abschied vom Steinkohlenbergbau

Armin Laschet mit einem Stück Steinkohle aus der Zeche Prosper-Haniel.

(Bild: Staatskanzlei NRW)

Deutschland nimmt Abschied von der Steinkohle. "Ein großes Kapitel deutscher Industriegeschichte geht zu Ende", sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in einer Videobotschaft zum Ende der Steinkohlenförderung. Zur Abschiedsveranstaltung am Freitagnachmittag auf der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop sollen Bergleute das letzte geförderte Kohlestück an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreichen.

"Gerade hier in Nordrhein-Westfalen haben wir der Steinkohle, dem "schwarzen Gold", so viel zu verdanken: Hunderttausende Arbeitsplätze, Wohlstand für viele Familien und eine Energieversorgung, die die Industrie in unserem Land erst so stark gemacht hat", sagte Laschet. "Das Zeitalter der Kohle ist eine Erfolgsgeschichte", betonte der Ministerpräsident.

"Dieses Land braucht wieder mehr Kumpelkultur", forderte der Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie, Michael Vassiliadis. Die große Solidarität und das Miteinander der Bergleute seien legendär. In der auseinanderdriftenden Gesellschaft in Deutschland müssten alle gesellschaftlichen Akteure für diese Tugenden stärker einstehen denn je.

Das Aus für die Steinkohleförderung hatten die Bundesregierung, die Kohleländer Nordrhein-Westfalen und Saarland sowie die Bergbaugewerkschaft IG BCE im Jahr 2007 vereinbart. Rund 33.000 Bergleute und andere Mitarbeiter waren damals auf den Zechen beschäftigt. Jetzt sind es noch rund 3500. Großzügige Vorruhestandsregelungen sorgten dafür, dass es keine Entlassungen beim Personalabbau gab.

Der deutsche Bergbau war zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr wettbewerbsfähig. Gut eine Milliarde Euro Kohlesubventionen pro Jahr fielen zuletzt an, um die Preisdifferenz zum Weltmarkt auszugleichen. Allein von 1996 bis heute sind aus den Haushalten des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen rund 61 Milliarden Euro als Absatz- und Stilllegungsbeihilfen geflossen.

Neben Steinmeier und Laschet kommt auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach Bottrop. Die Teilnahme Junkers soll die Rolle der Kohle bei der europäischen Einigung unterstreichen. 1951 hatten sich Frankreich, Italien, die Bundesrepublik und die Beneluxländer den Bergbau sowie die Eisen- und Stahlindustrie einer europäischen Aufsicht unterstellt. Die Montanunion gilt als Keimzelle der Europäischen Union.

Unter dem Förderturm der Schachtanlage Prosper-Haniel wird ein hoch emotionaler Schlussakt der Steinkohleförderung erwartet. "Bergleute fördern das letzte Stück Kohle zu Tage und übergeben es an den Bundespräsidenten. Gemeinsames Singen des Steigerliedes, begleitet durch den Ruhrkohle-Chor", heißt es im Programm für die Abschlussveranstaltung mit 500 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur auf dem Zechengelände.

Mit der Schließung der letzten Zeche ist der Einsatz der Steinkohle in Deutschland aber nicht zu Ende. Bei der Stromerzeugung und in den Stahlwerken wird sie künftig komplett durch Importkohle ersetzt. Wie viel Steinkohle in den kommenden Jahren verstromt wird, dürfte auch von den Ergebnissen der Beratungen in der derzeit tagenden Kohlekommission abhängen. In diesem Jahr hat die Steinkohle noch zu 13 Prozent der deutschen Stromerzeugung beigetragen. (anw)