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Abweichungen im Stromnetz: Konflikt zwischen Serbien und Kosovo verantwortlich

Seit Wochen ist die Frequenz im europäischen Stromnetz zu niedrig, weswegen einige Uhren um Minuten nachgehen. Die Stromnetzbetreiber haben nun die Verantwortlichen benannt und fordern eine politische Lösung.

Abweichungen im Stromnetz: Betreiber machen Konflikt zwischen Serbien und Kosovo verantwortlich

(Bild: PublicDomainPictures)

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Konflikte zwischen Serbien und dem Kosovo sind für den Leistungsmangel im europäischen Stromnetz verantwortlich, der viele Radiowecker und stromnetzgespeiste Uhren derzeit nachgehen lässt. Das hat der Verbund der europäischen Stromnetzbetreiber ENTSO-E (European Network of Transmission System Operators for Electricity) erklärt und der Angelegenheit damit eine politische Dimension gegeben. Denn sie schreiben deutlich, "die politischen Uneinigkeiten zwischen Serbien und dem Kosovo" haben zu den beobachten Auswirkungen auf die Elektrizität geführt, wenn keine politische Lösung gefunden werden kann, bleibe das Risiko einer Abweichung bestehen. Experten hatten vorher beobachtet, dass Energie im Verbundnetz seit Wochen nur noch nach Serbien fließt und von dort kein Ausgleich erfolgt.

Wie heise online vergangene Woche erklärt hatte, halten die Produzenten die Frequenz im europäischen Stromnetz im Mittel genau bei 50 Hertz. Nur so synchronisiert können Kraftwerke im Verbundnetz den gesamten Energiebedarf überhaupt stemmen. Denn abhängig unter anderem von der Tageszeit schwankt die abgenommene Energie: Wird mehr gefordert als produziert, dann sinkt die Frequenz minimal. Später wird sie durch erhöhte Einspeisung wieder ausgeglichen, sodass die durchschnittliche Frequenz von 50 Hertz netzsynchronisierten Uhren als Taktgeber dienen kann und sie auf die Sekunde genau gehen. Da dieser Ausgleich nun über längere Zeit nicht geklappt hat, gehen diese Uhren inzwischen aber um mehr als fünf Minuten nach.

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Eine solche Abweichung wie die aktuelle hat es in dem Netz der europäischen Stromnetzbetreiber noch nie gegeben. Die durchschnittliche Frequenz seit Januar liege bei 49.996 Hz. Die fehlende Energie betrage inzwischen 113 Gigawattstunden: "Die Frage, wer das kompensiert, muss beantwortet werden." Man prüfe derzeit alle technischen Möglichkeiten, um die Abweichung auszugleichen. Im Laufe der Woche will man zuerst die fortdauernde Abweichung beenden, danach müsse man die insgesamt fehlende Energie kompensieren. Wann das geschehen soll, soll noch entschieden werden. Abgesehen davon müssten Verantwortliche auf europäischer und nationaler Ebene aber rasch handeln, fordern die Betreiber eindringlich.

Der hinter dem Problem stehende Konflikt beschäftigt die Region und Europa seit Jahren. Der Kosovo ist eine ehemaliger Bestandteil von Jugoslawien, der im Februar 2008 seine Unabhängigkeit erklärte. Serbien will den Verlust der ehemaligen Provinz nicht akzeptieren, aber die Mehrheit der Staaten der Vereinten Nationen haben die Republik inzwischen anerkannt – darunter auch die Bundesrepublik. Im Februar feierte das Land den 10. Geburtstag seiner Unabhängigkeit.

Von den Problemen mit der Uhrzeit Betroffenen raten die Betreiber, entweder ihre stromnetzgespeisten Uhren – beispielsweise am Herd oder im Radio – per Hand auf die korrekte Zeit zu stellen. Dann müssten die Uhrzeit aber noch einmal korrigiert werden, sobald die Abweichung einmal aufgeholt ist. Ansonsten können die Uhren aber auch einfach unverändert weiterlaufen, im Laufe von ein ein paar Wochen sollen sie die Minuten wieder aufholen. (mho)

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